„Baby Driver“-Kritik: Die aufregendsten fünf Minuten des Kinojahres 2017

Für die phänomenale Idee, die Eingangssequenz auf den Partisanenrock von „Bellbottoms“ der Jon Spencer Blues Explosion zu schneiden, hat sich Edgar Wright den Hosen-Grunge-Orden für Flanellhemden verdient. Es sind die aufregendsten Fünf-Minuten-siebzehn, mit denen das Kinojahr 2017 jenseits des „La La Land“-Auftaktes dienen kann. Filmemachen allerhöchster Ordnung ist das, pure Bewegung, reiner Rhythmus an der Schnittstelle von „Straßen in Flammen“ und „Drive“. Und doch erzählt diese Tour de Force alles, was man über den Film, seine Figuren und seine Handlung wissen muss.

In einer Art Mini-Oper wird der Held in Aktion vorgestellt: „Bohemian Rhapsody“ als Actionfilm, Mamma mia, let me go: Baby ist Fahrer von Fluchtautos, wirkt mit sei- nem Milchgesicht an der Seite der Bad Guys aber seltsam Fehl am Platz. In den Ohren hat er immer ein paar Earbuds mit Musik, die den Tinnitus überdröhnen soll, der ihn an den Autounfalltod seiner Eltern erinnert.

Wichtiger Mann im Hintergrund: Baby (l.)

Baby sitzt also im Wagen und hört „Bellbottoms“, als der Song in Overdrive schaltet, jagt er der Polizei davon, trickst sie aus und stellt mit dem letzten A-capella-Chorus den Wagen ab. Wow! Der Segen des Films ist auch sein Fluch: Nichts danach reicht an diesen frühen Adrenalinschub heran. Auch wenn Musik weiter im Mittelpunkt steht – etwa „Neat Neat Neat“ von den Damned oder „Brighton Rock“ von Queen – fehlt dem Rest des Films das Irre, das Durchgeknallte, das Geniale des Einstiegs. Da ist eine Leere, wo mehr „Bellbottoms“ sein sollte, mehr Herz, mehr Leidenschaft, mehr Ja zum Leben.

Es geht dann doch nur wieder um einen Jungen, der raus will aus der Nummer, nachdem er sich verliebt hat. Und den zunehmend brutalen Actionszenen fehlen die eleganten und gewitzten Einfälle. „Baby Driver“ begnügt sich damit, ein guter Actionfilm zu sein, und nicht das geniale Meisterwerk, das er hätte sein können.

Praktischerweise hat Sony die komplette Eröffnungsszene bereits ins Internet gestellt:

Sony

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