Flying Hats


Auf ihrem neuen Album mit Multimedia-Teil beschreiten die Flying Hats ganz neue Wege.

„Jetzt, da es richtig losgeht, wird’s für mich wieder ruhiger“, lacht Nick Werren, Sänger der Flying Hats. „Von der Arbeit her möchte ich die letzten zwei Jahre nicht noch einmal durchmachen.“ Dabei hat man schon lange nichts mehr von diesem Berner Quartett gehört, das sich zwischen 1993 und 1995 ein hohes Live-Renommee erspielt hatte. Nach dem Achtungserfolg des Albumdebüts „April“ mußten der Gitarrist Matz Kuenzler und die Rhythmusgruppe Pheeb und Michel Chammartin gestaffelt Lehrabschlußprüfungen ablegen und die Rekrutenschule über sich ergehen lassen. Für das bisherige Bandpensum mit vier Proben pro Woche war daher erstmal keine Zeit mehr. Vom Sommer 1997 an pilgerten die Musiker an den Wochenenden nach Schaffhausen, um dort im Star-Track-Studio mit dem Toningenieur Tom Etteran neuen Songs zu arbeiten. Der hatte sich durch seine Produktionen für Bands wie die Scuba Divers schon lange einen Namen als Klangkünstler gemacht, und das neue Album der Flying Hats, „Hattrick“, klingt tatsächlich farbiger als „April“. Neu sind die Billig-Synthesizer mit denen die Band den Sound ihrer Livebesetzung erweitert hat. „Für mich ist das Studio eine Spielwiese“, erläutert Werren,“und bei Tom konnten wir diese Vorstellung auch erstmals ausleben. Damit keine Mißverständnisse entstehen: Die Flying Hats sind nicht zu Tüftlern mutiert. Sie haben lediglich neue Sound bögen über ihren sommerlichen Gitarrenpop gespannt und ihm eine neue Dichte verliehen. Streckenweise ist das Ganze immer noch sehr funky, aber hauptsächlich orientieren sie sich an Bands der sechziger- und siebziger Jahre. Und in seinen besten Momenten klingt „Hattrick“ wie Kula Shaker ohne Räucherstäbchen. „Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, Samples oder ein Loop einzubauen“, meint Werren nachdenklich, „aber ich habe diese Ideen gar nicht erst eingebracht, weil sie ohnehin nicht durchgekommen wären.“ Parallel zu den Aufnahmen in Schaffhausen bereitete er den Multimedia-Teil von „Hattrick“ vor, in dem die Bandgeschichte interaktiv aufbereitet ist. „Hätten wir das alles bezahlen müssen, hätte uns das um die 50.000 Franken gekostet“, schmunzelt Werren. „Der Programmierer und ich haben aber viel Fronarbeit geleistet.“ Wie es sich für eine Rockband in den neunziger Jahren gehört, haben die Flying Hats auch schon eine eigene Webseite eingerichtet, obwohl Werren vom ihrem Nutzen nicht gerade überzeugt scheint: „Ich glaube, daß diese Sachen überschätzt werden. Bis jetzt hat sich noch kein Veranstalter mit uns in Verbindung gesetzt, bloß weil er die Webseite gesehen hat.“ Schade. Denn mit Auftrittsmöglichkeiten tut sich die Band derzeit schwer. Konnten sie sich vor zwei Jahren noch zahlreicher Angebote erfreuen, muß sich ihr Agent jetzt regelrecht abrackern, um Gigs zu beschaffen. Zu lange sind die Flying Hats brachgelegen, auch hat sich die Konzertszene in der Schweiz verschlechtert. Wie Kuno Lauener von Züri West neulich bemerkte, ist die Infrastruktur zwar professioneller dennje.doch was den Bands fehlt, ist etwas nicht ganz Unwichtiges: nämlich das Publikum. „Das hat vielleicht auch Vorteile“, meint Werren. Denn die Bands müssen endlich begreifen, daß es einfach nicht mehr genügt, auf der Bühne zu stehen und Soli abzuspulen. Da muß schon mehr passieren.“ Daran soll es bei Flying Hats wahrlich nicht scheitern. Denn trotz des erweiterten Sounds steckt in ihnen immer noch eine mitreißend explosive Live-Band-