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Junge Greise – So grandios waren die Rolling Stones in der Berliner Waldbühne

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Bei durchschnittlich 200 Euro pro Karte waren die Erwartungen an die gealterten Briten hoch – „haben sie’s denn noch drauf“ fragen sich nicht nur die älteren Generationen, die mit vergilbten T-Shirts von anno dazumal die oberen Ränge der Berliner Waldbühne bevölkern und bei Bier darüber sinnieren, welcher Song heute Abend auf keinen Fall fehlen darf. Das jüngere Publikum, das sich entweder von der Euphorie der Eltern-Generation hat mitreißen lassen oder sich gar aus eigenen Stücken zum Rolling-Stones-Fan hochgehört hat, wirkt da schon etwas abgeklärter. Man erwartet eine gute Show, aber wenn es mal hakt, gibt es den Opa-Stempel.

Doch nichts da: Hätte man auf die drei großen Leinwände verzichtet, die Mick Jaggers 70-jähriges Gesicht zeigen, hätte man meinen können, ein 50 Jahre jüngerer Impersonator gibt sich da als Frontmann der Stones aus. Sprünge, Drehungen, Hin- und Hergelaufe, all das von einem dürren Sänger mit (anfänglich) fester Stimme, der sich sogar ab und an verwegen und lasziv das schwarze Shirt hochzieht. Nicht nur ganz hinten von Block K aus betrachtet zieht das Spektakel die Zuschauer in seinen Bann, auch vorn im Stehbereich der Waldbühne rastet die Menge aus. Das ist eben der Vorteil an schweineteuren Karten – Jagger und Co. können sich sicher sein, dass nur die größten Die-Hards in die Location pilgern. Die Stimmung ist entsprechend ausufernd.

Der Opener „Start Me Up“ ist nur einer von zahlreichen Hits, die selbst betagteres Publikum von den Rängen aufstehen lässt. Kleine Witze über den Berliner Flughafen, die Scorpions sowie ein paar deutsche Floskeln lockern zudem die ohnehin nahezu perfekte Performance auf. Auch Gitarrist Keith Richards will da zeigen, was er am Mikrofon drauf hat und gibt die Songs „You Got the Silver“ und „Can’t Be Seen“ zum Besten, während sich Jagger dann doch eine kurze Verschnaufpause gönnt – man ist ja keine 20 mehr. Als Dankeschön gibt es Kniefälle von Richards, gebrechlich sieht anders aus.

Nach 17 Liedern kommt dunkel – und die Zugabe. Für „You Can’t Always Get What You Want“ holen sich die Stones Unterstützung aus Berlin. Der Fabulous Fridays Chor von der Berliner Universität der Künste (UdK) leitet den Song ein, bevor das Publikum das Mitsingen übernimmt. Weiteres besonderes Highlight für die Zuschauer: Die Rolling Stones haben ihren früheren Gitarristen Mick Taylor dabei, der von 1969 bis 1974 zur Gruppe gehörte. Er unterstützt seine Kollegen bei „Midnight Rambler“ und dem letzten Song „Satisfaction“, bei dem ein großes Feuerwerk diesen noch größeren Abend beendet.

„Die letzte Tour der Rolling Stones“ hieß es in den Ebay-Beschreibungen für Karten um die 1000 Euro. Hat man die jungen Greise aber gestern gesehen, ist an Aufhören (zumindest für uns) noch nicht zu denken.

In unserer Galerie seht ihr zudem die Fotos des Abends und welche Promis sich den Auftritt der Rolling Stones nicht entgehen lassen wollten.

🌇Bilder von "Die Rolling Stones in Berlin – Seht hier die Bilder!" jetzt hier ansehen


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