Metallica spielt „verbotenen“ Song „Delilah“ beim Cardiff-Konzert

Ein Lied über häusliche Gewalt war im Stadion ein Tabu – Metallica spielte es trotzdem.

Es ist wie wenn Mama sagt, dass man sein Zimmer aufräumen soll – plötzlich hat man überhaupt keine Lust mehr dazu und macht lieber genau das Gegenteil, einfach aus Protest. Vielleicht können die Mitglieder von Metallica das nachvollziehen, denn auch sie mögen es nicht, wenn ihnen jemand vorschreibt, was sie tun und lassen sollen. Zum Beispiel, ob sie in Cardiff „Delilah“ performen oder eben nicht – weil sie es eigentlich nicht dürfen.

Bei ihrem Auftritt in Cardiff am 28. Juni spielten sie den Song „Delilah“ von Tom Jones, der bei Rugby-Spielen im Principality Stadium verboten ist – wegen seiner Bezüge zu häuslicher Gewalt. Das interessierte die Metal-Band wenig, und sie widersetzten sich der sensiblen Regelung. Ist das ein Zeichen gegen Zensur oder eine simple Vorliebe fürs Regelbrechen, abseits jeder Empathie für Opfer?

Ein Lied mit Geschichte

Das Principality Stadium ist die Heimat der walisischen Rugby-Union-Nationalmannschaft, beherbergt aber auch Konzerte wie das von Metallica in Cardiff. Zu den Rugby-Spielen gehören laute Fan-Gesänge und gebuchte Chöre, um die Stimmung im Stadion anzuheizen. Ein einst sehr beliebter Song hierfür war „Delilah“ von Tom Jones. Der Sänger aus Wales verkörpert den Heimatgeist des Teams, doch die Lyrics zu „Delilah“ sorgten zunehmend für Kritik. Darin geht es darum, wie ein Mann erfährt, dass seine ehemalige Partnerin eine neue Beziehung führt. Aus Eifersucht und Wahnsinn ersticht er sie. Die Worte im Song lauten unter anderem: „Forgive me, Delilah, I just couldn’t take anymore.“

Die Welsh Rugby Union sperrte das Lied 2023 für alle engagierten Stadion-Chöre und nahm es aus der offiziellen Playlist. Damit will sie ein Zeichen gegen häusliche Gewalt setzen und Opfer vor Retraumatisierung schützen. Das Verbot greift jedoch nicht für die Fans bei den Spielen, sie können „Delilah“ weiterhin anstimmen.

Provokation oder Hommage?

Dass Metallica nun genau diesen Song aussuchten, um ihn als Teil ihres „Kirk and Rob Doodle“-Intermezzos zu performen, scheint provokativ auf dieses Verbot abzuzielen. Das „Kirk and Rob Doodle“ ist ein wiederkehrender Teil der Metallica-Show in jeder Stadt. Dabei spielen Hammett und Trujillo Cover-Songs mit lokalem Bezug zur Spielstätte. Beliebt ist diese Einlage wegen ihres heruntergebrochenen musikalischen Stils, bei dem nur Bass und Gitarre die Lieder zieren.

Bei ihrem Berlin-Gig fiel die Wahl zum Beispiel auf Rammsteins „Sonne“, in Schweden wurde es „Dancing Queen“ von ABBA. Der Waliser Tom Jones passt also thematisch gut in die Cardiff-Performance. Die Reaktion der Fans in sozialen Medien ist größtenteils positiv: „Ich liebe es, dass das im Stadion performt wurde, während es verboten ist, es beim Rugby im Stadion zu spielen.“ Darauf antwortete ein:e andere:r Nutzer:in: „Ein bisschen Spaß und Ironie zugleich.“

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Die Unterstützer:innen der Band feiern also die Regelbrecher-Attitüde ihrer Stars. Ob ein politisches Statement von Metallica gewollt war, sich so zum Beispiel gegen Zensur oder gegen „Wokeness“-Politik einzusetzen, ist unklar.

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