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New Order im Interview: „Neue Songs? Das wäre schön!“


Musikexpress: Sie spielen auf dem diesjährigen Hurricane- und Southside-Festival, zusammen mit Headlinern wie The Cure und The Stone Roses.  Bands, die seit bald 30 Jahren dabei sind. Warum wollen die Leute heutzutage vor allem diese Gruppen sehen?
Stephen Morris: Ist schon lustig. Mir ist unlängst klar geworden, dass in diesem Jahr so ziemlich jede Band, die jemals existiert hat, wieder live auftritt. Alles Zufall!
Sumner: Die Zeiten sind für fast alle Bands schwerer geworden, die jünger sind als wir. Musik verkauft sich nicht mehr. Hörern wird es dadurch schwerer gemacht sich überhaupt auf neue Gruppen einzulassen. Wir haben einfach das Glück, dass viele Leute Platten unseres Backkatalogs besitzen.
Morris: Manche sagen gar, dass wir Platz machen sollten für jüngere: New Order – They’re stealing the stage.

Musikexpress: Musiker müssen heutzutage viel länger auf Tournee gehen um Geld einzuspielen. Deshalb veröffentlichen sie auch immer seltener Alben. New Order haben seit ihrer Reunion 2011 keine neuen Songs angekündigt …
Sumner: Für kleinere Bands ist das tatsächlich ein Teufelskreis. Man tourt sich tot.
Morris: Wo bleibt da noch Kraft um Lieder aufzunehmen?
Phil Cunningham: Und da komme ich ins Spiel. Mit meiner Band Marion habe ich schon echte Ochsentouren am Anfang machen müssen.

(Morris, Sumner und Gilian Gilbert tauschen Blicke, es sieht so aus, als wollen sie gleich lachen).

Cunningham: Okay, okay. Jetzt bin ich bei New Order, und wir übernachten im Adlon. Meine Güte!
Sumner: Joy Division war hart. Zumindest am Anfang. Die ersten vier Jahre sind wir im Minibus von Konzert zu Konzert gefahren.

Musikexpress: Mr. Sumner, Sie gelten auch nicht gerade als Fan von Musikdownloads.
Sumner: Digitale Technologie entwertet die Währung namens Musik. Ich meine nicht mal illegale Downloads. Aber die alte Leier ist doch bekannt: Sich nur einen Song statt eines Albums bei iTunes picken zu können freut den Käufer, unterstützt aber ganz sicher nicht die Band. Die Musikindustrie ist ein kranker Mann geworden.
Morris: Musik ist heute überall. Wie soll sie da noch besonders sein?
Sumner: Hier kommt die Psychologie ins Spiel. Ein Beispiel: Nehmen Sie eine kleine Reihe Ziegelsteine. Liegen sie auf der Straße, sind sie nicht mehr als eine Reihe Ziegelsteine. Stellen sie diese jedoch in eine Kunstgalerie – ist es schon Kunst. Es geht hier einzig und allein um die Präsentation. Und so ist es mit der Musik auch.



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