Highlight: #Wirsindmehr und ECHO-Aus: Eure Ereignisse des Jahres 2018

Pop x Politik

Bundestagswahl 2017: Die Donots wollen gerade heraus sprechen – auch wenn’s um Politik geht

Kurz vor der Bundestagswahl 2017 wollten wir wissen: Wie viel sagt die Musik über das Land aus, in dem sie entsteht? Wie politisch ist deutscher Pop kurz vor der Bundestagswahl und zwei Jahre nach „Wir schaffen das“? In einer Zeit, die geprägt ist von einer Rückkehr in nationalstaatliches Denken, von Europakrise, islamistischem Terror, Klimawandel und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung.

Also haben wir Fragebögen an 150 deutsche Künstler und Künstlerinnen verschickt. 29 Antworten kamen zurück, eine davon von den Donots. Sänger Ingo Donot findet klare Worte zum Thema Politik und Musik.

„Haltungslose „middle-of-the-road“-Songtexte gibt es im Radioprogramm schon zur Genüge“ (Ingo Donot)

ME: Versteht Ihr Euch als Band als politisch? Schreibt Ihr politische Songs?

Ingo Donot (Donots): Die Akzente, die wir mit den Donots in unseren Texten und Ansagen setzen, sind sicherlich politisch, aber in allererster Linie sind sie einfach das, was uns unser gesunder Menschenverstand sagt. Wir arbeiten seit Jahren schon mit Kampagnen wie „Kein Bock Auf Nazis“ zusammen, haben an Compilations a la „Rock Against Bush“ und Soli-Songs für u.a. „Amnesty International“ mitgewirkt, aber sowas wie eine politische oder soziale Agenda, die wir Punkt für Punkt abarbeiten, haben wir nicht. Wir schauen einfach, wo wir mit sinnvollen Aktionen zeitnah helfen können, um das Leben auf diesem Planeten vielleicht ein kleines bißchen besser zu machen. Und momentan brennt es einfach an vielen verschiedenen Ecken, weshalb wir spätestens seit „Karacho“ in diversen Songs gerade heraus sprechen – und das wird sich auf dem nächsten Album nicht ändern.

Warum schreibt Ihr politische Songs oder warum verzichtet Ihr darauf?

Ingo Donot: Haltungslose middle-of-the-road Songtexte gibt es im Radioprogramm schon zur Genüge. Mich hat an Punk und sämtlichen subkulturellen Genres immer interessiert, dass die Lyrics in Verbindung mit der vertonten Wut und Energie eine Richtung, einen Willen haben, bestehende Verhältnisse hinterfragen oder nach Veränderung schreien. Diese Kombination hat mich immer am unmittelbarsten erreicht und mitgerissen. Und nichts anderes wünsche ich mir auch von den Songs, die wir Donots schreiben und spielen. Wenn wir in unserer Spielart und auf unsere Art und Weise ein bißchen mehr leisten können als „nur“ Entertainment und auch nur eine weitere Person mit einer konstruktiven Aussage erreichen, dann war es das schon wert.



Zu ihrem Popkolumnen-Abschied: Julia Lorenz empfiehlt Autorinnen, die Ihr lesen solltet
Weiterlesen