History


Patti Smiths Rebellenimage passte perfekt in den No-Future-Spirit der späten siebziger Jahre: Struppig-derbe Punkikone und pointiert philosophierende Medienfigur in elegant-verwegenem Second-Hand-Chic probt den Rockaufstand. Wegen ihrer Unangepasstheit wurde die am 31. Dezember 1946 in Chicago, Illinois, geborene, als Älteste von vier Geschwistern im ländlichen New Jersey aufgewachsene Patricia Lee Smith schon in ihrer Kindheit und später auch in der High School Zielscheibe derben Spotts. Ende der sechziger Jahre zog es sie nach New York. Parallel zum Job als Musikjournalistin (u.a. für „Rock‘ und „Creem“) begann sie Gedichte zu verfassen und lernte 1971 in einem Plattenladen in Greenwich Village den Kritiker und Gitarristen Lenny Kaye kennen. Die introvertierte Schwarzhaarige arbeitete mit dem jungen Bühnenautor Sam Shepard zusammen, und der Multimediakünstler Robert Mapplethorpe offerierte der von der Hand in den Mund lebenden Nachwuchspoetin Unterschlupf in seiner Wohnung. Der Hang zu Literaten wie Rimbaud, Baudelaire und Joyce hinterließ ebenso Spuren bei Patti Smith wie ihre Verehrung für Picasso, Jesus, Keith Richards und Brian Jones. Smith veröffentlichte zwei Gedichtbände („Witt“, „7th Heaven“). Bei Tausendsassa Todd Rundgren und der Rockband Blue Öyster Cult half sie im Studio aus. Wenig später nahm die bis dahin eher nur für den Hausgebrauch konzipierte Zusammenarbeit mit Kaye konkrete Formen an: Im Gespann mit Keyborder Richard Sohl spielte das Trio eine sagenumwobene Indie-Single ein. Die im New Yorker Bowery-Schuppen CBGB sich konstituierende Punk-Szene beschleunigte Patti Smiths Aufstieg. Der tschechische Gitarrist Ivan Kral und Schlagzeuger Jay Dee Daugherty ergänzten das Avantgarde-Projekt 1975 zur Rockformation. Bis Ende der siebziger Jahre folgten vier Alben und der internationale Durchbruch. 1980 dann der unvermittelte Abgang – mittlerweile mit Ex-MC 5-Gitarrist Fred „Sonic“ Smith verheiratet, zog sich Patti Smith ins Privatleben zurück. Schicksalsschläge wie der Tod Mapplethorpes. ihres Keyboarders und Freundes Richard Sohl sowie von Bruder Todd Smith und Ehemann Fred in den frühen Neunzigern waren Antriebsfedern für das Comeback „Gone Again“ von 1996. Seither lieferte Smith im Verbund mit Kaye und Daugherty sowie Tony Shanahan und Oliver Ray kontinuierlich hochwertige Arbeiten ab.