Interview

Maximilian Brückner im „Hindafing“-Interview: „Eine Szene wird erst richtig böse, wenn der Schmerz beginnt“

Was macht diese Serien und Filme noch so gut?

Vieles wirkt grausam belanglos. Es gibt Szenen, da geht der Plot keinen Meter weiter. Es gibt ganze Folgen, in denen der Plot stehen bleibt. Aber die sind teilweise so schräg gespielt…

Zum Beispiel die „Fliegen“-Folge in „Breaking Bad“.

Genau sowas meine ich. Dieses Strukturdenken ist so überholt: „Das muss so sein, dies muss dahin, so wird es gemacht, so wurde es schon immer gemacht…“ Das ist Käse. Es gibt Szenen, die so geil gespielt sind, dass es völlig egal ist, ob der Plot gerade vorangetrieben wird oder nicht. Man hat so viele Möglichkeiten, gerade bei Serien.

Gibt es eine Szene, auf die du bei „Hindafing“ besonders stolz bist oder extrem krass findest?

Ich habe viel dafür gekämpft, dass Zischl (Achtung, kleiner Spoiler, Anm.) die Haare verliert. Für diese Krebsnummer. Ich mag alles, was wir da gemacht haben, auch wenn es immer Abstriche gibt oder ich mir hier oder da mehr gewünscht hätte. Grundsätzlich verfolgen wir alle eine Richtung. Produzent Rafael Parente, die Autoren Boris Kunz und Niklas Hoffmann und ich hängen sehr eng zusammen.

Die 3. Staffel wird bereits geschrieben. Wie lange kann diese Story um einen tragischen Helden tragen? Klar, Zischl könnte Bundeskanzler werden. Irgendwann aber ist selbst der beste Witz auserzählt.

Das ist eine der Fragen, die wir beantworten müssen. Wir müssen mit der Lokalität ganz woanders hin. Du musst einen Ort finden, der die Fantasie der Menschen so frei macht, dass sie glauben: Okay, dort könnte alles passieren. Wie weit kann Satire gedreht werden? Ab wann wiederholt man sich selbst? Das ist die Gefahr jeder Serie. Wenn wir weitermachen und es wirklich eine dritte Staffel geben wird, müssen wir einen ganz neuen Ansatz finden. Wobei: Das, was gerade mit Trump, Johnson und Co. passiert – wie soll man da noch gegen anstinken können?

Wobei Seehofer, Scheuer und Co. die viel näherliegenden Ziele für „Hindafing“ darstellen.

Klar. Aber letztendlich steht Zischl für eine Politiker-Richtung. Ihm geht es nicht wirklich um Politik. Ihn interessieren die Partei, die nächsten Wahlen und die Wähler. Aber nicht die Inhalte. Politiker sind da anscheinend sehr flexibel. Deswegen fällt es vielen ja auch so schwer, genug Vertrauen zu finden und bestimmte Politiker zu wählen. Weil man nie weiß, was da kommt.

Leben wir also gerade in einer Zeit, in der Wähler schneller politisch verdrossen werden könnten?

Im Gegenteil. Die Lager spalten sich gerade: Mit „Fridays for Future“ finden völlig gewaltfrei gigantische Demos statt. Die Politik merkt oder muss merken, dass ihr die Jungen davonlaufen. Und zwar scharenweise. Das mag wieder abnehmen. Aber wenn der nächste Sommer wieder so knallheiß wird und stellenweise das Wasser knapp wird… Das Klimaverhalten lässt sich nicht verhandeln. Denen brennt der Hut und sie denken noch immer, sie könnten Politik wie seit 100 Jahren machen. Bei dem Thema gibt es keinen Kompromiss.

Das Klimapaket…

Ich fliege nicht mehr, ich fahre nur noch in den Urlaub. Ich werde auch keinen verurteilen, der es anders macht. Hierher, von München nach Berlin, fuhr ich gestern mit dem Zug, anstatt heute früh zu fliegen. Ich steige nur noch in terminlichen Notfällen in den Flieger. In Deutschland gibt es wahnsinnig schöne Ecken für den Urlaub, auch Frankreich, Italien und so weiter sind mit dem Auto oder dem Zug erreichbar. Es ändert sich gerade so viel.

Du warst also ein Vielflieger?

Natürlich, ich fand das ganz normal und habe mir nichts dabei gedacht.

Wäre deine Tochter alt genug, dürfte sie bei „Fridays For Future“ mitdemonstrieren?

Unbedingt. Aber ich hoffe, dass es bis dahin erledigt ist. Das Problem wird nicht gelöst sein, aber die Gesellschaft darf sich nicht weiter spalten. Der Weg des geringsten Widerstandes ist keine Option mehr, jeder muss in seinem Alltag irgendetwas ändern. Wenn alle, bestimmte Kleinigkeiten ändern würden, wäre die Auswirkung enorm.



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