Kritik

„NOS4A2“: Wie das Horror-Genre den Sprung in die Serien-Neuzeit schafft

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Der Horrorfilm-Fan will es dem jungen Daniel Moore (Asher Miles Fallica) in der ersten Folge noch hinterherrufen: Sammle nicht die rot-weiß-gestreifte Zuckerstange vor der Tür auf! Steig nicht in den alte Rolls-Royce Wraith (dessen Name im Englischen „Geist“ oder „Gespenst“ bedeutet) aus den 1930er-Jahren ein, der mit bunten Geschenken lockt und gleichzeitig mit einem gruseligen, alten Fahrer namens Charlie Manx (Zachary Quinto) verstört! Und auch die Hauptfigur Vic McQueen (Ashleigh Cummings) möchte man vorab warnen, bevor sie mit ihrem Cross-Motorrad auf die düstere alte Holzbrücke fährt: Das sieht doch total unheimlich aus, das kann niemals gut ausgehen!

Die amerikanische Kleinstadt Haverhill, in der die neue Amazon-Prime-Serie „NOS4A2“ spielt, wird von den üblichen traurigen Begleiterscheinungen wie Klassenkampf, Perspektivlosigkeit und provinzieller Einöde dominiert. Hier leben Figuren wie der junge Daniel und die clevere Vic, die von einem Stipendium für eine Kunsthochschule träumt, weil sich ihr Lebensweg sonst schnell und vorzeitig dem ihrer Mutter annähern könnte, als Putzfrau für die Besserverdiener im Villenviertel.

Doch da ist auch der unsterbliche Charlie Manx, der sich von Kinderseelen ernährt und die Überreste im Christmasland entsorgt – einem seltsamen Ort in seiner Fantasie, an dem jeden Tag Weihnachten ist und wo Traurigkeit gegen das Gesetz verstößt. Wie gut, dass Vic nicht nur künstlerisches Talent besitzt, sondern auch mit der übernatürlichen Fähigkeit gesegnet ist, verlorene Dinge wieder aufzuspüren. Schnell wird klar, dass nur sie, gemeinsam mit dem Medium Maggie Leigh (gespielt von Jahkara J. Smith, bekannt als Youtuberin „Sailor J.“) den Kampf gegen den Endgegner Manx aufnehmen kann.

Klischeearmer Horror von den „The Walking Dead“-Machern

Dem Genre „Horror“ bleibt die Serie zumindest in den offensichtlichen Momenten treu. Auch in dieser Geschichte käme niemand auf die Idee, in einem leerstehenden Spukhaus beim Betreten erst einmal den Lichtschalter auszuprobieren. Aber was früher anderthalbstündige Filme mit eventuellen Sequels waren, sind heute die Streaming-Serien, die in ihrer Komplexität ein deutlich größeres Themenfeld abhandeln dürfen, mit verschiedenen Handlungssträngen, Spin-Offs innerhalb der Serie und einer zentralen Rahmenhandlung, die innerhalb einer Staffel in mehrere kleinere Episodenhandlungen unterteilt wird.



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