Kritik

„Alice in Borderland“ auf Netflix: Ein dystopisches Feuerwerk aus Gewalt und Gefühlen


Die japanische Sci-Fi-Serie „Alice in Borderland“ basiert auf einer beliebten Manga-Reihe und ist seit dem 10. Dezember bei Netflix im Stream verfügbar. Warum es sich dabei um die perfekte Mischung aus Action, Gore und Herz handelt, erfahrt Ihr hier.

Arisu (Kento Yamazaki) ist es gewöhnt, seine Familie zu enttäuschen. Statt sich wie sein jüngerer Bruder einer steilen beruflichen Karriere zu widmen, verbringt der junge Japaner seine Zeit lieber damit, sich in virtuelle Videospielwelten zu flüchten oder mit seinen ebenso planlosen Freunden Chota (Yuki Morinaga) und Karube (Keita Machida) um die Häuser zu ziehen. Als sich die drei jedoch eines Tages aus ihnen unerfindlichen Gründen in einer scheinbar komplett verlassenen Parallelversion Tokios wiederfinden, sehnen sie sich schon ganz bald in ihr mühseliges altes Leben zurück. Fortan müssen die jungen Männer an sadistischen Spielen auf Leben und Tod teilnehmen und dabei nicht nur ihre körperlichen und intellektuellen Fähigkeiten, sondern auch die Resilienz ihrer Freundschaft unter Beweis stellen.

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„Alice in Borderland“ ist der neueste Exportschlager aus dem Hause Netflix und beruht auf Haro Asos beliebter Manga-Reihe, was sich neben der Handlung auch deutlich in der Optik der Serie niederschlägt. Denn während der düstere Schleier, der sich über das dystopische Shibuya gelegt hat, den Großteil von uns mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit erfüllen dürfte, erzeugt er bei einigen der Spieler*innen das genaue Gegenteil und ermöglicht dem ein oder anderen so, endlich sein wahres Selbst zu entfalten und diese Entwicklung mitunter in Form kreativer Anpassungen des eigenen Erscheinungsbildes nach Außen zu tragen.

Ex-Yakuza, Hutmacher und innere Dämonen

Mit einer fast rührenden Sorgfalt widmet sich Shinsuke Satoalles Adaption dem Schicksal gleich mehrerer Figuren und lässt diese so, trotz des straffen Zeitplans, eine erstaunliche Entwicklung durchleben. Denn selbst vermeintliche Bösewichte wie Ex-Yakuza Agni (Shô Aoyagi) oder sein besonders sadistischer Gefolgsmann Niragi (Dôri Sakurada) haben mit ihren ganz eigenen Dämonen zu kämpfen, die ihnen trotz ihrer abstoßenden Gräueltaten immerhin einen Funken Sympathie verleihen und ihre Entscheidungen (fast) nachvollziehbar machen. Unterstützt wird diese Wandlung von einem mannigfaltigen Ensemble aus schillernden Charakteren, die auf Hollywood-Fans vielleicht manchmal ein wenig überzeichnet wirken, im Kontext jedoch durchaus als glaubhaft durchgehen.

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Am meisten Spaß macht die Serie aber immer dann, wenn Arisu und Co. an einem weiteren grausamen Spiel teilnehmen müssen. Diese variieren nicht nur in ihrem Schwierigkeitsgrad, sondern verlangen den Spieler*innen außerdem die unterschiedlichsten Fähigkeiten ab. Ob Teamarbeit, körperliche Fitness, Durchhaltevermögen oder schiere Skrupellosigkeit: In ihren besten Momente lässt die Serie all diese Strategien in Form verschiedener Teilnehmer*innen aufeinander treffen und in einem dynamischen Feuerwerk miteinander interagieren. So zum Beispiel im fulminanten Finale der Staffel, in dem sich die Mitglieder eines Sekten-ähnlichen Utopias auf Hexenjagd begeben und sich im Zuge dessen wie in einem Fiebertraum sämtlicher Hemmungen und moralischer Werte entledigen.

Wer sind wir wirklich, wenn uns die hässliche Fratze des Todes direkt ins Gesicht blickt?

Ganz nebenbei arbeitet sich das blutige Actionspektakel mal eben an solch komplexen Konzepten wie der wahren Bedeutung von Freundschaft, menschlicher Identität, Hoffnung und der Suche nach dem Sinn des Lebens ab. Wer sind wir wirklich, wenn uns die hässliche Fratze des Todes direkt ins Gesicht blickt? Sind wir bereit, unsere engsten Freunde zu verraten oder würden wir uns lieber für sie opfern? Könnten wir vielleicht selbst zu Mörder*innen werden? Und falls ja, wären wir dazu in der Lage, mit dieser Entscheidung zu leben?

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Die achte und damit finale Folge der Serie endet schließlich mit einem Cliffhanger, der wohl schon jetzt eine weitere Staffel herbeimanifestieren soll. Und warum auch nicht: „Alice in Borderland“ ist trotz einiger Kitsch-Momente der perfekte Serientipp für all jene Horror-Fans, die auf blutige Survival-Thriller wie „Saw“ stehen, dabei aber den Mystery-Faktor eines „Cube“ nicht missen möchten.

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„Alice in Borderland“ ist seit dem 10. Dezember 2020 bei Netflix im Stream verfügbar.