Meinung

Der ECHO verzichtet 2018 auf Moderatoren, eine falsche und feige Entscheidung

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Seit 2017 wird die Verleihung des ECHO, also des vermeintlich wichtigsten deutschen Musikpreises, vom Sender VOX organisiert und übertragen. Da Quote und Rezeption der ersten Ausgabe auf dem Privatsender nicht den Ansprüchen des Senders genügten, beschlossen die Verantwortlichen einige Änderungen im Ablauf der Show. Neu ist zum Beispiel ein Public Viewing, bei dem Fans für 50 Euro auf Großleinwand verfolgen dürfen, wie Helene Fischer sich ihre Preise abholt. Dazu holt VOX clever kalkuliert die Teilnehmer der Show „Sing my Song“ auf die Bühne, in wenigen Tagen startet die neue Staffel. Die wichtigste Neuerung ist aber die Abschaffung der Moderatoren.

Zwar wird bei jeder einzelnen Kategorie ein Musikerkollege die Nominierten ansagen und dem Sieger anschließend den Preis überreichen. Aber einen durch den Abend führenden Moderator oder eine Moderatorin wird es beim ECHO 2018 nicht geben. Im vergangenen Jahr führten Sasha und Xavier Naidoo durch die Preisverleihung, die Performance der beiden hinterließ keinen bleibenden Eindruck. Anstatt die beiden nun zu ersetzen, verzichtet VOX gänzlich auf Hosts. Dabei wäre ein Gastgeber bzw. eine Gastgeberin in diesem Jahr nötiger denn je.

Der Moderator einer Award-Show ist nicht zwangsläufig darauf begrenzt, die nächsten Live-Acts oder die nächsten Presenter anzusagen. Vor allem im Eingangsmonolog ergibt sich die Chance, auf interessante Themen und Kontroversen rund um die Veranstaltung einzugehen. Bestes Beispiel dafür war die Oscar-Verleihung im März. Moderator Jimmy Kimmel griff die #metoo-Debatte auf, die sexuellen Missbrauch in Hollywood enttarnte und die die Filmwelt noch immer beschäftigt. Mit Witz und Ernst zugleich wurde das Thema aufgegriffen, weil sich Branchen vor allem bei ihren medial besonders wirksamen Events auch ihren Problemen stellen müssen. Alles andere ist feige und nicht authentisch.

ECHO 2018: Die Kontroverse wird totgeschwiegen

Die Kontroverse, die den ECHO 2018 belastet, ist die Nominierung sowie der Auftritt der Rapper Kollegah und Farid Bang.  Mit der Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ auf einem Bonustrack des Albums JBG3 haben die Rapper eine Debatte um Geschmacklosigkeit und Antisemitismus im Rap und vor allem seitens Kollegah losgetreten. Die Bild berichtete über die fragliche Textzeile, der mit bürgerlichem Namen Felix Blume heißende Rapper lud danach eine bizarre Brandrede gegen die Medienlandschaft auf YouTube hoch.

Kollegah

Die Ethikrat des ECHO prüfte den Fall und die Zeile, ließ die Rapper aber dennoch weiter auf der Liste der Nominierten. Die Aussage falle wohl in die Kunstfreiheit, was viele Beobachter und Kommentatoren nicht so hinnehmen möchten. „Rolling Stone“-Chefredakteur Sebastian Zabel sprach sich im der Veranstaltung ebenso gegen das Rap-Duo aus wie viele jüdische Nutzer sozialer Netzwerke.

Schlimm genug, dass ein Kollegah, dessen antisemitische Andeutungen in Texten schon länger ein Thema sind, überhaupt auf der Bühne stehen wird. Genauso schlimm ist es aber, dass eben kein Moderator auf der Bühne steht, der diese Kontroverse und die Entscheidung des Ethikrats einordnet. Oder vielleicht sogar die Wogen mit etwas Humor glättet.

VOX und die Veranstalter flüchten damit aus einer Debatte, die seit Tagen Fans und Medien beschäftigt. Und die wahrscheinlich der einzige interessante Aspekt am ECHO 2018 ist. So bleibt es wohl einem der Presenter überlassen, sich zu der Kontroverse zu äußern. Vielleicht sagt ja Mark Forster was dazu.

Frank Hoensch Redferns via Getty Images

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