LANGE NICHTS GEHÖRT VON


„I am the God of Hellfire!“ Für viele Jüngere ist Arthur Brown (71) ein One-Hit-Wonder aus der Hippie-Zeit, der mit „Fire“ einen besonders obskuren Hit landete. Doch der Engländer war mehr: Utopist und Liveshow-Maniac, eine der besten weißen Soul-und Blues-Stimmen -und um ein Haar mit Jimi Hendrix Teil einer Supergroup. Wenn da nicht die Drogen gewesen wären. Nach gesunden Jahren als Handwerker macht Arthur Brown nun wieder Musik: bunt und wirr wie eh und je.

Es hält sich das Gerücht, Jimi Hendrix habe vorgehabt, mit dir als Sänger eine 60s-Supergroup zu gründen. Legende oder Fakt?

Stimmt tatsächlich. Jimi wollte experimentieren. Er plante eine Formation mit seinen Leuten, mir als Sänger und meinem Organisten Vincent Crane. Hendrix hatte irre Ideen. Er wollte Wagner-Opern im Hintergrund laufen lassen, dazu riesige Projektoren.

Woran ist das Projekt gescheitert?

Ich hatte Probleme mit meinen Leuten. Vincent Crane blieb auf einem LSD-Trip hängen. Er drehte völlig durch und musste zurück nach England. Da hatte ich die Lust auf weitere Experimente verloren.

Wie waren die späten Sechziger nun, der Himmel auf Erden oder die reinste Hölle?

Beides. Es passierten fantastische Dinge. Musik aus verschiedenen Kulturen wurde komplett neu kombiniert, spirituelle Einflüsse hoben viele Künstler auf ein neues Level. Aber es gab auch viel Albtraumhaftes. Die Attentate auf die Kennedys und Martin Luther King, der Krieg in Vietnam. Hinzu kam, dass viel zu viele Musiker drogenabhängig waren und mit dem Zeug ihr Gehirn zerstörten.

Deine Liveshows galten selbst für das irre Jahrzehnt als extrem schrill. Wie kamst du auf die Ideen?

Ich habe viel abgekupfert. Habe getanzt wie afrikanische Medizinmänner, mit dem Publikum gespielt wie James Brown. Ich habe mir die experimentellen Licht-Shows im Londoner „UFO Club“ angeschaut und viel Zeit in Paris verbracht, wo Okkultismus ein großes Thema war.

Auf der JOURNEY-LP deiner Band Kingdom Come aus dem Jahr 1973 hört man eine Drummachine. Wie kamst du auf die Idee?

Ich war gefrustet, weil wir andauernd neue Schlagzeuger suchen mussten.

Wie bei Spinal Tap

genau, nur das unsere nicht explodierten. Es war schlimmer: Einmal rief mich einer an und sagte: „Ich habe unseren Bandbus und die Frau vom Bassisten. Macht’s gut!“ Das war es dann – und bei der nächsten Probe hatten wir dann die Drummachine dabei.

In den Neunzigern war deine Musikerkarriere de facto beendet. Du hast als Zimmermann oder Maler gejobbt. Wie fühlte sich der „God of Hellfire“ mit Pinsel in der Hand?

Es hat mich sehr zufrieden gemacht. Körperliche Arbeit ist eine mysteriöse Erfahrung: Deine Hände erfüllen ihre Aufgabe, während dein Bewusstsein frei wird.

Warum dann der Schritt zurück ins Musik-Business?

Ich lebte in Austin, Texas und traf die Band Sick People. Sie sagten mir: „Wir können nicht mit ansehen, wie du in Malerklamotten herumrennst. Du gehörst in ein Studio und auf die Bühne!“ Dann traf ich Gilly Smith von der Band Gong, und sie sagte: „Hey Arthur, wir haben in Glastonbury gespielt, das musst du auch tun, die Kids werden dich lieben!“ Da war ich wieder infiziert.

Aktuell arbeitest du an einer neuen Platte mit The Crazy World of Arthur Brown.

Sie wird ZIMZAMZIM heißen. Wir wollen den Geist der alten Sachen aufnehmen und ihn mit neuen Einflüssen kombinieren. Es gibt ein wenig Elektronik und Dance-Elemente, dazu Streicher und Bläser. Wir finanzieren die Sache über Pledge Music.

Wird es live bei „Fire“ noch die legendäre Einlage mit dem Feuerhut geben?

Die strengen Brandschutzregularien haben es kompliziert gemacht. Wir arbeiten an einer Variante mit Butangas, die ist zu 99 Prozent sicher. Es gibt auch die 100-Prozent-Lösung, nämlich Flammen aus Seide. Aber das kommt nicht infrage. Ein bisschen Gefahr muss schon sein, sonst wäre es nicht Arthur Brown.