Jahresrückblick 2019

Die 50 besten Platten des Jahres 2019


Wir haben abgestimmt und die (subjektiv) einzig wahre Liste erstellt: Das sind die 50 Favoriten der ME-Redaktion und somit die besten Alben des Jahres 2019. Ha!

3. Nick Cave & The Bad Seeds – GHOSTEEN

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Ghosteen/Rough Trade (VÖ: 4.10.)

GHOSTEEN erschien zunächst nur digital, die Tonträger folgten Anfang November. Die prächtige Doppel-LP bietet ein Gatefold- Cover. Innen: ein großformatiges Foto von Nick Cave und Warren Ellis, so bearbeitet, dass es auch als Gemälde im Museum hängen könnte. Man sieht die beiden Männer vom Meer weggehen, das Abendrot leuchtet, der Nebel steigt auf, Caspar-David-Friedrich-Atmo. Das Bild funktioniert wie ein Schlüssel für GHOSTEEN. Es ist das Album, auf dem Nick Cave & The Bad Seeds zusammengeschmolzen sind, zur Kerneinheit Cave & Ellis. Die anderen sind weiterhin namentlich aufgeführt, sie werden bei der anstehenden Tour auch wieder etwas zu tun bekommen, bei diesen Liedern bleiben sie zumeist stumm, vor allem die Schläge von Drummer Thomas Wydler sind an einer Hand abzuzählen. Wie konzentriert Cave und Ellis in ihrer Partnerschaft zu Werke gehen, zeigte schon der Film „20.000 Days On Earth“, damals arbeiteten sie an PUSH THE SKY AWAY, dem 2013er-Album, das mit seinen Loops und kosmischen Schlaufen die Basis für GHOSTEEN gelegt hatte. Die Konsequenz, mit der die beiden dieses Klangprinzip weiterverfolgen, begründet sich durch die Trauerarbeit: Es scheint, als habe Cave beschlossen, jegliche Körperlichkeit auszuschließen. GHOSTEEN ist ein Album im Geiste. Die Bad Seeds sind nicht ganz verschwunden.

Das letzte Lied „Hollywood“ hat einen tiefen, tiefen Blues-Postpunk-Bass. Mehr als 14 Minuten läuft das Stück, zunächst liegt Morbidität wie bei Dead Can Dance in der Luft, dazu das von Ellis entwickelte kosmische Flimmern, das von vielen mit Vangelis verglichen wird, was aber nur halb stimmt, denn die Musik von Vangelis ist immer auch körperlich, die von Cave und Ellis nicht. „Hollywood“ ist das Kernstück des Albums, weil Cave hier von einer Flucht singt, an einen utopischen Ort, an dem alles gut sein könnte. Doch diese Flucht scheitert, weil es keinen Ort gibt, an dem der Tod nicht ebenfalls zu Hause wäre. Er erläutert das mithilfe der Geschichte von Kisa, deren Sohn stirbt und die den Weg zu Buddha findet. Der sagt, er könne ihr helfen, das Kind wieder zu erwecken, alles was er benötige seien Senfkörner – jedoch aus Haushalten stammend, die den Tod noch nicht kennen. Kisa sucht solche Häuser, findet sie aber nicht, weil niemand vom Tod verschont bleibt. Die Erkenntnis, dass sie mit ihrer Trauer nicht alleine ist, ist ihr großer Trost. „Everybody’s losing someone“, singt Cave, der vor viereinhalb Jahren seinen Sohn verloren hat. Er singt in Kopf- stimme, fast wie Justin Vernon, jedoch zerbrechlicher. „It’s a long way to find peace of mind.“ André Boße

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