Interview

Maximilian Brückner im „Hindafing“-Interview: „Eine Szene wird erst richtig böse, wenn der Schmerz beginnt“

2006 wurdest du mit 27 Jahren der bis dahin jüngste „Tatort“-Kommissar aller Zeiten, 2012 endete deine Rolle. Angeblich, so hieß es damals offiziell, weil die Geschichte auserzählt sei. Gab es auch andere Gründe?

Das interessiert dich auch noch 2019? Echt jetzt? (lacht) Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich ganz froh über das Ende gewesen bin. Weil es mich nach einer Zeit langweilt, die immer gleiche Rolle zu spielen. Weiterhin bin ich aber wahnsinnig dankbar für die Erfahrung. Es war ja damals noch immer eine Art Ritterschlag, „Tatort“-Kommissar zu werden.

Keine Leere oder Zukunftsangst danach?

Bei mir ist es immer so: Eine Tür fällt zu, eine andere geht auf. Über das Ende des „Tatort“ war ich nicht böse. Wenn du dafür belegt bist, kannst du bestimmte andere Projekte nicht annehmen.

Du bist also froh, nicht der nächste Jo Gerner in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ geworden zu sein, dessen Schauspieler Wolfgang Bahro seit über 25 Jahren diese Rolle spielt?

Ich als Schauspieler strebe danach, viel und Verschiedenes zu drehen. Wenn jemand über Dekaden eine Rolle halten kann, ist das aber auch eine Riesenleistung. Ich könnte es nicht.

Erschummelt sich sogar eine Audienz beim Papst: Alfons Zischl (Maximilian Brückner)
Erschummelt sich sogar eine Audienz beim Papst: Alfons Zischl (Maximilian Brückner)

Es ist auch eine Generationenfrage. Unsere Eltern haben selbstverständlich 40 Jahre den gleichen Job gehabt. Für uns unvorstellbar. 

Die Welt dreht sich schneller, die Zeitabläufe sind kürzer geworden. Sonntagabend „Tatort“ und Nachrichten, Montag bis Freitag zur Arbeit, dann Wochenende – diese Ruhe gibt es in unserer Generation kaum noch. Dass der Sonntag noch heilig ist, freut mich persönlich trotzdem: Wenn ich weiß, dass keiner arbeitet, habe auch ich kein schlechtes Gewissen, es nicht zu tun.

Franz Kappl war immer etwas langweilig und bieder. Alfons Zischl ist das Gegenteil davon. Hast du auch wegen der erwarteten Action die Rolle angenommen?

Der BR schrieb 15.000 Euro pro Produktionsfirma für ein neues Format aus. Die „Neue Super“ war damals noch ganz frisch. Sie schilderten mir ihre Idee eines Bürgermeisters, der Crystal Meth nimmt und Leute bescheißt. Wir haben einen Teaser gedreht, der dem BR gefiel. Die Produktionsfirma schrieb deshalb die Drehbücher weiter, die ich leider nicht gut fand. Ich wusste in jeder Szene, was als nächstes passieren würde. Wir haben uns zusammengesetzt und das Buch zerpflückt. Wie gut die Firma ist, lernte ich in diesem Prozess: Eigentlich ist es unmöglich, aus einem schlechten Buch ein so gutes zu machen.

Gab es Vorbilder?

Mein Wunsch war: Ich will die Österreicher nachmachen. Es muss wehtun. Die Szene muss weitergehen, wenn der Schmerz beginnt. Erst dann wird es richtig böse.

Wen meinst du mit „Österreicher“?

Ich meine die Wolf-Haas-Verfilmungen. Auch „Altes Geld“, „Braunschlag“ oder „Die Piefke-Saga“. Diese Produktionen sind allesamt viel böser mit sich, der Politik und der Gesellschaft umgegangen, als es Filmemacher gerade in Bayern taten. Da kamen stets nette Filme bei raus, die man sich anschauen konnte. Aber böse waren die nie.

Alfons Zischl betrügt übrigens auch seine Frau Marie Zischl (Katrin Röver) – aber nicht nur so, wie Ihr denkt
Alfons Zischl betrügt übrigens auch seine Frau Marie Zischl (Katrin Röver) – aber nicht nur so, wie Ihr denkt

Zur 1. Staffel hieß es oft, „Hindafing“ sei das deutsche „Breaking Bad“ oder „Fargo“. Waren US-Serien wie diese auch Vorbilder?

Ja, klar. Ist die Frage, was du in US-Serien siehst: Es gibt Hochglanzformate, in denen Models den ganzen Tag gut aussehen und belanglose Sätze sagen. Die interessieren mich nicht. Mich interessieren die Coen Brothers. Die stehen für einen ganz anderen Film. Sie zeigen das echte Amerika, die andere Seite. Nicht das, was Amerika gerne von sich in der Welt präsentiert. Sie gehen weiter, sie überspitzen. Wie auch Tarantino. Sowas wollte ich machen.

Arvid Uhlig
Arvid Uhlig BR


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