„Ant-Man and the Wasp“-Kritik: Ein ganz kleiner Film

Eigentlich hatten Disney und die Marvel Studios einen guten Plan: Sie wollten den Zuschauern nach dem aufreibenden und am Ende schockierenden „Infinity War“, der im April startete, ein Gegenstück präsentieren. „Ant-Man and the Wasp“ sollte weniger ernst und auch weniger wichtig für die Hauptstory im Marvel-Universum sein, eine Verschnaufpause zwischen dem ersten Teil des „Infinity War“ und dem 2019 startenden Finale. Dem Untergang des halben Universums setzt Marvel also bewusst einen völlig irrelevanten Film entgegen, ein geplantes Extrem. Was wohl nicht geplant war: Dem sehr guten „Infinity War“ wird mit „Ant-Man and the Wasp“ leider auch ein ziemlich schlechter Film entgegensetzt.

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Zwei Filme, eine Handlung

Von all den Solo-Franchises im Marvel-Kosmos ist „Ant-Man“ das unwichtigste. Der von Paul Rudd gespielte Held Scott Lang, der sich dank eines Anzugs vergrößern oder verkleinern kann, war schon dementsprechend nach dem ersten Film aus dem Jahr 2015 auserzählt. Sympathischer Ex-Knacki, der beim zweiten Anlauf in Freiheit versehentlich zum Helden wird und einem alten Wissenschaftler (Michael Douglas) bei einer Mission hilft. Im ersten Film musste die Schrumpf-Technologie vor Schurken geschützt werden, die damit Geld verdienen wollen.

Ein kurzer Vergleich mit der Handlung des nun (am 26. Juli) startenden zweiten Teils: Scott steht kurz vor dem Ende seines vom FBI auferlegten Hausarrests, dann muss der dem alten Wissenschaftler (Michael Douglas) wieder bei einer Mission helfen. Achso: Natürlich wollen Schurken wieder die Schrumpf-Technologie klauen und zu Geld machen. Für ein bisschen Abwechslung im Plot sorgt Michelle Pfeiffer, die Michael Douglas‘ Film-Ehefrau gibt und aus dem Quantum-Realm gerettet werden muss, einer Parallelwelt, in der sie seit 30 Jahren auf Atomgröße geschrumpft gefangen ist. Science-Fiction-Unfug, den der Film nicht einmal versucht zu erklären.

Evangeline Lilly und Michael Douglas.

Ant-Man muss eigentlich nur über zwei Stunden das Labor des alten Professors beschützen, damit dieser mit einer Kapsel in die Mini-Welt abtauchen kann. Dazwischen funkt der Waffenhändler Sonny Burch (Walton Goggins), der keine Bedrohung für die Helden darstellt und im Film letztendlich nichts zu suchen hat. Die einzige Herausforderung stellt dementsprechend Ghost (Hannah John-Kamen) dar, eine Frau, die durch Wände gehen kann und Ant-Man sowie seiner Partnerin Wasp (Evangeline Lilly) einige Male ins Gesicht schlägt. Regisseur Peyton Reed inszeniert Ghost zuerst als Schurkin, verlangt dann aber Verständnis und Mitgefühl für die genetisch manipulierte Frau – kann diesen Plot-Twist (?) aber nicht nachvollziehbar inszenieren.

Viel wichtiger als Handlung und Figuren sind für Reed die Special-Effects, die Ant-Man und seine fliegende Helferin (mehr darf die erste Frau im Titel eines Marvel-Films nicht sein) beim schrumpfen und wachsen zeigen. Im Gegensatz zum ersten Film wird nicht nur die veränderte Körpergröße der Helden für Actionszenen genutzt, nun schrumpfen auch Gebäude, Salzstreuer und vor allem Autos, was in einer spektakulären Verfolgungsjagd gipfelt, um die letztendlich der gesamte Film geschrieben wurde.

Ghost ist zwar mächtig, bekommt vom Drehbuch aber nicht viel Liebe.

Vor und nach dieser Sequenz geschieht nichts Erinnerungswürdiges. Witze, Setpieces und Wissenschafts-Nonsens werden routiniert aus Teil 1 kopiert, sind nun eben aber nicht mehr frisch. Michael Peña, Szenendieb aus „Ant-Man“ darf wieder plappern und unnötig komplizierte Geschichten erzählen, Michael Douglas ist wieder mit heiligem Ernst im Labor und der liebenswerte Paul Rudd ist wieder der liebenswerte Paul Rudd – nur eben im Superheldenkostüm.

Peyton Reed war auch der Regisseurs des ersten „Ant-Man“, und man wäre geneigt ihm vorzuwerfen, er würde sich wiederholen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn das ursprüngliche Konzept für die Comic-Adaption von 2015 wurde von Action-Comedy-Meister Edgar Wright („Baby Driver“, „Shaun of the Dead“) entwickelt, er schrieb Teile des smarten Drehbuchs, hatte schon ganze Storyboards fertig. Doch Wright verließ das Projekt, weil Marvel ihm zu viel in den Film reinquatschen wollte. Nachfolger Reed durfte von Wrights Ideen zehren und die Zuschauer positiv überraschen, vorher war er in Hollywood nur irgendein Regisseur.

Mit „Ant-Man and the Wasp“ sind die Ideen von Edgar Wright aufgebraucht, Reed dreht nur einen Abklatsch „seines“ Films aus dem Jahr 2015. Und bei Marvel dürfte man merken, dass die Trennung von Wright ein großer Fehler war. Als hätten das die Verantwortlichen nicht sowieso schon gewusst.

„Ant-Man and the Wasp“ startet am 26. Juli in den deutschen Kinos. 

Einzige Stärke des Films: Die Effekte sind auf höchstem Niveau.
Disney
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