Hirnflimmern-Kolumne

Was Helene Fischer mit der Armin-Laschet-Challenge zu tun hat

von
Josef Winkler
Josef Winkler

Haben Sie’s gelesen, auf bunte.de? „Helene Fischer: TV-Zuschauer verärgert über ihren neuen Song!“ Wo ich sage: Ich verstehe diesen Ärger gut. Das Lied „Vamos a Marte“ – was ich jetzt spontan mit „lassen wir uns zu Markte tragen!“ übersetzt hätte, aber offenbar „auf zum Mars!“ bedeutet und somit einen aktuellen Trend aufgreift, besonders nervtötende Prominente ins Weltall zu schießen – ist zweifellos grässlich. Doch nicht das entzündete den Furor der klageführenden VOX-Zuschauer und -innen, sondern dass für die TV-Premiere des Videoclips eine gerade laufende Dating-Show unterbrochen wurde. Quasi Strömungsabriss in der sedierten Großhirnrinde.

Mich ließ das „Mega-Comeback der Schlager-Queen“ wieder daran denken – sorgenvoll kopfschüttelnd –, was bei grob der Hälfte der Einträge in den „Freundebüchern“, die unsere Kinder aus der Grundschule nach Hause bringen, unter „Lieblingssänger(in)“ steht: Helene Fischer. Wohlgemerkt: Es gibt auch hier auf dem Land in Bayern – und teils schon seit längerer Zeit – zivilisatorische Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser, elektrischen Strom und die Möglichkeit, sich über diverse Streaming-Portale so ziemlich die komplette Musikgeschichte der Menschheit ins Wohnzimmer zu pfeifen. Also: Da wär echt Spielraum für divergierende Vorlieben. Aber die Achtjährigen hören Helene Fischer. Da ist mit der elterlichen Gatekeeper-Rolle wohl was schiefgelaufen – oder es ist so gewünscht!

Verhindern, dass das ausartet

Apropos. Jetzt machen wir noch eine „Challenge“! Ausgangsfrage: Was ist der dümmste, ignoranteste, zum vom Glauben an den Sinn allen Seins abfallen und aus dem Fenster springen idiotischste Satz, den je ein Mensch von sich gegeben hat? Überlegen Sie scharf. Na? Ja, ich weiß, das ist schwierig, große Auswahl. Aber ich hätte hier einen heißen Anwärter. Armin Laschet im Mai 2019: „Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich zu einem weltweiten Thema geworden.“ Wow, oder? Tipp: Man muss sich diesen Satz Wort für Wort auf dem Hirn zergehen lassen, um seinen Multi-layer-Stumpfsinn ganz zu erschmecken.

Also, die Challenge: Wer einen Satz – bitte nur verbürgte Originalzitate einreichen – ranschafft, der vor den Augen der Hirnflimmern- Jury als NOCH ignoranter und idiotischer bestehen kann, erhält einen wertvollen Sachpreis. Und ja, es gelten auch andere Zitate von Armin Laschet. Zum Beispiel hier, im ARD-„Brennpunkt“, zwei Tage nach der Flutkatastrophe an der Ahr mit apokalyptischen Zerstörungen und zu diesem Zeitpunkt 63 bekannten Toten: „Die Konzentration (…) in den nächsten Tagen ist, aus dieser Katastrophe jetzt das Beste zu machen und zu verhindern, dass das ausartet.“ So, jetzt aber genug geschmunzelt. Wichtiger: Am 26. wählen gehen und verhindern, dass das ausartet.

Diese Kolumne erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 10/2021.


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