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„Der größte Kunstraub der Geschichte“: Die 5 kuriosesten Details aus der Netflix-Doku-Serie

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In den frühen Morgenstunden des 18. März 1990 wurden 13 Kunstwerke aus dem Isabelle Stewart Gardner-Museum in Boston entwendet, die bis heute verschollen bleiben. Die vierteilige Doku-Serie „Der größte Kunstraub der Geschichte“ (Original: „This is a Robbery“) geht dem Verbleib der Werke nach und folgt den vielen Spuren der nunmehr 30-jährigen Ermittlungsgeschichte. Hier sind die fünf kuriosesten Details aus der Doku zum rätselhaften Kunstraub.

Hier geht es zum Trailer:

1) Insiderwissen und Stümperei

Die zwei als Polizisten verkleideten Diebe, die gegen ein Uhr nachts das Wachpersonal zunächst täuschten und dann im Kellerraum fesselten, schienen sich einerseits bestens im Museum auszukennen: Sie verschafften sich Zugang zu einem Geheimgang, nahmen sich für den Raubzug geschlagene 81 Minuten Zeit, entwendeten anschließend das Überwachungsvideo und die Ausdrucke des Bewegungsmelders.

Andererseits war ihr Umgang mit den Kunstwerken äußerst rabiat: Die meisten der Gemälde wurden einfach aus den Rahmen geschnitten (was zu erheblichem Wertverlust führen kann) und zum Schluss verwendeten die Täter einige Zeit darauf, einen napoleanischen Fahnenadler abzuschrauben. Die 13 gestohlenen Kunstwerke – darunter Malereien und Zeichnungen von Rembrandt, Vermeer, Degas, Manet – kommen zwar auf einen heute geschätzten Wert von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Doch sie gehörten nicht zu den wertvollsten Besitztümern des Gardner-Museums, das auch Werke von Botticelli, Michelangelo, Raffael und Tizian ausstellt.

2) Die Dr. No-Theorie

Unter dem Diebesgut befanden sich äußerst wertvolle und kunsthistorisch bedeutsame Werke: „Das Konzert“ von Vermeer etwa, einem Maler, von dem ohnehin nur 37 Malereien weltweit erhalten sind, sowie Rembrandts einzige Meereslandschaft „Christus im Sturm auf dem See Genezareth“. Über diese eher „schwierige Hehlerware“ wunderten sich Polizei und FBI und verfolgten zwischenzeitlich die sogenannte „Dr. No-Theorie“. Diese dem Bond-Film „007 jagt Dr. No“ von 1962 entlehnte Theorie geht von einem Ölbaron oder Multimillionär aus, der den Raub dieser Werke präzise beauftragt haben könnte.

Wie ein Scotland-Yard-Agent in der Doku erklärt, ergeben solche Theorien aber eher wenig Sinn: Angesichts der ausgeschriebenen Belohnungssumme würde ein rein von finanziellen Motiven getriebenes Diebesteam seinen Auftraggeber immer verraten. Im Fall des Kunstraubs von Boston ist die Belohnung für Hinweise, die zum Fund der Raubkunst führten, inzwischen immerhin auf zehn Millionen US-Dollar gestiegen.

3) Myles Connor: Musiker, Kunstdieb, Polizistensohn

Bald führten die Ermittlungen der Polizei zu einem Mann, der seit den 1960ern im Bundesstaat Massachusetts wiederholt als Kunstdieb in Erscheinung getreten war: Myles J. Connor, Sohn eines respektablen Polizisten, Mitglied des Mensa-Verbands für Menschen mit hohem IQ und außerdem Musiker, der in der Gegend immer wieder mit seiner Band Myles and The Wild Ones aufgetreten war.

In „Der größte Kunstraub der Geschichte“ erzählt der über 70-Jährige recht nonchalant von seiner kriminellen Karriere: 1975 habe er einen Rembrandt gestohlen, an insgesamt 30 Beutezüge kann er sich erinnern. Außerdem habe das Gardner-Museum schon immer auf seiner Bucket-List (!) gestanden – allerdings saß er zum Tatzeitpunkt eine Haftstrafe ab. Dennoch legt die Doku-Serie wiederholt nahe, dass Connor, der Verbindungen zur italienischen Mafia in Boston unterhielt, zumindest in die Planung der Tat verwickelt gewesen sein könnte.

4) Kunst gegen Immunität

Kunst sei eine gute Schmuggelware und internationale Währung, erklärt ein mit dem Kunstraub von Boston vertrauter Scotland-Yard-Agent in „Der größte Kunstraub der Geschichte“. Und so führten die Ermittlungen bald zum organisierten Verbrechen in Boston, das zum Tatzeitpunkt vor allem von der irischen und italienischen Mafia ausgeübt wurde. Auf Raubkunst, so eine ausführlich behandelte These der Doku-Serie, habe man es in diesen Kreisen abgesehen, weil sie als Verhandlungsmittel in laufenden und drohenden Prozessen gegen Mafiamitglieder eingesetzt werden konnte.

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Vorgemacht hatte dies bereits besagter Myles Connor, der seine Haftstrafen durch die Rückgabe geraubter Kunstwerke wiederholt senken konnte. Eine in der Doku-Serie geäußerte Vermutung ist, dass der Kunstraub von Boston aus ebensolchen Gründen vom Mafiamitglied Bobby Donati beauftragt wurde, um den inhaftierten Gangster Vincent Ferrara früher aus dem Gefängnis zu bringen. Doch bevor Donati dahingehend verhandeln konnte, endete er tot im Kofferraum seines Autos – überhaupt starben die meisten der mutmaßlich in den Kunstraub involvierten Männer in den Folgejahren gewaltsame Tode, wie die Doku-Serie darlegt.

5) Mahnende leere Rahmen

Bis heute gelten die 13 Kunstwerke aus dem Gardner-Museum als verschollen und die Spekulationen über ihren Verbleib führen von Jamaica über Irland und Frankreich bis nach Saudi-Arabien. Ein Bostoner Journalist äußert in der Doku-Serie sogar die traurige Befürchtung, dass die Kunstwerke schließlich zerstört worden sein könnten, weil die Ware einfach „zu heiß“ gewesen sei.

Währenddessen kann man im Isabella Stewart Gardner-Museum die vielen anderen Exponate besichtigen – und leere Rahmen anstelle der 1990 entwendeten Bilder. Dies könnte als symbolischer Akt interpretiert werden, in dem sowohl Hoffnung als auch Mahnung mitschwingen. Aber der Umstand ist zuallererst dem Testament der Kunstsammlerin Isabelle Stewart Gardner geschuldet, die das Museum Ende des 19. Jahrhunderts auf Sumpfgebiet erbauen ließ: Darin hatte sie angeordnet, dass die Sammlung in ihrem Arrangement unverändert bleiben müsse, weshalb das Museum bis heute Werke weder verkauft noch zukauft – und den gestohlenen Werken ihren Platz freihält.

Die vierteilige Doku-Serie „Der größte Kunstraub der Geschichte“ ist seit dem 7. April 2021 auf Netflix zu sehen.

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