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„Die nächste Billie, bitte!“: 8 Acts, die als Eilishs Nachfolger*innen gehandelt werden

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Hinter jedem erfolgreichen Popstar stehen aufgekratzte Majorlabels, die sich auf die Suche nach vermarktbaren Epigonen machen. Ob es Billie Eilish im Alleingang war, die das Interesse an genresprengenden, oft queeren und ostentativ seltsamen Teens und Twens hat steigen lassen? Oder war die Zeit einfach reif? Wer weiß. Unbestreitbar groß ist Eilishs Einfluss auf die Pop-Ästhetik im Hier und Jetzt allemal.

Chloe Moriondo

Wo die Eilish-Assoziationen bei Chloe Moriondo herkommen, dürfte klar sein: Vor drei Jahren coverte die erst 18-
Jährige aus Detroit Eilishs „idontwannabeyouanymore“ auf ihrem YouTube-Kanal. Nach einer Transformation vom Tomboy-Wuschel zum Horror-Teen mit kunstblutverschmiertem Mund ist kürzlich ihr Debüt BLOOD BUNNY beim Majorlabel Warner erscheinen. Das klingt streckenweise eher nach Eilishs Idol Avril Lavigne als nach ihrem eigenen reduzierten Pop.

Yungblud

Es gab eine Zeit, in der Pop-Phänomene der späten Neunziger- und Nullerjahre, zum Beispiel Crossover oder Emocore, in etwa so cool wie ein Ekzem waren. Gerade aber entdecken junge Künstler*innen wie die US-Amerikanerin Poppy und eben – in Sachen Ästhetik – auch Billie Eilish den „Nu- Metal“ ihrer Kindheit wieder, haben aber zu Themen wie Queerness mehr zu sagen als etwa Fred Durst. Allen voran der Brite Dominic Richard Harrison alias Yungblood. Der ist nicht nur in Sachen Ästhetik nah an Eilish, sondern kombiniert seine Emo-geschulte Bildsprache mit dem Bewusstsein, dass psychische Krankheiten keine coole Künstlerpose sind – sondern ein Thema, das ehrlich besprochen gehört.

Jaagup Tuisk

Vor einiger Zeit hätte man das, was Billie Eilish und Finneas auf WHEN WE ALL… veranstaltet haben, sicher noch als Avantgarde-Pop bezeichnet. Heute ist der Sound der Geschwister sogar bei der Jahresgala des Kostüm- und Eventpop angekommen. Zumindest ein bisschen: Dem estnischen ESC-Vorentscheidskandidaten Jaagup Tuisk wurde 2020 vorgeworfen, dass sich sein Beitrag „Beautiful Lie“ allzu offensichtlich bei Eilishs „When The Party’s Over“ bedient.

Novaa

Auch Deutschland will seine Billie. Eine Anwärterin auf Vergleiche mit dem Popstar aller Popstars ist die Berlinerin Antonia Rug alias Novaa, die sich in ihren Elektro-Pop-Songs mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Eilish gegen Sexismus stellt.

Bea Miller

Wie Billie Eilish wurde auch die heute 22-jährige US-Amerikanerin grotesk früh bekannt: mit 13 nämlich, als Teilnehmerin der Castingshow „The X Factor“. Mit ihrem Look und ihrer sanften Stimme vereinte Miller schon vor Eilishs Durchbruch (oder zumindest zeitgleich) vieles, was man heute an ihrer übermächtigen Kollegin liebt, muss sich aber immer wieder vorwerfen lassen, bei Eilish zu klauen.

Benee und Melanie Martinez

Die Neuseeländerin Stella Rose Bennett alias Benee ist 21 Jahre alt, hat mit „Supalonely“ einen Überraschungshit im Pandemiejahr 2020 gelandet – und jetzt schon keine Lust mehr auf die ständigen Billie-Eilish-Vergleiche. Dabei liegen sie auf den ersten Blick durchaus nah: Auch Benee gibt das „Sad Girl“ in bunter Alles-auf-einmal-Ästhetik, wenn auch – wie ebenso im Falle der US-Newcomerin Melanie Martinez – mit einem poppigeren Twist als die zwischen Goth-und-HipHop- Brückenbauerin Eilish.

Thea Taylor

Unter dem Alias Carolesdaughter stapft die Kalifornierin Thea Taylor mit Gesichtsbemalung zwischen Monster und Horrorclown durchs Video zu ihrem Folk-Punk-Song „Trailer Trash“ (und, wie einst Eilish im Video zu „Bellyache“, allein durch die Prärie). Ob sich Taylor und Eilish die Grusel-Gothic-Weirdo-Nummer von den Emobands der Nullerjahre abgeschaut haben, vom guten, alten Robert Smith oder vom Horrorcore – einem morbiden HipHop- Subgenre aus den US-Südstaaten – wird vermutlich ihr, nun ja, dunkles Geheimnis bleiben.


Gedanken zum Gegenwärtig*innen, Folge 8: … W.I.P. (Work In Progress)
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