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Silbermond: „Musik spricht eine andere Sprache als ein Politiker“

Kurz vor der Bundestagswahl 2017 wollten wir wissen: Wie viel sagt die Musik über das Land aus, in dem sie entsteht? Wie politisch ist deutscher Pop kurz vor der Bundestagswahl und zwei Jahre nach „Wir schaffen das“? In einer Zeit, die geprägt ist von einer Rückkehr in nationalstaatliches Denken, von Europakrise, islamistischem Terror, Klimawandel und zunehmender gesellschaftlicher Spaltung.

Also haben wir Fragebögen an 150 deutsche Künstler und Künstlerinnen verschickt. 29 Antworten kamen zurück, eine davon von Silbermond. Die Antworten der Band zeigen exemplarisch, wie heikel beziehungsweise unsicher für viele deutsche Künstler der Umgang mit dem Thema Politik ist.

ME: Versteht Ihr Euch als Band als politisch? Schreibt Ihr politische Songs?

Thomas Stolle: Ich würde uns nicht als politische Band bezeichnen. Aber wir sind gerne ein Teil dieser Gesellschaft, das heißt, wir gehören zu denen, die die Augen offen halten und sich dafür interessieren, was um sie herum passiert. Wir sagen klar und offen unsere Meinung und finden es gut, dass die Leute, die unsere Musik mögen, auch wissen, was für Menschen und Gesinnungen hinter den Songs stecken.

Warum schreibt Ihr politische Songs oder warum verzichtet Ihr darauf?

Stefanie Kloß: Es ist nicht wirklich leicht hochkomplexe, politische Zusammenhänge in 3 Minuten und 20 Sekunden zu packen. Aber manchmal kann ein Gefühl zu einem solchen Thema in Songs ausgedrückt werden. Und das tun wir, wenn es sich ergibt und fügt – und sich gut anfühlt.

Können politische Inhalte in Songs tatsächlich etwas beeinflussen? Welche Wirkung können sie haben?

Andreas Nowak: Die Frage ob ein Pop/Rock-Song die Welt verändern kann ist ja eine Ewige. Bei allen Bewegungen, Umwälzungen oder Weiterentwicklungen sind es doch immer viele dieser kleinen Dinge, die Stück für Stück ein Umdenken bewirken – und sei es auch nur dass sie der Anstoß für größere, folgende Schritte sind. Diese Funktion kann auch ein Popsong haben, indem Meinungen und Zeitgeist darin Ausdruck finden. Ich glaube, dafür gibt es viele gute Beispiele aus den Sechzigern und Siebzigern.

Johannes Stolle: Zudem ist es auch so, dass Musik eine künstlerische Ausdrucksform ist, mit der man Themen auf eine ganz eigene Art transportieren kann. Musik spricht einfach eine andere Sprache, als zum Beispiel ein Politiker und erreicht sicherlich auch eher den ein oder anderen politisch weniger interessierten Menschen mehr.

Fühlt Ihr Euch durch die politischen Entwicklungen der letzten Zeit (Flüchtlingsentwicklung, erstarkender Nationalismus, Autokraten in politischen Führungen, Klimawandel usw.) herausgefordert, Euch künstlerisch und/oder als Personen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen, politisch zu äußern?

Stefanie: Ich glaube, dass der Fakt an sich, dass man eine sogenannte „Person des öffentlichen Lebens“ ist, nicht bedeuten darf, dass man sich äußern MUSS. Entweder man hat das Bedürfnis, weil ein Thema X einen selbst beschäftigt und es einem ein Anliegen ist, oder eben nicht. Und bei mir persönlich wächst dieses Bedürfnis, je mehr die Welt in Bewegung ist. Mir fällt es nur manchmal schwer, meine Gedanken in Worte zu fassen. Etwas zu fühlen ist das Eine, es dann aber vor einem breiten Publikum so auf den Punkt zu bringen ist nochmal etwas Anderes.

https://www.youtube.com/watch?v=cUYRa3LeqlY

Status: Es ist kompliziert – der deutsche Pop und sein Verhältnis zu Politik und Gesellschaft

Eine ausführliche Analyse darüber, wie es um den deutschen Pop und sein Verhältnis zu Politik und Gesellschaft steht findet Ihr im Essay von Torsten Groß im Musikexpress 10/2017, der am 14. September erschienen ist.

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