Cro – der nächste Deutschrap-Superstar?

„HipHop is dead“ rappte 2006 der große Straßendichter Nas. Er irrte. Seit 30 Jahren folgt in der Welt von Beat und Reim auf jedes Wehklagen unter Garantie die nächste Welle der Euphorie. Ein neuer Tag, ein neuer Style – schließlich ist der Gang über den Jordan auch nur ein Aufbruch zu neuen Ufern. So zieht auch in Deutschland derzeit eine ganze Generation blutjunger Rapper das Genre konsequent auf links. Mit Endorphin statt Testosteron, engen Jeans und weitem Blick. Im smarten Schwaben Cro hat sie ihren neuen Superstar gefunden.

Es ist vier Uhr nachmittags an einem strahlenden Frühlingstag in München. Auf Steinstufen in dem Veranstaltungs­areal des Feierwerk südwestlich der Innenstadt sitzen junge, sehr hübsche Mädchen in bedruckten T-Shirts und vertreiben sich die Zeit mit beiläufigem Rauchen und ostentativem Nichtstun. Im Hintergrund scheppern und kratzen ein paar Skateboards über den Parkplatzasphalt, zwischen den grauen Hallen des Kulturzentrums spitzen erwartungsfroh Sonnenstrahlen hervor. Das milde Frühlingswetter ist nicht der Grund für den Menschenauflauf; braun werden kann man in dieser Stadt besser noch an anderen Orten. Der wahre Grund heißt Carlo Waibel. Er rappt unter dem Namen Cro. Und er schlendert gerade an seinen frischen Fans vorbei, ohne dass sie es merken. Man ruft ihn auch „den Pandamann“, wegen der Bärenmaske, die ihm als Markenzeichen dient und ihn praktischerweise auch noch tarnt, ihn vor dem Zugriff seiner Verehrer bewahrt. Deren Zahl ist innerhalb von ein paar Wochen explodiert. Facebook zählt knapp unter 700 000. Zu dem Zeitpunkt, zu dem diese Zeilen geschrieben werden.

Die Geschichte von Cro gehört zu den erstaunlichsten der jüngeren deutschen Pophistorie. Im Sommer vergangenen Jahres tauchte das mysteriöse Supertalent im Umfeld des Stuttgarter Indie-Labels Chimperator auf. Der Kollege Kaas hatte ihn im Internet entdeckt, ausfindig gemacht und umgehend dem Künstlerstamm von Chimperator zugeführt. So geht die Legende. Danach ging alles ganz schnell. Im Netz tauchte ein Song namens „Easy“ auf, wenig später das dazugehörige Video, in dem die hübschen Mädchen mit den bunten T-Shirts nicht nur herumsitzen und rauchen, sondern zu Cros Vokalparts die Sängerinnen mimen und dabei durch die Bilderbuchbutze eines coolen Teenagers mit Tumblr-Sozialisation stolpern. Überall Bilder, Referenzen, Supreme-Mützen. Die T-Shirts der Mädchen hat Cro selbst designt.

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