Heteros in High Heels: Måneskin wehren sich gegen Vorwürfe des Queerbaitings

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Zwei Band-Mitgliedern der italienischen Rock-Band Måneskin, nämlich Damiano David und Thomas Raggi, wird gelegentlich von Fans „Queerbaiting“ vorgeworfen. In einem aktuellen Interview reagieren sie auf diese (für sie irrsinnigen) Vorwürfe und rücken Stereotype zurecht.

Was ist „Queerbaiting“ überhaupt?

Was Queerbaiting bedeutet? Kurz: mit Queerness werben, aber in Wirklichkeit nicht die Werte dahinter vertreten.

Genauer: Das englische Wort „Bait“ bedeutet ins Deutsche übersetzt „Köder“. Der Begriff bedeutet: Man wirft einen Köder aus, in diesem Fall queere Inhalte, um eine größere Zielgruppe anzulocken. Jährlich tun dies viele Unternehmen im Pride Month: Sie färben Logos und Inhalte in Regenbogenfarben, um zu bekennen, dass sie der LGBTIQA+-Community zur Seite stehen. Obwohl sie in Wirklichkeit mitunter aber nichts dergleichen tun.

Beim Queerbaiting erzeugen sie „mithilfe von Werbung das Bild, queere Personen oder eine homosexuelle Beziehung zu repräsentieren. Diese Erwartungen werden jedoch nicht erfüllt. Somit ziehen sie eine gewisse Zielgruppe an, ohne die konservative Zielgruppe zu verschrecken oder gar zu verlieren.“ (Warda: Was ist Queerbaiting) 

Ist es problematisch, dass der Måneskin-Sänger High Heels und MakeUp trägt, ohne queer zu sein?

Der Sänger der Band, Damiano David, ist straight und hat eine Freundin. Auch Gitarrist Thomas Raggi ist heterosexuell. Beide werden dennoch immer wieder dafür kritisiert, dass sie trotz ihrer Heterosexualität einen eher geschlechtsneutralen Stil pflegen, oft mit Make-up, High Heels, Strapsen.

Damiano David
Thomas Raggi

Måneskin äußern sich zu den Vorwürfen des Queerbaiting in einem aktuellen Interview mit „The Guardian“: „Wir leben jeden Tag sehr eng mit Leuten aus der Community zusammen. Es ist dumm von queeren Menschen, die diese Stereotypen bekämpfen sollten, sie so zu bezeichnen und noch mehr Hass zu erzeugen“, sagt dazu Bassistin Victoria de Angelis. Sie und der Schlagzeuger Ethan Torchio gehören der LGBTQ+-Gemeinschaft an.

Im Gespräch mit dem „Guardian“ sagt de Angelis: „Manchmal sind die Anschuldigungen so extrem. Die Tatsache, dass Raggi und David heterosexuell sind, bedeutet nicht, dass sie kein Make-up tragen können?! Oder Heels.“

Victoria De Angelis

David pflichtet dem bei: „Alles, was Thomas und ich tun, wird immer von zwei Menschen gefiltert, die queer sind. Natürlich erleben wir nicht die gleichen Dinge, aber wir leben jeden Tag sehr eng mit Menschen aus der Community zusammen.“

Widerstand von „traditionellen Rock ’n‘ Roll-Fans und Faschisten“

Die Band spricht auch über den Widerstand, den sie von Konservativen „und traditionellen Rock ’n‘ Roll-Fans und Faschisten, die uns mit allem, was sie haben, hassen“, erfahren hat. David sagt sogar, dass in ihrer Heimat Italien eine Verschwörungstheorie kursiert: „Sie besagt, dass wir berühmt wurden, weil wir bezahlt wurden. Dass wir mit der italienischen Regierung zusammenarbeiten, um diese Gender-Fluid-Kultur zu verbreiten.“

„Wir glauben nicht, dass es bei echter Rockmusik um diese Stereotypen von Sex und Drogen und Rock’n’Roll-Lifestyle geht“, fügte de Angelis später hinzu. „Es geht um Ausdruck und kreative Freiheit.“

Mehr über Måneskin

Die italienische Rockband Måneskin wurde 2017 durch ihre Teilnahme an der Castingshow „X Factor“ bekannt. Sie siegte mit dem Lied „Zitti e buoni“  beim „Eurovision Song Contest“  2021 – seither sind sie weltweit bekannt und touren vor allem durch die USA und Europa.

Die Band besteht aus Damiano David (Gesang), Thomas Raggi (Gitarre), Victoria De Angelis (Bass) und Ethan Torchio (Schlagzeuger). Ihr aktuelles Album heißt RUSH! und erschien am 20. Januar 2023.

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