Pop x Politik

Smudo (Die Fantastischen Vier) vor der Bundestagswahl 2017: „Rap und Hip-Hop hatten für mich etwas Befreiendes“

Kurz vor der Bundestagswahl 2017 wollten wir wissen: Wie viel sagt die Musik über das Land aus, in dem sie entsteht? Wie politisch ist deutscher Pop kurz vor der Bundestagswahl und zwei Jahre nach „Wir schaffen das“? In einer Zeit, die geprägt ist von einer Rückkehr in nationalstaatliches Denken, von Europakrise, islamistischem Terror, Klimawandel und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung.

Also haben wir Fragebögen an 150 deutsche Künstler und Künstlerinnen verschickt. 29 Antworten kamen zurück, eine davon von den Fantastischen Vier. Smudo hat sich die Zeit genommen, die vier Fragen zu beantworten. Über das Verhältnis von Politik und Musik sagt er: „Rap und Hip-Hop hatten für mich etwas Befreiendes.“ Und oh: Ein neues Album der Fantastischen Vier kündigt er nebenbei auch an. Ihr neuntes Album REKORD erschien 2014.

ME: Versteht Ihr Euch als Band als politisch? Schreibt Ihr politische Songs?

Smudo: Wir sind als Menschen natürlich politisch interessiert, als Band sind unsere Texte teilweise auch als gesellschaftspolitische Aussagen zu verstehen.

Warum schreibt Ihr politische Songs oder warum verzichtet Ihr darauf?

Wir sind per se keine politische Band. Parteipolitik halten wir immer außen vor. Ich bin 68er Jahrgang und in den 70ern und 80ern zwischen Arbeiterliedern von F-J Degenhardt bis Konstantin Wecker, dem politsatirischem Musikkabarett der Insterburger und dem Anti-Atom-NDW-99-Luftballons-Pop aufgewachsen. Rap und Hip-Hop hatte für mich etwas Befreiendes. Ich weiß wie absurd das klingt, aber es ist vor allem der Party- und Club-Charakter von Hip-Hop, der uns motiviert hat.

Können politische Inhalte in Songs tatsächlich etwas beeinflussen? Welche Wirkung können sie haben?

Musik und seine poppolitische Aussage ist immer eine Aussage der Gesellschaft aus der sie kommen und die sich unter diesen Liedern zusammenfindet. Es ist ein Kitt, der Lobbys formen und zu politischen Handlungen motivieren kann. Kein Atomausstieg oder Friedensbewegung oder Womens-Right-Movement oder, oder, oder ohne seinen Soundtrack.

Fühlt Ihr Euch durch die politischen Entwicklungen der letzten Zeit (Flüchtlingsentwicklung, erstarkender Nationalismus, Autokraten in politischen Führungen, Klimawandel usw.) herausgefordert, Euch künstlerisch als Personen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen, politisch zu äußern?

Ausnahmsweise ja. Diesbezügliche Aussagen finden sich auf unserem kommenden Album, speziell in dem Track „Endzeitstimmung“.

Status: Es ist kompliziert – der deutsche Pop und sein Verhältnis zu Politik und Gesellschaft

Eine ausführliche Analyse darüber, wie es um den deutschen Pop und sein Verhältnis zu Politik und Gesellschaft steht findet Ihr im Essay von Torsten Groß im Musikexpress 10/2017, der am 14. September erschienen ist.

Die weiteren Antworten auf unsere Fragen:

 

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