Easy Listening Mit Bohrmaschine


Mit skurrilen Tönen wandert Jimi Tenor zwischen den Welten Finnland ist ein sehr friedliches Land. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich im Haifischbecken des Musik-Business zurechtgefunden habe“, räumt Jimi Tenor ein. Inzwischen aber fühlt sich talentierte Nordländer in der Szene so wohl wie ein Fisch im Wasser. „Intervisions“, sein drittes Album, das Tenor überwiegend mit analogem Elektro-Equipment aufnahm, hat den Mann mit der Hornbrille auch außerhalb der Techno-Szene bekannt gemacht. Dennoch dürften Tenor und seine geliebte Bühnenorgel auch in diesem )ahr wieder überwiegend Fans von elektronischen Klängen erfreuen. Dabei steht der skurrile Finne im Grunde für das Gegenteil dessen, was man gemeinhin unter Techno versteht. Bei seinen Live-Gigs sitzt Tenor hinter Orgel und Effektgeräten und läßt sich von einer Rhythmus-Sektion und zwei Bläsern begleiten. Das Ergebnis ist ein Sound, der irgendwo zwischen dem 7oer-Jahre-Soul von Curtis Mayfield und dem 8oer-Jahre-E!ektro-Ton von Human League und Suicide liegt.

Daß Tenor verschiedene Stilrichtungen scheinbar mühelos miteinander verbinden kann, kommt nicht von ungefähr. Bereits als Schüler lernte er im heimatlichen Lahti, mit Klavier und Saxophon umzugehen. Nach Übungsjahren im Schulorchester („Wir spielten das, was man heute Easy Listening nennt“) gründete er Anfang der 8oer eine Band namens Jimi Tenor and his Shamans: „Wir waren zwar vom Punk beeinflußt, aber ich spielte damals hauptsächlich Bohrmaschine und Stahlfaß.“ Später zog Jimi Tenor der Liebe wegen nach New York. Dort kam ihm zwar bald die Frau, nicht aber seine Begeisterung für Musik abhanden. In seiner beengten Wohnung machte er abends Musik auf der Heimorgel. Doch diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. Inzwischen lebt Jimi Tenor in London, von wo aus er das renommierte Warp-Label (Aphex Twin) mit seinen ungewöhnli chen aber erfolgversprechenden Werken beliefert.