Abseits der Hauptbühne: Diese Acts fielen beim Sziget 2018 besonders auf

Seit Jahren kommen wir aus dem Schwärmen überhaupt nicht mehr heraus, das ungarische Sziget-Festival hat es uns angetan. Wir wandeln mal einen Spruch von Fußball-Trainer Jose Mourinho ab uns behaupten: Vielleicht ist es nicht das beste Festival Europas. Aber es gibt zumindest derzeit kein besseres.

Die Gründe dafür sind vielschichtig, mitunter sogar politisch. Das Sziget ist eine Bastion der Weltoffenheit inmitten eines nationalistisch geführten Staates, es propagiert Zusammenhalt und bringt mehr Nationen zusammen, als die meisten anderen Festivals. Bei mehr als 550.000 Besuchern, verteilt auf sieben Tage, ist das auch nicht ganz überraschend. Auf dem Sziget selbst werden dann kreativ die Vorteile der Europäischen Union, den Alltag von Behinderten oder Gender-Themen in einer speziellen LGBTQ-Venue behandelt.

Alles schön und gut umgesetzt, das Kerngeschäft eines Festivals ist aber immer noch die Musik. Und davon gibt es so viel, dass man das Festival mehrfach besuchen müsste, um wirklich alle relevanten Acts mitzubekommen. Wer sich vor der Mainstage aufhält, macht wenig falsch: Kendrick Lamar (mit etwas verkürztem Set), Arctic Monkeys (sowieso gut), Lana del Rey (kann voller Botox gerade noch so lächeln), Gorillaz (sehr gute Show) und Liam Gallagher (überraschend herzlich und richtig gut).

Auf den Nebenbühnen spiegelt sich die DNS des Festivals aber viel deutlicher wider. Dort spielen nicht nur mittelgroße Rockbands fantastische Sets, sondern auch Exoten aus Russland, Rumänien und Sonstwo. Hier eine kleine Auswahl:

Little Big

Kann man mal gehört haben, muss man aber nicht. Little Big sind aus Russland und haben kackendreist das Konzept von Die Antwoord geklaut. Via Autotune hört man also die Stimme von Yolandi, Ilya „Ilich“ Prusikin mimt Ninja ziemlich gut. Trotz geklauten Sounds haben Little Big live mitreißende Songs, die beim Sziget nicht nur Russen, sondern auch Passanten vor die Bühne (auf der einen Tag später dann Kettcar standen) gezogen haben. Turn Up mit erhobenem Mittelfinger und Kopfschütteln ob dieser irren Kopie.

Satra B.E.N.Z.

Satra heißt übersetzt sowas wie Zigeunerbande, die fünf Typen aus Rumänien stehen zu Beginn ihres ungünstigen Nachmittagsslots in etwa genauso viel Publikum gegenüber. Rumänische Fangirls mit Zahnspangen und viel zu weitem Ausschnitt. Doch die recycelten Ami-Beats treffen gepaart mit den quatschigen Outfits und zumindest einem heißen halbnackten Rapper einen Nerv. Erst kommen die paar Anhänger, dann bleiben alle Vorbeilaufenden, die einem guten Trap-Beat nicht widerstehen können. Notiz ans Splash-Festival: Bitte für 2019 buchen.

King Gizzard & the Lizzard Wizzard

Längst kein Geheimtipp mehr, aber falls es jemand noch nicht mitbekommen haben: Die Australier haben allein 2017 amtliche fünf Alben veröffentlicht, eines davon war sogar gratis. Die Fans sollten es dann gern brennen und selbst verkaufen. So viel Nähe zu den Hörern wird im weit von Australien entfernten Budapest belohnt. Es ist schon der 5. Festivaltag und trotzdem zieht die Band eine ordentliche Crowd vor die zweitgrößte Stage des Sziget. Und die hört vor allem Gitarren, die wichtiger als jede Stimme und den jeweiligen Gesang sind. Psychedelisches und Derbes, zwischen Wüstenmucke und Schweinerock. Die Gegenprogramm zu Dua Lipa, die derweil auf der Mainstage im Superstar-sein badete, ließ das australische Partyvolk ausrasten, irgendwann crowdsurften sogar die Rollstuhlfahrer.

King Gizzard & the Lizard Wizard – Polygondwanaland jetzt beo Amazon.de bestellen

Chefboss

Viel Tanz, viel Gehüpfe und ein poppiger HipHop. Chefboss aus Deutschland haben an sich nicht das einprägsamste Konzert auf dem Sziget gespielt, die Insel aber für einen Videodreh genutzt. Der Tourbus der Band stand präsent auf dem Gelände, vor dem eigentlichen Auftritt von Alice Merton und Maike Mohr wurde mit einigen Leuten noch ein Fahnenumzug inszeniert, der dann vor der Stage endete. Aus der erzwungenen Party wurde nach einigen Liedern zum Glück auch eine richtige und Chefboss gehen mit ordentlichen Videomaterial nach Deutschland zurück. Clever.

Zhu

Der kalifornische Produzent und DJ hat es auf dem Sziget richtig übertrieben. Nicht nur verwandelte er die zweitgrößte Stage, ein riesiges Zelt Samstagnacht in ein ausgelassenes Fest, nachdem Aurora auf der selben Bühne zuvor für ziemlich viel Langeweile gesorgt hat. Zhu legte einen Tag später noch einmal auf. Und zwar als Secret Act auf der Wiese vor der eigentlich schon längst geschlossenen Mainstage – Tausende kamen auch zur zweiten Show. Ließ sich übrigens das Wortspiel nicht nehmen und hatte teilweisen einen Zhudapest-Schriftzug hinter sich.


Geschenke für Weltenbummler: Mit diesen 5 Alben geht Ihr auf Weltreise
Weiterlesen