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🔥22 Jahre nach „Narcotic“: Was wurde eigentlich aus… Liquido?

Popkolumne, Folge 72

Kriechen auf dem letzten Zahn, aber unendlich dankbar: Paulas Popwoche im Überblick

Während Volkmann schon längst wieder größenwahnsinnig und bierstechend durch die Botanik tourt, lasse ich eigentlich momentan noch alle Fünfe gerade ausm BH hängen.

 

Läuft bei Linus!

Wenn ich in der Stadt, in der ich wohne, rausgehe, sehe ich, dass Corona vorbei ist. Aber es ist nicht wie früher, es ist krasser. Leute auf den Straßen ohne Ende, die sonst irgendwo in Urlaub oder auf Festivals gefahren wären, die sich jetzt auf dem Bürgersteig Gösser und Aperol reinschütten wie nix, sich gegenseitig ablecken und dieses Ritual machen, wo man sich die Hand blutig ritzt und dann für immer zusammen ist. Hier und da wird auch das ein oder andere Tier geopfert, ich hab’s gesehen. Jetzt ist überall Festival, Karneval, Ausrastcornern, Italien. Ich wundere mich gar nicht über Eskapaden wie in Stuttgart, weil wenn die Polizei nervt, dann nervt sie halt. Ich sage nur wie es ist, aber das darf man ja heutzutage nicht mehr, dann kommt Seehofer und nimmt dich fest.

Reden wir nicht drüber. Reden wir lieber wieder über Polizeigewalt, Hanau, Oury Jalloh, NSU, den Fall Lübcke, Kolonialismus. Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. und das Peng Kollektiv haben übrigens gerade erst eine Seite aufgesetzt, auf der man alle kolonialistischen Denkmäler in Deutschland sieht, samt Hintergrundgeschichten und Links zu lokalen antirassistischen Initiativen.

Was man außerdem lieber tun kann als mit alten Säcken über Humor zu diskutieren, ist, sich Hengameh Yaghoobifarahs lustigen Podcast reinziehen, in dem Hengameh mit Menschen über verschiedene Formen von Tüten und Gepäck spricht:

 

Zum Lesen gibt es außerdem noch immer das Buch „Eure Heimat ist unser Albtraum“, herausgegeben von Hengameh Yaghoobifarah und Fatma Aydemir mit vielen interessanten und kämpferischen Beiträgen unterschiedlicher Autor:innen.

Ein eher privates Problem: Zahn – hier ein paar Songs über Zähne

Wir in der Parodontitis/Parodontose-Community wissen, wie es ist. Jede Nacht von Zähnen träumen, uns in den Kopfschmerz knirschen und morgens als erstes abchecken, ob noch alles da ist. Trotzdem nicht aufs Rauchen verzichten können. Schön blöd. Aber was ist eigentlich mit den Zähnen in der Musik? Gibt es bestimmt nicht … Doch dann entdeckte ich … Wir sind nicht allein. Hier ein paar Songs über Zähne und Mundhygiene. Ich werd noch mehr nachliefern, aber ich kann das Thema auch nur dosiert aushalten, wie diese fiesen Zahnzwischenraumzieher bei der Zahnreinigung.

  • Death Cab for Cutie – Crooked Teeth
  • Lorde – White Teeth Teens
  • Lady Gaga – Teeth
  • Maccabees – Toothpaste Kisses
  • Kate Nash – Mouthwash
  • The Antlers – Every Night My Teeth Are Falling Out
  • Owl City – Dental Care

Habt ihr schon alle die Corona-App?

Gut.

Seriengefühle

Zwei der elementarsten Serien meiner Kindheit waren „Full House“ und „Buffy“, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber immerhin kamen beide aus Amerika und amerikanische Serien gab es bei uns erst ab 2000, ganz einfach, weil wir dann erst einen Privatfernsehanschluss hatten. Ich finds gut, beim Rumwuseln durch die Wohnung, neben Musik, Podcasts und geilen Radiosendern, mir ab und an eine Serie reinzutun, die ich schon sehr oft gesehen habe. Das funktioniert dann wie ein Hörspiel, man kennt ja die Orte und Szenen und Gesichter, man muss nur ab und an hingucken, um sich wieder zu orientieren und weiß dann, ah ja, jetzt stehen sie wieder vor dem Haus vor der Treppe oder in der Ecke von dem Laden. „Buffy“ habe ich jetzt also mal wieder geguckt und war mal wieder erstaunt über die vielen Dinge, die ich neu entdeckt habe und früher nicht verstanden oder anders interpretiert habe. Klar, es haben schon viele Leute Aufsätze über die Serie geschrieben, aber die habe ich eben nicht gelesen. Nun sind mir die Thematisierung von toxischen Beziehungsmustern, Weiblichkeitsnormen, Depressionen und toxischer Männlichkeit bis hin zur Darstellung von Incel-Kultur aufgefallen, die zur Zeit in der „Buffy“ lief, überhaupt erst in der heute bekannten Form aufgekommen ist. Auch im deutschsprachigen Raum wird diese Kultur nun endlich thematisiert. Dazu Zwischenempfehlung: Im aktuellen Dissens-Podcast ist Veronika Kracher zu Gast, die im Gespräch mit Lukas Ondreka das Phänomen erklärt und diskutiert.

Bei „Full House“ habe ich nichts Neues entdeckt, was auch schön ist. Danach habe ich mir noch die Nachfolge-Serie „Fuller House“ reingezogen, wo es auch nichts Neues gibt und auch das ist super. Einfach heile Welt mit klitzekleinen Problemchen. Alle stehen immer irgendwie im Wohnzimmer herum, während eine Person etwas Wichtiges sagt, wie zum Beispiel, dass es in diesem Jahr schwierig wird mit dem Thanksgiving-Essen oder was. Die Familie schafft es, sich im völlig dystopischen San Francisco mit Normalojobs ein nettes Leben zu machen und am Ende gibt es immer ein Kussi, der alles gut macht. „Polly Pocket“ als Serie. Viele Leute für immer gefangen in diesem Haus und im Glück. Hach.

Radiosender des Halbmonats: Radio 112

Radio 112, radio one, one, two, das Feuerwehrradio ist komplett verrückt. Neuigkeiten rund um Schutzausrüstung, man muss den D-Ring des Cobra-Verschlusses einhaken, dann kann nichts mehr passieren. Es wird super viel gegrüßt. „Wir alle essen gern Bratwurst, aber Achtung: Die Kalorien“. Mehrere Stimmen wechseln sich ab, wer ist hier die Moderation? Das Feuerwehrquiz gibt es auch im Internet! Radio 112: Für Feuerwehrleute, für Nichtfeuerwehrleute, für alle die Abwechslung brauchen.

Zum Beispiel Sandra, die sich „Haifisch“ von Rammstein wünscht. Ein anderer ruft einfach mal an um Danke zu sagen. Dann ein Einspieler: „Es stimmt alles mit den Illuminaten, alle haben sich verschworen, du kannst niemandem vertrauen, aber es gibt einen, auf den du dich verlassen kannst: Radio 112 wird dich nicht im Stich lassen.“ Dann kommt ein Danke-Song: „Wir alle machen diesen Job mit Leib und Seele, doch scheinbar liegt genau darauf der Fluch, es wird ausgenutzt und übersehen, doch wir haben jetzt davon genug … Blitz folgt auf Blitz, die Kacke ist am Dampfen …“ (Empfang war kurz weg). Dann „Schuld war nur der Bossa Nova“, „Relax, don’t do it …“, Ansprache an die Kameraden. Wieder ein Songwunsch: „Sexy Bitch“ von Akon. Per Mail wird sich „Nina“ vom Wendler gewünscht. Kurz dazwischen etwas zur „Herausforderung Waldbrand“. Doch jetzt: „FASTER, HARDER, SCOOTER“. Noch mal zum Quiz: Wie werden die C-Leitungen verlegt? Dann ohne Einführung rein zum Interview mit Totte von Monsters of Liedermaching. Der Moderator kennt die Band nicht, Totte muss ihm erklären, wer er ist und was er macht und wie man heutzutage Musik macht. Man versteht nicht, warum … Doch dann, ganz am Ende des Interviews erfährt man es: Die Monsters haben ein Lied über die Feuerwehr gemacht, deshalb das alles.

Dann kommt noch ein richtiger, ganzer Song über das Radio selbst (kein Jingle!):

„One, one, two, you mean everything to me
you‘re my first, my last, my everything
every day I only listen to you
you‘re my first, my last, my everything“

Wow. Das war schön.

Und zuguterletzt:

Hört auf mit dieser FaceApp-Scheiße, ich ertrage es nicht!

Ach, ich will nicht mit Hass enden. Süßes Lied der Woche:

Was bisher geschah? Hier alle Popkolumnentexte im Überblick.

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