Gespräch

Rina Sawayama im Interview: „Ich war schon immer inspiriert von der queeren Community“

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Seit dem Release ihres Debütalbums SAWAYAMA gelang Rina Sawayama ein rasanter Aufstieg zu den Popsternen. Ihr nicht ungewagter Mix aus Pop mit der gesamten Bandbreite des Sounds der 2000er — Justin Timberlake-esker R’n’B, verschrieener Nu-Metal, emolastiger Pop-Punk — bescherte ihr unter anderem Lady Gaga und Elton John als Fans. Auf ihrer Debütplatte reichten sich Britney Spears und Limp Bizkit metaphorisch die Hände.

Geboren in Niigata in Japan, zog es ihre Familie in die UK, als Sawayama fünf Jahre alt war. Die Eltern trennten sich, sie wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter in London auf — auf engstem Raum gemeinsam in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Rina Sawayama erlebte über Jahre die äußerst belastende und konfliktbeladene Scheidung ihrer Eltern. Sawayama entwickelte sich als Teenager daraufhin zum Troublemaker, ging regelmäßig heimlich feiern und war nicht aufzufinden, sodass ihre Mutter sogar ihr MSN hacken und ihre Freund*innen kontaktieren musste, um sie daraufhin von einem Hotel abzuholen, wo ihre Tochter backstage als Band-Groupie herumhing.

Von Cambridge zum Eisverkauf und FaceTime mit Elton John

Sawayama beschloss die nächsten Jahre nochmal die Kurve zu bekommen und studierte Politikwissenschaften mit Soziologie und Psychologie an der renommierten Cambridge-Universität, entschied sich nach dem Abschluss aber für eine Musikkarriere. Um die Kosten der ersten EPs abzuklappern, jobbte sie unter anderem als Eisverkäuferin, im Nagelstudio und brachte iPhones unter die Leute.

Der Plan ging auf: Mit ihrem Debütalbum meldete sich Elton John höchstpersönlich zum FaceTimen bei ihr. Daraufhin erschien ein gemeinsames Feature zu „Chosen Family“. Lady Gaga war so begeistert, dass sie Rina Sawayama zum Remixen ihres Songs „Free Woman“ einlud und Hyperpop-Darling Charli XCX holte sie für ihren Hit „Beg For You“ ins Studio.

Maximalismus über Minimalismus

Mit HOLD THE GIRL veröffentlicht Rina Sawayama ein Nachfolgealbum, das wie ein poliertes Kitschkunstwerk nur vor 00er-Referenzen strotzt, ihre Noughties-Melancholie aber trotzdem in futuristisch gewandten und aufwendig produzierten Pop kleidet. Und sich, wie der Titel anklingen lässt, ganz dem inneren Kind widmet. Wir haben uns mit Rina Sawayama darüber unterhalten, wie eine Therapie den Entstehungsprozess des Albums geformt hat, obwohl sie keine weitere Platte über persönliche Traumata geplant hatte. Wie sich der Support Sawayamas, deren Pansexualität auch ein Thema ihrer Musik ist, für die queere Community auf der Platte widerspiegelt. Und warum Drag eine ihrer größten Inspirationsquellen ist.

musikexpress.de: Dein musikalischer Ansatz ist ein sehr maximalistischer und eklektischer. Wie entstand deine Faszination für opulente Popmusik?

Rina Sawayama: Wenn ich einen Song schreibe, möchte ich auch im Produktionsprozess involviert sein. Die Produktion ist dabei für mich wie das Haus, in dem Song und Melodie leben. Mein Interior Design Style war dabei schon immer sehr maximalistisch, weil ich einfach nicht aufhören kann Dinge hinzuzufügen. Es gibt so unglaublich viele Popsongs da draußen und ich will so viel Aufwand und Finesse wie möglich in meine Musik stecken, sodass mein Pop nicht das Äquivalent zur Fast Fashion wird.

Denkst du, deine Passion für maximalistischen Pop war es auch, die dich auf den Weg gebracht hat, selber Musik zu produzieren?

Ich bin in den 90ern und 2000ern großgeworden, in denen die Musik generell sehr maximalistisch war. Max Martin (Britney Spears, Backstreet Boys, Avril Lavigne) hat in dieser Ära sehr viel produziert. Mir persönlich liegt es auch mehr am Herzen, wirklich große Popsongs zu schreiben. Mit „Send My Love To John“ und „Minor Feelings“ sind auch ein paar minimalistischere Songs auf dem Album vertreten. Aber wenn ich performe, will ich, dass es so aufregend wie möglich wird.

In deiner visuellen Arbeit als Künstlerin sind die Einflüsse von sowohl Camp, als auch High Fashion sehr stark. War das schon immer etwas, das dich interessiert hat?

Ich bin schon immer inspiriert von der queeren Community gewesen. Ich denke, wir erschaffen die beste Kunst. Wie wir Schmerzen mit Drag in etwas Humorvolles oder einfach nur Schönes verwandeln können, fand ich schon immer spannend. Am Ende ist es eine Show, es ist Entertainment.

Wenn es um Drag geht: Gibt es ein paar Künstler*innen, die dich besonders geprägt haben?

Es geht mir mehr um die Idee, wie Schmerz bei Drag umgewandelt wird. Viele meiner Freund*innen, die mit Drag gearbeitet haben, fanden es sehr kathartisch einen anderen Charakter für die Bühne zu erschaffen. Verletzenden Erlebnissen mit Humor eine Leichtigkeit zu geben. Manche haben sich sogar Dragnamen gegeben, die einen Spin haben auf Beleidigungen, die sie in ihrem Leben hören mussten und haben sich so diese Worte wieder angeeignet.

Du hast deinen Uniabschluss in Politikwissenschaften gemacht und dabei auch Psychologie und Soziologie studiert. Haben deine Fächer oder bestimmte Dinge, die du während des Studiums gelernt hast, auch Einfluss auf deine Musik oder Herangehensweise beim Songwriting genommen?

Ich behandele Songs tatsächlich wie Essays. Meistens sammle ich ein paar Monate lang Ideen, schaue viele Filme, lese Bücher und kuratiere mir so zusammen, was einen Eindruck hinterlassen hat. Es ist also quasi wie eine Lektürenliste. Und dann gibt es erstmal einen Haufen Songskizzen und Revisionen. Für mich liegt der Reiz darin, Dinge einfach auszuprobieren, ohne dass es gleich klappen muss. Ich liebe den Prozess und verwerfe oft Dinge und brauche Leute im Studio, die sich darauf einlassen können. Ich will einfach, dass wir alle Spaß beim Schreiben und Produzieren haben und das Ganze mit einer kindlichen Offenheit angehen.

Wie ein großes Moodboard quasi, das dabei aber auch kulturelle und politische Aspekte aufgreift?

Auf jeden Fall, ich versuche immer zu reflektieren, was zur Zeit gesellschaftlich passiert. Gerade vom politischen Geschehen bin ich durch meine Identität oft direkt betroffen. Ich will auch nicht dieses Gefühl von Wut und Empörung verlieren. Durch meinen Abschluss in Politikwissenschaften kann ich die Verbindungen ziehen zwischen den persönlichen Empfindungen Betroffener und den soziologischen und psychischen Auswirkungen politischer Verordnungen. Wenn es um den kreativen Prozess geht, muss ich mich trotzdem manchmal von diesen Analysen abgrenzen.

Um direkt an einem politischen Thema anzuknüpfen: Durch dein Engagement haben sowohl die Brit Awards als auch der Mercury Prize ihre Nominierungsregulierungen geändert. Mittlerweile können alle Künstler*innen nominiert werden, die ihren Wohnsitz seit mindestens fünf Jahren in der UK haben. Wie ist es dazu gekommen?

Das Ganze war auf jeden Fall ein Risiko. Ich dachte, wenn ich entweder nichts tun würde, wäre meine einzige Kategorie für die Nominierungen „Best International Female“ mit der riesigen Konkurrenz der größten Künstlerinnen der Welt. Oder ich würde geblacklistet werden, weil sie vom Protest genervt wären. Tatsächlich ist aber nichts davon passiert. Ich habe es meinen Fans zu danken, dass aus meiner Geschichte und Betroffenheit ein Twitter-Hashtag entstand, der dann trendete. Und dann wurden die Vorschriften tatsächlich geändert. Es war fast ein Schock und dann wurde ich danach auch noch für die BRITs nominiert. Mein Team war vorher ziemlich nervös, als ich die Regulierungen ansprechen wollte. Aber ich meinte, hier sind Optionen A und B und beide sind nicht gut. Also lasst uns Option C nehmen und schauen, was passiert.

Einer der starken Unterstützer deiner Initiative war Elton John. Habt ihr euch auch darüber kennengelernt?

Elton John hatte mich damals kontaktiert als ich gerade die Singles meines Debütalbums releaste. Zur Zeit von „STFU“. Er spielte die Songs in seiner Radioshow bei Apple Music und war extrem unterstützend. Er hat mich dann nach einem Interview via FaceTime gefragt — und so haben wir uns das erste Mal getroffen. Wir sind dann in Kontakt geblieben und Freunde geworden. Danach entstand auch der „Chosen Family Remix“ mit ihm im Feature. Immer wenn er eine positive Review über mich sieht, ruft er mich an und freut sich.

In einem Statement über deinen Song „This Hell“ hast du erklärt, dass der Song eine besondere Wichtigkeit für dich hat, da du momentan beobachtest wie Minderheiten vermehrt ihrer Rechte beraubt werden, besonders die LGBTIQ+-Community und oft im Namen religiösen Glaubens. Wie erfährst du die aktuelle Lage für queere Menschen im UK?

Zum Einen werden immer mehr Treffpunkte der queeren Community in einer rapiden Geschwindigkeit verdrängt. Einige der legendärsten Gay Clubs Londons, die ich immer gern besucht habe, mussten schließen. Es gibt überhaupt keine Clubs für Lesben mehr. Vor allem im Vergleich dazu wie es war, vor ein paar Dekaden. Das ist extrem enttäuschend. Außerdem herrscht im UK momentan eine schreckliche Rhetorik der Transphobie. Angeführt von J.K. Rowling und weiteren prominenten selbsternannten Feministinnen, die beschlossen haben, Transfrauen seien keine Frauen und generell den Menschen das Transsein absprechen.

Es ist unglaublich enttäuschend zu sehen, dass solche Meinungen überhaupt die Chance haben, so populär zu werden. Rechtlich gesehen gibt es Gesetze, die queere Menschen schützen sollten, wovon man bei all den verbalen Übergriffen auf den sozialen Medien allerdings nichts merkt. Gerade steht in einigen US-Staaten die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Eheschließung wieder infrage. Dazu kommt, dass Transpersonen viel häufiger von Wohnungslosigkeit und psychischen Problemen betroffen sind.

Wie sieht es mit der Zugänglichkeit für die queere Community zu Psychotherapie aus?

Mit unserem Gesundheitssystem, der NHS, kann nur eine bestimmte Anzahl Therapiesitzungen, ja nach Diagnose, bewilligt werden. Die bekannte Gesprächstherapie, die auch mal ein bis drei Jahre dauern kann, wird nicht von der NHS getragen. Methoden wie die Verhaltenstherapie, die auf einen kurzen Zeitraum angelegt sind, können also kaum langjährig entstandene Traumata lösen. Durch die Pandemie hat sich die Zugänglichkeit natürlich dramatisch erschwert, was alle Menschen betrifft. Nur Minderheiten bekommen es immer zuerst zu spüren.

Ein weiterer Song, der direkt das Queersein verhandelt, ist „Send My Love To John“. Kannst du von der Geschichte hinter dem Song erzählen?

Es geht in dem Song um eine nicht-binäre Person, mit der ich gut befreundet bin und deren Mutter. Die Mutter ist sehr konservativ, republikanisch, und überhaupt nicht unterstützend gegenüber der Queerness ihres Kindes. Die Person von der der Song handelt hat sich immer bemüht trotzdem offen zu bleiben, um die Mutter und die Familie im Leben zu halten. Was dann passierte ist, dass deren Mutter ein Telefongespräch mit „Send my love to John“ beendete — John ist deren langjähriger Freund. Das war noch nie passiert und dann selbstredend ein sehr emotionaler Moment für die Person. Der Song ist aus der Perspektive der Mutter geschrieben und wie sie es bereut ihr Kind behandelt zu haben. „Send My Love To John“ ist für alle, die gerne eine Entschuldigung hören würden, sie aber vielleicht nie hören werden von den Menschen, von denen sie sie brauchen.

Interessant ist der Aspekt, dass die Mutter keine direkte Entschuldigung ausspricht. Die Botschaft liegt im Unausgesprochenen. Vielleicht geht es auch darum diese indirekte Botschaft zu sehen?

Absolut. Die Worte „Entschuldigung“ oder „Tut mir leid“ hören wir doch eigentlich sehr wenig im Leben von den Leuten, von denen wir sie wirklich bräuchten. Und dann geht es manchmal darum die Mittelwege zu akzeptieren, die sie finden. Sei es durch Essen, durch Handlungen, es gibt viele Wege für Menschen ihre Liebe zu zeigen. Und ich denke, es ist ein sehr schwieriger Prozess das als Erwachsene*r zu akzeptieren, dass du vielleicht nicht diese direkte Entschuldigung bekommen wirst.

Der Opener des Albums „Minor Feelings“ ist inspiriert vom gleichnamigen Buch der Autorin Kathy Park Hong. Wie bist du auf das Buch gestoßen und in welcher Weise hat es dich inspiriert?

Das Buch habe ich gefunden, als ich eigentlich nach „Crying in H Mart“ von Michelle Zauner gesucht hatte. Unter den weiteren Vorschlägen der Website war dann „Minor Feelings“ gelistet und es trifft den Nagel auf den Kopf. Es geht vor allem um die Erfahrungen von Frauen asiatischer Herkunft in den USA. Für mich hat der Titel zwei Bedeutungen: Zum einen all die scheinbar kleinen Vorfälle, die jeden Tag passieren, die du runterschluckst. Und zum anderen die Erkenntnis, dass alles was in deinem Leben passiert auch ein Produkt dessen ist, wer du bist. Angefangen damit ob du Immigrant*in bist, eine Frau, queer, fließend Englisch sprichst, welcher Religion du angehörst, welche Ethnizität du hast, welchen sozioökonomischen Hintergrund. Wenn du irgendwann verstehst, dass schmerzhafte Dinge dir genau aus diesen Gründen passieren, also dass du zum Beispiel eine Frau of Colour bist, dann kannst du die scheinbar kleinen Vorfälle als große ansehen, verarbeiten und auch besser für dich einstehen.

Der Song „Hold The Girl“ ist der erste, der für dieses Album entstand, kurz nachdem du begonnen hattest in einer Therapie Ereignisse aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Denkst du, dieser Prozess hat das Album in dieser Form erst ermöglicht?

Auf jeden Fall hat es mir etwas zum Schreiben gegeben. Dieses Album war eigentlich gar nicht geplant. Ich war extrem uninspiriert im Lockdown, wie so viele andere auch. Aber gleichzeitig hatte man diese erzwungene Phase der Selbstreflexion: erstmal eine ganze Weile mit sich alleine zu sein, ohne Urlaube, Partys und Zeit mit Freund*innen. Zu der Zeit kam dann auch mein erstes Album raus und ich konnte es nur online promoten und erleben. Am Ende des Tages blieb mir dann nur den Laptop zu schließen und überfordert mit all den Eindrücken zu sein. Ich konnte nichts anderes tun als den ganzen Tag im Bett zu liegen und fühlte mich ziemlich taub. Ich konnte überhaupt keine Freude oder Tiefs mehr spüren. In der Therapie hatte ich dann die Möglichkeit herauszufinden, was emotional hinter dieser Taubheit liegt. Das hat offensichtlich immer auch mit belastenden Ereignissen aus der Vergangenheit zu tun. Es war sehr hart, weil ich mit vielen festgefahrenen Glaubenssätzen über mich brechen musste. Aber es hat unglaublich geholfen. Und dabei ist sogar ein sehr kreativer Prozess entstanden.

Was ist deine Meinung zum Mythos des miserablen Künstler-Seins? Dass nur aus wirklichem Leiden künstlerisch wirklich wertvolle Dinge entstehen können?

Dem stimme ich wirklich gar nicht zu. Tatsächlich wollte ich auch gar kein weiteres Album über persönliche Traumata machen. Und gegen dieses Misskonzept möchte ich auch angehen. Es gibt Organisationen in der Musikindustrie, die Künstler*innen mit dem Thema der mentalen Gesundheit unterstützen. Denn obwohl es ein Traumjob ist, gibt es sehr viele Aspekte daran, die sehr belastend und zehrend sind. Konzerte und Festivals zu spielen bedeutet letztendlich 98 Prozent der Zeit unterwegs zu sein. Nur 2 Prozent finden dann tatsächlich auf der Bühne mit der Musik und der Performance statt. Und danach geht es gleich wieder auf Reise. Es ist ein extremer Job. Aber es kommt immer mehr an, dass du nicht trinken oder Drogen konsumieren und den typischen Rock’n’Roll Lifestyle leben musst, um Rock’n’Roll zu sein. Ich kenne viele Künstler*innen die eine sehr gute Self-Care-Routine haben und auf der Bühne dann ihre Bühnenpersönlichkeit hervorholen. Privat unterscheiden sie sich von dieser Rolle stark. Das schützt sie auch als Künstler*innen. Mentale Gesundheit ist wie in allen Jobs auch in dem der Musiker*innen extrem wichtig.

„Catch Me In The Air“ hast du als Hommage an deine Mutter geschrieben, die dich als Alleinerziehende großgezogen hat. Du beschreibst eure Beziehung als unglaublich eng und intensiv, aber auch sehr konfliktbeladen, besonders in Teenagerzeiten. Wenn du heute darauf zurückschaust, welches Bewusstsein für alleinerziehende Mütter würdest du dir von Politik und Gesellschaft wünschen?

Es ist unglaublich hart für Alleinerziehende. Ich kann mir so viel Verantwortung für eine Person gar nicht vorstellen. Was dabei essenziell ist, sind Gemeinschaften. Neben der Kernfamilie, genauso Nachbar*innen und Freund*innen haben, die helfen. Als Kind von Alleinerziehenden hast du eine toughe Zeit. Du kommst nach Hause und niemand hilft dir mit den Hausaufgaben, wenn dein Elternteil arbeiten ist. Es liegt da auch an den Schulen und Lehrer*innen zu helfen. Plätze in der Schule einzuräumen. Vor allem glaube ich aber an staatliche Verordnungen. Vor allem die nordischen Länder haben sehr gute Sozialleistungen für Alleinerziehende. UK ist da leider noch nicht angekommen. Trotzdem können wir aufeinander in der Gemeinschaft achten, nach unseren Nachbar*innen sehen. London wird immer fragmentierter, was die Stärke der Gemeinschaften angeht. Viele Zugezogene mieten jetzt Häuser und kümmern sich nicht wirklich darum, einen Teil zur Gemeinschaft des Viertels beizutragen.

In deinem Album geht es viel um die mentale Gesundheit, gleichzeitig bist du in den sozialen Medien sehr präsent. Deine erste EP handelte konzeptuell vom Cyberspace und drehte sich ums Online-Sein. Welchen Rat würdest du jüngeren Fans auf den Weg geben sich mit den sozialen Medien zurecht zu finden, gerade im Hinblick auf mentale Gesundheit?

Es ist ziemlich tricky. Für mich ist es auch nicht immer einfach. Ich bin tatsächlich allen Konten auf Instagram, Twitter und TikTok entfolgt. Habe also keinen Feed mehr. Ich bin natürlich mittlerweile auch in einer sehr spezifischen Position als Content Creator. Ich gehe online, poste und dann gehe ich wieder. Nervigerweise schlagen einem diese Plattformen aber auch dann noch Content vor, wenn man gar niemandem mehr folgt. Ich habe den Tipp bekommen, dass man alle 15 Minuten aufschreiben soll, was man gesehen oder gelernt hat. Meistens steht dann nur so etwas da wie: „Ich habe einen Hund gesehen oder eine Frau im Bikini.“ Durch dieses digitale Tagebuch merkt man höchstwahrscheinlich wie unsinnig das alles ist. Ganz ehrlich: Ich glaube, wenn unsere Generation auf dem Sterbebett liegt, werden wir am allermeisten die unnötige Zeit bereuen, die wir auf den sozialen Medien verbracht haben. Und dass wir damit wohl ein paar wenige Menschen in San Francisco sehr reich gemacht haben.

Rina Sawayamas zweites Studioalbum HOLD THE GIRL ist am 16. September 2022 bei Dirty Hit erschienen. Hier könnt ihr das Album im Stream hören:

Thurstan Redding
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