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„Zack Snyder’s Justice League“ erklärt: Der lange Weg zum über vierstündigen Befreiungsschlag

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Flashback: Als die „Justice League“ um Batman (Ben Affleck), Superman (Henry Cavill) und Wonder Woman (Gal Gadot) im November 2017 ihren Kino-Einsatz startete, machten Enttäuschung und vernichtende Tweets die Runde. Die Hoffnungen der Fans waren groß, dass man dem  Comic-Giganten Marvel und seiner Vorzeigemannschaft „Avengers“ endlich etwas entgegensetzen würde. Doch das ewige Hinterherhinken von DC, die auch mit ihren Solo-Filmen nicht an Iron Man, Thor oder Captain America vorbeiziehen konnten, fand mit „Justice League“ seinen bitteren Höhepunkt.

Große Ambitionen und heftige Schicksalsschläge

Jetzt, vier Jahre später, soll die neue Fassung der „Justice League“ die Wogen glätten. Regisseur Zack Snyder kämpfte lange darum, seine eigene Vision des düsteren Epos auf die Leinwand zu bringen. Denn die ursprünglichen Ideen konnte der US-amerikanische Filmemacher 2016 nicht finalisieren. Der plötzliche Selbstmord seiner erst 20-jährigen Tochter Autumn ließ nicht nur Snyders Welt stillstehen, sondern stoppte auch die Produktion der „Justice League“. Schnelle Hilfe holte sich das produzierende Studio Warner Bros. von dem genreerfahrenen Regisseur Joss Whedon, der in den 1990er-Jahren mit der Vampirserie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ einen Hype auslöste und 2012 das erste „Avengers“-Abenteuer in Szene setzte. Theoretisch ein Mann vom Fach.

Doch die Neubesetzung des Regiestuhls war der Anfang vom Ende. Ein mehr als fünf Stunden langer Cut existierte bereits. Den Produzent*innen war das Mammutwerk jedoch deutlich zu düster und die zusätzlich gedrehten Szenen unter Whedons Leitung sollten auf Biegen und Brechen mehr Humor in das dunkle Drama bringen. Den Kritiker*innen aus den eigenen Reihen war der Wechsel eine willkommene Gelegenheit den Film deutlich massenkompatibler zu gestalten. Das Ergebnis war eine durchwachsene Patchwork-Produktion, bei der die mäßig gelungene Retusche von Henry Cavills „Mission: Impossible“-Schnauzer nur die Spitze des Fiaskos war. Liebhaber*innen der Comic-Reihe empfanden das Projekt als ungebremsten Schlag ins Gesicht.

Ohne Fans geht gar nichts

Dass lautes Poltern und kräftiges Twittern von Fans Wirkung zeigen kann, bewies zuletzt die komplette Überarbeitung des Computerspiel-Igels „Sonic“. Nach Release des Trailers sah sich das Studio Paramount gezwungen, aktiv zu werden und den animierten Hauptdarsteller dem Game-Original anzupassen. Der Einsatz der „Justice League“-Gemeinde ging weit darüber hinaus. Mehr als zweieinhalb Jahre bemühten sich die Fans, Warner Bros. zu überzeugen, dem Film und Zack Snyder eine zweite Chance zu geben und einen Director’s Cut zu veröffentlichen. Brief-Aktionen, Unterschriftensammlungen, bezahlte Plakatwände und Spenden an Stiftungen für Suizidprävention: Das ungeahnte Ausmaß und die Leidenschaft der Fans sowie der Zuspruch von Cast und Crew stimmten die Verantwortlichen letztlich um. Der Weg für den Snyder-Cut war frei.

Was gibt es Neues?

Mit mehr als vier Stunden präsentiert sich der Zack Snyder-Cut der „Justice League“ nun auf Pay TV-Sender Sky. Aufgeteilt in sechs Kapitel und einen zusätzlichen Epilog ist die zeitweise angedachte Veröffentlichung als Mini-Serie unverkennbar. Für Zuschauer*innen, die wenig Sitzfleisch haben, eine willkommene Alternative zum durchgehenden Filmgenuss. Inhaltlich bietet die neue Version jedoch kaum Unterschied zur Grundstory des Originals: Superman (Henry Cavill) ist tot und Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck) rekrutiert weitere Held*innen, um mit ihm den Untergang der Menschheit durch Bösewicht Steppenwolf (Ciarán Hinds) aufzuhalten. So weit, so ähnlich, auch wenn die Wahl des traditionellen Fernsehformats 1,37:1 in den ersten Minuten irritierend wirkt.

Allerdings setzt Zack Snyder im Gegensatz zu Joss Whedon durchgängig auf die erdrückende Dramatik und Schwere seiner Story. Mehr Hintergründe, detaillierter Szenenaufbau und mehr Zeit für die Story-Entwicklung zeichnen die doppelte Laufzeit gegenüber der zuvor veröffentlichten Fassung aus. Wo sich bei Whedon etwas Licht durch die Dunkelheit kämpfte, liegen über Snyders Version schwarze Wolken. Fast scheint es, als ob das Thema des Verlusts allgegenwärtig wäre: die verlorene Zeit, Abschied von geliebten Menschen, schmerzhafte Trennungen und der Wunsch, die Toten wieder ins Leben zurückzuholen.

Düster, aber auch befreiend

Snyder verarbeitet mit seinem Epos womöglich auch persönliche Erfahrungen – den Tod seiner Tochter. Die Danksagung am Ende des Filmes lässt daran kaum Zweifel. Polierte Effekte und überarbeitete CGI sind zu diesem Zeitpunkt schon längst zur Nebensache geworden. Das Gefühl, dass der gesamte Film eine kleine Befreiung für Regisseur und Fans sein könnte, hallt noch mit dem Abspann nach.

„Zack Snyder’s Justice League“ ist seit 18. März 2021 bei Sky und Sky Ticket im Stream verfügbar.

Warner Media/HBO Max
Warner Media/HBO Max

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