Huey Lewis & The News


Es ist kein schöner Sonntagnachmittag für die 21000 Baseballfans im Pilot Field Stadium: Die „Iowa Cubs“ haben das Heimteam der „Buffalo Bisons“ gerade 3-2 geschlagen. Russ McGinnis‘ entscheidender Knüppelschlag in der Verlängerung wird noch heftig diskutiert, während ein Sattelschlepper eine komplett aufgebaute Bühne auf den Rasen rollt. Denn das Baseballspiel dient in der Stadt bei den Niagara Falls als Vorprogramm für die „Hard At Play“ Tournee von Huey Lewis and the News. Showbusüiess im rezessionsgebeutelten Amerika des Sommers 1991.

Sechs Oldtimer der Marke Chevrolet fahren die Bandmitglieder wie Gladiatoren im Stadiumviereck herum, bevor sie nach Baseballmanier durch ein Spalier von Cheerleadern zur Bühne joggen. Huey scheint der Rummel nichts anzuhaben. Cool wie rote Grütze frisch aus dem Kühlschrank steigt er lässig mit Mundharmonika-lntro und einem Killer-Groove in den Opener „Built Me Up“ von der neuen LP ein, gefolgt von einem Funken sprühenden „Time Ain’t Money“, getragen von den Rockabilly-Riffs seines Gitarristen Chris Hayes.

Lewis & Co. haben ihren ultraprofessionellen Barband-Sound aufgebaut aus den Pflastersteinen des frühen Rock ’n‘ Roll und den Harmonien von Soul und Doo-wop. Und Chuck Berry ist der unverkennbare Schutzpatron der Konstruktion. Lewis, Rocks hemdsärmeliger Mister Normalverbraucher, befindet sich da in bester Gesellschaft. Sein Set liefert keine Überraschungen, sondern nur a rocking good time. Das allerdings reichlich. Die jeden Song mitsingenden Baseballfans haben die Niederlage des Heimteams längst vergessen. Das Stadium swingt. So auch die Polizistin in der knappsitzenden Uniform, die vom Rasen aus das Gejohle der Zuschauer anfeuert, so auch das im Büffel-Kostüm herumhüpfende Maskottchen der „Buffalo Bisons“, so auch Huey Lewis, der auf der rundum offenen Bühne das Streichholz unter die ins Publikum geschleuderten musikalischen Knallfrösche hält: „The Power Of Love“, „Thafs Not Me“, „Working For A Living“ oder „Heart Of Rock And Roll“. Drummer Bill Gibson und Bassist Mario Cipollina sind die Treibriemen der auf Volldampf rockenden Gruppe, und Lewis spielt die Mundharmonika wie ein Bläser, der sich einer Big Band unterordnet.

Es gab Durchhänger. Die sirupsüßen Popsongs ,.Do You Beüeve In Love?“, „Doing It All For My Baby“ und „This Is It“ klingen live noch matschiger als auf Vinyl. Und das abgelutschte „I Want A New Drug“ sollte Lewis in Zukunft lieber in der wohlverdienten Versenkung verschwinden lassen. Er selber und seine News freilich dürfen wiederkommen, so oft sie wollen.