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Hotlist 2026: Die besten Newcomer:innen des neuen Jahres

Wie wird 2026 klingen, wer sind die Acts, auf die man Auge machen sollte? Die Glaskugel ist frisch poliert, schaut rein!

Tyler Ballgame

California Neuanfang

Raus aus dem Keller, ab nach Venice Beach: Der Songwriter Tyler Ballgame war am Boden. Nun lebt er seinen Traum.

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Dies ist die Geschichte eines amerikanischen Traums. Wie tröstlich, dass es solche Stories auch noch gibt. Vor knapp fünf Jahren lebte Tyler Perry noch im Keller des Hauses seiner Mutter an der Ostküste, arbeitete bei seinem Vater in einer Hundeschule, litt an Depressionen, kiffte zu viel, aß ungesund. Sein Songwriter-Studium hatte er abgebrochen, für sich selbst spielte er Songs im Stil von Nick Drake und Elliott Smith, ein paar Dollar verdiente er sich als Musiker in einer Coverband. Dann – es muss eine Art überirdisches Zeichen gewesen sein – bewarb er sich aus heiterem Himmel für einen Job bei einer Immobilienfirma in Venice Beach, Kalifornien. Vorkenntnisse hatte er keine, also bog er sich eine Vita zurecht. Er bekam den Job. Seine Mutter bremste ihn nicht, sondern sagte: „Was hast du zu verlieren? Nichts. Also, ab nach Kalifornien!“

Mit im Gepäck: Fragen, die seine Therapeutin ihm mit auf den Weg gegeben hat: Wer bin ich? Was kann ich? Wer will ich sein? Bald wusste er es: Singer/Songwriter, aber kein Drake-Smith-Wiedergänger mehr, sondern jemand, der zu klassischem Sound tröstliche Lieder singt. Er gab sich den Namen Tyler Ballgame, eine parallele Version seines Ichs. 2024 erschien die erste Single „Help Me Out“, danach begann die Arbeit am Debütalbum FOR THE FIRST TIME, AGAIN. Zu opulentem 60s-Sound singt er darüber, wie gut es ist, aufgefangen zu werden, sich aufgehoben zu fühlen. Und so lebt Tyler Perry heute nicht mehr im Keller, sondern geht 2026 auf Tour, um seine positiven Botschaften mit der Welt zu teilen.

Text: André Boße

Woher: Los Angeles
Für Fans von: Jonathan Richman, Fleet Foxes, Neo-Hippies
Anspieltipp: „I Believe In Love“
Neue Musik: Debütalbum FOR THE FIRST TIME, AGAIN erschien am 30.1.
Live: Europatour im April, u.a. 13.4. Berlin und 14.4. Köln

Audrey Hobert

It-Girl, but make it selbstironisch!

Tagebuchehrlichkeit, funkelnde Selbstironie und cineastische Vision: Der Bedroom-Pop von Audrey Hobert, Singer/Songwriterin und BFF von Gracie Abrams, zieht alle in ihren Bann.

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Audrey Hobert wirkt wie eine Künstlerin, die gar nicht versucht, eine zu sein – und genau das macht sie aus. Seit sie im August 2025 ihr Debütalbum WHO’S THE CLOWN? herausbrachte, löst die 1999 geborene Newcomerin etwas in der Popwelt aus, das so simpel wie selten ist: echtes Interesse. Nicht wegen eines viralen Moments oder eines Skandals, sondern wegen ihrer Persönlichkeit, die sie mit ihrem ganzen Output preisgibt.

Wie sie das hinkriegt: Die Schwester von Musiker Malcolm Todd ist eine Beobachterin par excellence. Eine, die Momente sammelt, Dialogfetzen notiert, sich in kleine Alltagsgesten verliebt. Ihre Sichtweise ist durch die Filmwelt geprägt: Ihr Vater ist Drehbuchautor und Produzent, sie selbst schloss 2021 ihren Bachelor of Fine Arts an der New York University ab und arbeitete unter anderem als Autorin für die Serie „The Really Loud House“. Man merkt ihren Songs an, dass sie in Bildern denkt – ihre Tracks wirken wie Szenen aus Indie-Filmen. Sie haben eine Wärme, lassen durch ihre cineastische Erzählweise Nähe zu. Manchmal wirkt es einen Augenblick lang wackelig, geht aber immer auf.

Bevor sie selbst ins Zentrum rückte, arbeitete Audrey Hobert lieber im Hintergrund. Sie schrieb Lieder für andere, darunter für ihre beste Freundin aus der Grundschule und alte Mitbewohnerin Gracie Abrams. Einer der wohl wichtigsten Tracks dabei: „That’s So True“. Den Abrams-Song schrieb sie nicht nur, sie lieferte auch den Backgroundgesang. Eben diese Zusammenarbeit gab ihr das nötige Selbstvertrauen, um schließlich ihr eigenes Innenleben zu vertonen, statt als Regisseurin Karriere zu machen.

Als sie 2025 mit ihrem ironisch-selbstkritischen Stück „Sue Me“ ihre eigene Stimme öffentlich präsentierte, wirkte es deshalb auch nicht wie ein Debüt, sondern schon wie ein vertrauliches Gespräch. Voller Schlagfertigkeit. In ihren Songs erlaubt sie Risse, zeigt das Peinliche und das Banale. Hobert, die auch ihre Musikvideos selbst umsetzt, verweigert jeglichen Hochglanz und erschafft lieber Momente, in denen das Leben kurz stillsteht und man anfängt, sie und sich selbst zu verstehen.

In Zukunft könnte sich Audrey Hobert vorstellen, ihre Liebe zu Musik und Film zu verbinden. Vielleicht wartet eines Tages eine eigene Serie oder ein visuelles Konzeptalbum auf uns. Aber erst einmal ist das neue It-Girl der Popwelt im März auf Deutschlandtour. Die Shows waren natürlich in kürzester Zeit ausverkauft.

Text: Hella Wittenberg

Woher: Los Angeles
Für Fans von: Chappell Roan, Rachel Chinouriri, schlagfertige Sprüche, Poesiealbumeinträgen mit ordentlich Glitzer
Anspieltipps: „Sue Me“, „Thirst Trap“
Neue Musik: noch nicht bekannt
Live: 28.2. Köln, 2.3. Berlin, 6.3. Köln (Zusatzshow)