Get Us Some Schlüpfer!


Wein, Weib und Gesang: Der Journalist G.Thomas Beyl über die Deutschland- Tournee der Beatles.

Frollein, kommen sie hier, mit der Schlüpfer in die Hand!“ Das ist der erste Satz in deutscher Sprache, den John Lennon beim ersten Gastspiel der Beatles in Hamburg lernte. „Und damit“, bestätigt Paul Mc-Cartney, „war das Wichtigste für uns erst einmal geregelt.“ Damals, i960, bemühten sich die vier Arbeitersöhne aus Liverpool mit holpriger Zunge noch persönlich darum, mit den Mädchen ins „Gespräch“ zu kommen. Sechs Jahre später — ich hole die Fab Four in London ab, um sie als Chefreporter und Betreuer der BRAVO-Beatles-Blitztournee in Deutschland zu begleiten — ist das ganz anders. Kaum im Münchner Hotel ‚Bayerischer Hof angekommen, brennen die Beatles darauf, sich mit den deutschen Mädchen wiederzuveremigen. „Alf, get us some Schlüpfer!“ befiehlt Paul. Alf ist ihr „Special Road Manager“ in Liebesdingen, Schlüpfer der Name für die German Girls. Dann treten die Vier ans Fenster und winken den tausenden von kreischenden Fans zu. Zwischendurch zeigen sie Alf, wen sie sich für’s Schäferstündchen ausgesucht ha-1 ben. Und schon macht sich Alf auf die Socken und flüstert den Auserkorenen die frohe Botschaft ins Ohr. Keine schüttelt den Kopf. Gegen das, was hier abläuft, ist das Oktoberfest ein Hort der inneren Einkehr. Smarte Boys aus Schwabinger Nightclubs rufen schließlich an: Drinks und Girls satt — alles gratis, versteht sich. Die Nachricht löst im Polizeipräsidium Panik aus. Help! „Um Gottes willen“, flehen mich die Beamten an, „tun sie alles, um die Beatles im Hotel zu halten, sonst gibt es in Schwabing eine Katastrophe. Egal wie sie das fertigkriegen — wir helfen Ihnen!“ Aber da helfen nur Girls, Girls, Girls. Draußen vor der Tür steckt mir ein Junge einen Brief zu: „Liebe Beatles, ich bin ein löjähriger, treuer Fan und finde beim besten Willen keine Freundin. Könnt ihr mir nicht die Namen und Adressen einiger Mädchen schicken, die ihr nicht braucht? Mit besten Wünschen Euer Walter H.“

Dann weiter nach Essen. Im ‚Sonderzug, mit dem Königin Elisabeth ein Jahr vorher als Staatsgast durch die Republik kutschiert worden war. Zwei Konzerte in Essen, dann weiter nach Hamburg. Darauf freuen sie sich besonders, hier hatte alles angefangen. Mit einem klapprigen Kleinbus waren sie damals angekommen und hatten den Merseybeat zur Welt gebracht. Die halbe Nacht für 40 Mark pro Pilzkopf. Diesmal kassieren sie für zwei Auftritte ä 20 Minuten 200.000 Mark Im Jahr 1966 ist die Welt der Beatles noch heil, da heißen ihre Ehefrauen ,‘ noch Cynthia, Jane, Patti ‚¿ und Maureen. Gemeinsam begeistern sie sich für den Plan, eine Großfamilie zu gründen. In Griechenland wollen sie nach dem Muster einer Hippiekommune abseits der großen Welt glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage leben. Nur ein Traum — Frauen haben die Beatles zusammengehalten, Frauen bringen sie auch wieder auseinander. Ich habe es selbst erlebt. Frühmorgens nach einer langen Nacht in den Londoner ‚Abbey Road‘-Studios. Abschätzig mustert Yoko Ono den Busen von Pauls Frau Linda, dann flüstert sie John ins Ohr: „My tits are bigger.“ „Meine Titten sind größer“, das ist der entscheidende Satz. Müde aber hellhörig registriert Linda die Beleidigung, Paul ist auf 180. Es ist das Ende der Freundschaft Lennon/McCartney.