Highlight: I don’t like Mondays: 7 Songs, die absolut missverstanden wurden

Zum 40. Geburtstag

Ich höre, also bin ich: Pete Doherty über die Songs, die sein Leben prägten

Meine erste Single:

Jive Bunny And The Mastermixers – „That’s What I Like“

Da mein Vater Offizier bei der britischen Armee war, verbrachte ich meine Kindheit zu großen Teilen auf Kasernenhöfen. Da liefen viele Lieder über die Genitalien von Adolf Hitler – oder eben deren Fehlen. Paraden wurden häufig von einem Lied untermalt, in dem es ständig „Links, rechts, links, rechts, links, rechts“ ging. Dagegen musste ich ankämpfen. Ich drehte meine erste selbst gekaufte Single immer so laut auf wie möglich. „That’s What I Like“ war für mich der Soundtrack der Gehorsamsverweigerung: die aufschwungfähige Unterklasse gegen die salutierenden Arme der privilegierten Offiziersklasse.

Der Song nahm mir die Unschuld:

Derek B – „Get Down“

Ich war acht Jahre alt und nahm an so einer Bespaßungsmaßnahme für Kinder von Armee-Angehörigen teil. Einer der Ausbilder wollte uns den Umgang mit Speeren beibringen und rammte dabei einem meiner Freunde einen Speer durch den Kopf. Ich kann mich noch sehr genau an die Blutlache erinnern. „Get Down“ von Derek B heiterte mich wieder auf. Derek B besingt eine weibliche Bekanntschaft mit „two big things like basket balls and down below was like Niagara Falls“. Mein verdammter Kassettenrekorder zerstörte das Band, aber da war es längst geschehen um meine Unschuld.

Ein neues Leben begann mit:

The Smiths – „I Started Something I Couldn’t Finish“

Mit diesem Song war ich als 15-Jähriger etwas Göttlichem begegnet. In den Monaten danach führte ich ein Leben in Smiths-Songs, ich zog in sie ein. „The Boy With The Thorn In His Side“ brachte mich dazu, Gitarre zu lernen. „This Charming Man“ brachte mich dazu, wieder damit aufzuhören. Der Song schüchterte mich ein. Dann kam „Rubber Ring“ und verunsicherte mich vollends: Könnte ich es doch noch schaffen, Gitarrist zu werden oder war es aussichtslos?

Kooperation

Hierzu habe ich tanzen gelernt:

The Stone Roses – „Fools Gold“

Sommer 1997. Ich lebte bei meiner Oma in London und arbeitete auf dem Willesden-Green-Friedhof. Mein Cousin Lee wohnte im Block gegenüber, ich besuchte ihn häufig auf meinem Weg zur Arbeit. Einmal erzählte er mir, dass er nie Gitarrenmusik hört. Nur Dance, Rave, Jungle und so Zeug. Dann ließ er „Fools Gold“ aus seinen Boxen pumpen und ich dachte nur noch: „Was zur Hölle ist das denn?“ Ich starrte erst meinen Cousin, dann meine Füße an. Ich sah, dass sie sich bewegten. Ich tanzte, zum ersten Mal.

Ein Funken Hoffnung …

Billie Holiday – „Good Morning Heartache“

Irgendwann im Jahr 2001 saß ich zu Hause und wollte einen Roman zu Ende schreiben. Mein Dach gab unter dem starken Regen nach. Meine Freundin war so­eben nach einem üblen Streit von mir geflohen. Außerdem hatte sich das Auto, das ich dem damals noch arbeitslosen, späteren Superstar Johnny Borrell für 275 Pfund abgekauft hatte, als Schrotthaufen herausgestellt. Dann rief auch noch mein zuständiger Sachbearbeiter vom Arbeitsamt an. Ich hatte falsche Angaben gemacht und sollte nun zurückzahlen, was ich zwei Jahre lang als Sozialhilfe empfangen hatte. Dann klingelte das Telefon noch mal. Es war die British Telecom, die mich davon in Kenntnis setzte, dass sie nun meine Leitung abschalten werden. Ich stolperte und fiel die Treppe hinunter. Unten schlug ich mit dem Kopf gegen meinen Plattenspieler, der zu spielen anfing. Billie Holiday sang „Good Morning Heartache“.

Im Gefängnis hörte ich:

The Beatles – „Free As A Bird“

Vor drei Jahren wurde ich zu 14 Wochen Gefängnis verurteilt, weil ich gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Ich hörte diesen Song durch die Zellentür und bat den Aufseher, das Radio lauter zu stellen. Er klärte mich darüber auf, dass ich hier nicht im Camden Palace, einem alten Londoner Nachtclub, sei. Ich sagte ihm, dass der Palace jetzt Koko’s heiße, aber er wollte mir nicht glauben. Dann nannte ich ihn eine fette Fotze und so ging das hin und her. Schließlich drehte er das Radio doch noch lauter, aber der Song ging bereits zu Ende.

Randnotizen:

Zusammen mit der britischen Sängerin Lisa Moorish hat Doherty einen siebenjährigen Sohn namens Astile Louis Doherty. Der Vater von Astiles älterer Schwester Molly ist Liam Gallagher.

Bevor Doherty Musiker wurde, verdiente er sein Geld als Bauarbeiter, Kellner, Drogenhändler und Totengräber. „Außerdem holte ich alten Tunten für 20 Pfund einen runter“, sagt er.

Doherty besitzt über ein Dutzend Katzen, die er mit einer Vielzahl lebender Mäuse bei Laune hält.

Über seiner rechten Brustwarze trägt er als Tattoo den Schriftzug der Babyshambles.

Zu seinen Lieblingsbüchern zählen „1984” von George Orwell, „Brighton Rock“ von Graham Greene und „Die Blumen des Bösen“ von Charles Baudelaire.

2007 kündigte ein ominöser Spielehersteller namens „Fishy Toyz“ in einer Pressemitteilung an, eine Pete-Doherty-Actionfigur auf den Markt zu bringen. Zum Set sollte eine Mini-Crackpfeife aus Plastik gehören, die glüht, sobald man sie an die Lippen der Puppe presst. Antidrogenverbände waren empört ob des scherzhaften Umgangs mit illegalen Substanzen. Hätten sie nur mal auf das Datum der Pressemitteilung geschaut, diese datiert auf den 1. April.


Pete Doherty kündigt Debütalbum als „Peter Doherty & The Puta Madres” an
Weiterlesen