Erster männlicher Zeuge spricht vor Gericht über Vergewaltigung durch R.Kelly

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Im Prozess gegen den ehemaligen R’n’B-Star R. Kelly, dem im Rahmen des seit Mitte August laufenden Gerichtsprozesses sexueller Missbrauch Minderjähriger, Entführung und Bestechung vorgeworfen werden, gibt es neue Entwicklungen. Zum ersten Mal sagte vor Gericht ein Mann, der unter dem Pseudonym „Louis“ auftritt, gegen den 54-jährigen Musiker aus. Dieser soll im Alter von 17 Jahren von R. Kelly vergewaltigt worden sein.

R. Kelly gab vor, „Louis“ bei seiner Musikkarriere zu helfen

„Louis“ gab an, R. Kelly 2006 während einer Nachtschicht in einem McDonald’s in Chicago getroffen zu haben. Dieser war zu dem Zeitpunkt selbst ein aufstrebender R’n’B-Musiker und erhoffte sich, von R. Kelly ein paar Tipps für seine Karriere zu erhalten. Nachdem die beiden Telefonnummern ausgetauscht hätten, sei es zum Treffen der beiden Männer in einem von R. Kellys Musikstudios gekommen, wo der damals 17-Jährige seine Musik abgespielt habe. Kelly soll von dem Talent des jungen Mannes nicht überzeugt gewesen sein, habe ihn jedoch regelmäßig zu Partys bei sich zu Hause eingeladen.

Eines Tages sei es dann zu einem Treffen in R. Kellys Garage gekommen, wo der Musiker ihn gefragt habe, was er bereit sei, „für die Musik zu tun.“ Anschließend soll es zum sexuellen Missbrauch durch den Sänger gekommen sein. Spätere Handlungen dieser Art habe Kelly auf Kameras festgehalten, wobei er „Louis“ darum gebeten habe, ihn „Daddy“ zu nennen. Später habe er ihn als seinen „kleinen Bruder“ bezeichnet. Bei seiner letzten Begegnung mit dem Sänger soll dieser ihn dazu aufgefordert haben, eine Falschaussage zu verfassen. Diese Aussagen decken sich zum Teil mit den Aussagen weiterer Opfer R. Kellys.

„Louis“ soll eine andere Zeugin bestochen haben

Der Mann trat nicht als Opfer, sondern als Zeuge im Rahmen einer Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft auf. „Louis“ selbst wurde wegen Bestechung im Februar 2021 verurteilt. Er hatte einer andern Zeugin Geld angeboten, damit sie nicht gegen den Sänger aussagt. Er habe „beiden helfen“ wollen, da er wohl befürchtete, dass die Frau im Besitz von Missbrauchsaufnahmen sei, deren Veröffentlichung er nach eigenen Aussagen verhindern wollte. Auf die Frage, was R. Kelly getan habe, um ihn bei seiner Musikkarriere zu unterstützen, lieferte „Louis“ vor Gericht dieselbe Antwort, die auch andere Opfer des Sängers getätigt hatten: „Gar nichts.“

Die mehrfachen Vorwürfe gegen R. Kelly beziehen sich auf Ereignisse in den Jahren 1994 bis 2018. Bis heute weist Robert Sylvester Kelly (bürgerlicher Name) jede Schuld von sich. Die finale Entscheidung in dem Prozess trägt eine Jury, bestehend aus sieben Männern und fünf Frauen.


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