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Interview

Blxst im Interview: „Ich habe viele Stunden investiert, um Großes zu erreichen“

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Eine große Karriere in Los Angeles ist etwas, wovon viele träumen. Für die meisten bleibt es allerdings ein Traum, der niemals in Erfüllung geht. Der aus der Stadt der Engel stammende Blxst, sieht in der Verwirklichung dieses Traums jedoch eine Aufgabe – vor allem, weil er weiß, was es braucht, um auf den höchsten Rängen der Musik-Industrie durchzustarten.

Aufgewachsen im von Gangs umgebenen Süden von Los Angeles, lernt er schnell: Wer Großes erreichen möchte, muss harte Entscheidungen treffen und mit den einhergehenden Konsequenzen leben. Auch Blxst musste sich häufig zwischen zwei Seiten entscheiden, wobei alte Freunde und Familienangehörige oft auf der Strecke blieben. Das Ziel klar im Blick, perfektionierte er stets seine Fähigkeiten in Sachen Songwriting, Grafik-Design und Beat-Produktion und investierte ambitioniert die nötigen Stunden, um eines Tages ganz oben mitzuspielen.

Bereits 2015 machte Blxst sich innerhalb der Szene erstmals einen Namen, als er einen Remix für Kendrick Lamar und YG produzierte. Allerdings sollte es noch einige Zeit dauern, bis er auch der Allgemeinheit ins Auge fiel. 2020 veröffentlichte er schließlich die EP NO LOVE LOST, auf der er lebensecht von dem Preis erzählt, den eine Musik-Karriere mit sich bringt. In nur einer Woche konnte das Projekt, auf dem Rap und R’n’B wie Yin und Yang ineinanderfließen, vier Millionen Streams verbuchen. Mittlerweile sind es mehr als 75 Millionen. Im Dezember folgte die Deluxe-Version der EP, auf der er Unterstützung von namhaften Künstlern wie Tyga, Dom Kennedy und Ty Dolla $ign bekommen hat – ohne den Einfluss von Major-Labels oder bezahlte Features, die er strikt ablehnt.

Wenige Monate später legte er mit der EP JUST FOR CLARITY nach, auf der unter anderem Russ vertreten ist. Doch für Blxst ist das lange noch nicht genug. Zuletzt veröffentlichte er den Song „Movie“ mit Bino Rideaux und kündigte gleichzeitig das gemeinsame Projekt SIXTAPE 2 an. Es kennzeichnet den Nachfolger zur 2019 erschienen SIXTAPE EP.

Musikexpress: Du wirst derzeit von vielen als große Sensation in L.A. bezeichnet. Wie fühlt sich das an?

Blxst: Es ist natürlich ein Riesen-Kompliment. Gleichzeitig fühle ich mich dazu aber auch bereit. Ich habe sehr viel Zeit investiert, das nötige Selbstbewusstsein zu entwickeln. Ich schätze das sehr und glaube daran, dass ich dafür gemacht bin.

Du hast zuvor eine professionelle Skate-Karriere angestrebt, die Du aufgrund einer Verletzung früh an den Nagel hängen musstest. Bist Du im Nachhinein glücklich, dass es so gekommen ist?

Absolut. Das hat mich auf den Weg geleitet, den ich wirklich liebe. Dinge zu kreieren, egal ob es Beats oder Grafik-Designs sind.

Wie hätte Dein Leben als professioneller Skater ausgesehen?

Mein Körper hätte vermutlich deutlich mehr Blessuren.

Die Veröffentlichung Deiner Debütsingle „Who would’ve thought“ liegt nun schon fünf Jahre zurück. Wie würdest Du Deinen Weg seit 2016 zusammenfassen?

Ich bin mit dem Release von Singles immer ein Stück weitergewachsen. „Who would’ve thought“ war der erste Song, der die Million geknackt hat. Das war schon verrückt. Das gab mir einen großen Schub an Selbstbewusstsein, der mich angetrieben hat, weiterzumachen. Der Unterschied zu jetzigen Singles ist, dass sie Teil von etwas Größerem sind. Wir packen Video-Serien und all so Zeug dahinter. Damit können die Fans sich auch besser identifizieren. Außerdem bleibt so etwas länger als eine schlichte Single.

Du bist Vater. Beeinflusst das die Herangehensweise an Deine Musik?

Ich mache mir dadurch mehr Gedanken darüber, was ich sage. Alles muss etwas bedeuten und einen Sinn haben. Ich möchte etwas Positives für die Zukunft manifestieren. Es hat mir eine neue Perspektive gegeben, an meine Musik ranzugehen.

In Deinen Songs geht es sehr häufig um Liebe. Für viele Rapper*innen ist das ein Tabu-Thema. Wieso schreckst Du davor nicht zurück?

Man sollte als Künstler*in authentisch wirken und das ist ein Thema, das in meinem Leben täglich von Bedeutung ist. Daher bin ich in der Lage, darüber so frei zu sprechen, weil ich es wirklich erlebe. Es gibt nichts Besseres, als einen Song mit authentischem Hintergrund.

In „Overrated“ sagst Du, dass Du Loyalität der Liebe gegenüber vorziehst. Sind diese Dinge im Jahr 2021 wirklich nicht mehr vereinbar für Dich?

Natürlich brauchen wir immer noch Liebe. Wenn ich mich aber zwischen einem von beiden entscheiden müsste, würde ich Loyalität nehmen. Loyalität ist für mich mehr eine Form von Handlung. Es ist dennoch möglich, beides zu vereinbaren. Zwar ist das eine Seltenheit, aber es kommt vor.

Was genau wolltest Du mit dem Titel Deiner EP JUST FOR CLARITY aussagen?

Mit JUST FOR CLARITY wollte ich einfach das Rad am Laufen halten. Die Leute haben nach mehr Musik verlangt. Mit dem Titel will ich aussagen, dass ich hier bin, um zu bleiben. Ich werde weiterhin qualitativ hochwertige Musik veröffentlichen. Manchmal werde ich vielleicht auch etwas Mist erzählen, aber nicht unbedingt, um zu prahlen. Ich finde, dass ich an einem Punkt angelangt bin, an dem ich dieses Selbstbewusstsein auch ausspielen kann.

Auf der EP befindet sich ein Song mit Russ, der seit vielen Jahren das Musterbeispiel eines Independent-Künstlers ist. Hat er Dich auch beeinflusst, Major-Labels zu meiden?

Auf jeden Fall. Ich habe damals immer seine Interviews angeschaut, in denen er einige Weisheiten geteilt hat. Ich versuche bis heute die Dinge, die er in Interviews gesagt hat, auf meine Karriere anzuwenden. Er hat eine Blaupause für viele junge Künstler*innen erstellt.

Glaubst Du, dass es in Zeiten von Spotify und digitaler Musik wichtiger für Künstler ist, ihre Master zu besitzen als vor 30 Jahren?

Besitztum ist allgemein eine sehr wichtige Sache. Egal ob es deine Mastertapes sind oder dein Haus ist. Vor allem dort, wo ich herkomme, ist Besitz etwas sehr Wertvolles. Ich möchte mit einem guten Beispiel vorangehen und bleibe deshalb immer Eigentümer meiner Master. Ich möchte selbst darüber entscheiden, was ich mit meiner Musik tue. Heute gibt es noch mehr Wege, Geld mit seiner Musik zu machen. Früher war es schwerer, Musik unter die Leute zu bringen. Man musste CDs pressen und all das drum herum koordinieren. Heute geht es direkt ins Internet, wo die Musik von allen gleichermaßen konsumiert werden kann. Auch deswegen ist es mittlerweile noch wichtiger, Herr über seinen Output zu sein.

„No Love Lost“ handelt von Abstrichen und dem Setzen von Prioritäten. Gibt es immer noch Momente, in denen Du Dich fragst, ob es das alles wert war?

Absolut. Man muss gewisse Erfahrungen machen, um zu wachsen. Manchmal bedeutet das, Freunde und sogar Familienangehörige zu vernachlässigen. Positive Veränderungen benötigen manchmal Separation. Ich bin immer noch am Lernen.

Deine EP NO LOVE LOST fühlt sich ein bisschen wie eine vertonte Zeitspanne an, in der Du über das Zerbrechen Deiner Beziehung und Deine allgemeine Lebensveränderung sprichst. Hast Du mittlerweile das Gefühl, dass Du beruflich mehr an dem Ort angekommen bist, den Du gesucht hast?

Man, das ist eine gute Frage (überlegt). Wenn ich auf meine Kindheitsträume zurückschaue, bin ich auf jeden Fall dort, wo ich sein will. Das ist Glück für mich. Ich weiß aber auch, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe. Ich habe als Künstler bisher nur an der Oberfläche von vielen Dingen gekratzt. Während man wächst, werden auch die Träume größer. So lange ich etwas habe, auf das ich mich freuen kann, bin ich in der Lage, dieses Leben zu erfüllen.

Du hast noch nie einen Cent für ein Feature ausgegeben. Glaubst Du, dass bestimmte Dinge schneller zustande gekommen wären, wenn Du einfach bezahlt hättest?

Selbstverständlich. Wenn ich das Geld gehabt hätte. Durch die Knappheit an Geld war ich jedoch auch sehr motiviert, mir Dinge wie Beat-Making und Mixing selbst beizubringen. Ich habe nicht über die Ressourcen verfügt, um andere Leute dafür zu engagieren. Dieser Hunger hat auch beim Aufbau meines Selbstbewusstseins geholfen. Es fühlt sich gut an zu wissen, dass ich nicht für ein Feature zahlen muss, weil ich es selber machen kann. Wenn man zusammenarbeiten kann, ist es noch besser.

Als Produzent bist Du ebenfalls gefragt. Du hast bereits für Kendrick Lamar produziert.

Ich habe mal einen Song beziehungsweise einen Remix für ihn produziert. Ich hatte aber nicht die Möglichkeit, ihn persönlich zu treffen. Das liegt schon eine Weile zurück. Es ist aber immer noch ein großer Traum von mir, eines Tages persönlich mit ihm im Studio zu arbeiten. Kendrick ist in den Top 3 meiner Lieblings-Artists. Es würde auch Sinn machen, dass wir uns irgendwann zusammentun. Wir kommen von derselben Küste.

Wer befindet sich außer Kendrick noch in Deiner Top 3?

Die Nummer 1 ist K-Dot. Auf Platz 2 befindet sich J.Cole und danach kommt Drake. Über die Reihenfolge von Platz 2 und 3 lässt sich noch diskutieren, aber Kendrick ist sicher auf der 1.

Vor Kurzem hast Du ein Bild auf Instagram geteilt, auf dem Du mit Rick Ross im Studio zu sehen bist. Kann man gemeinsame Musik erwarten?

Das hoffe ich. Wir arbeiten an etwas, aber es macht erst Sinn, darüber zu sprechen, wenn es offiziell ist. Ich bin kein Fan davon, Dinge anzukündigen, wenn sie noch nicht in trockenen Tüchern sind. Wir haben aber einige coole Ideen festgehalten.

 

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Du machst gerade den letzten Schliff an Deinem Debüt-Album. Befindest Du Dich schon in der Phase, in der Du Details verraten kannst?

Ich glaube, es ist noch zu früh. Ich habe noch nicht mal einen Titel. Ich weiß nur, in welche Richtung es gehen wird. Ich bin sehr kreativ und arbeite konstant an neuer Musik, bis ich das Gefühl habe, ein solides Stück Arbeit vor mir zu haben.

Wenn man Deine Karriere etwas genauer verfolgt, liegt der Verdacht nahe, dass Du nur noch einen kleinen Schritt vom absoluten Durchbruch entfernt bist. Entsteht dadurch Druck in Bezug auf das Album?

Du hast recht. Ich befinde mich derzeit an einem Punkt, an dem nichts unmöglich ist und alles passieren kann. Es fühlt sich an, als wäre das der bisher wichtigste Teil meiner Karriere. Ich versuche motiviert, inspiriert und hungrig zu bleiben. Ich weiß, dass ich die Stunden investiert habe, um Großes zu erreichen. Der Druck kommt dabei ganz natürlich einher und ich füttere ihn.

Blxsts EP SIXTAPE 2 mit Bino Rideaux wurde für den Sommer angekündigt.


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