Nr.34: Vox V251 Guitar Organ


Die Technik Machen, was machbar ist unter diesem Motto dürfte die Entwicklungsabteilung der britischen Firma Vox agiert haben, als sie 1966 das Modell V251 vorstellte: Es sah aus wie eine Gitarre. Es war eine Gitarre. Es war aber auch eine Orgel. Also eine Gitarrenorgel. Für die Umsetzung hatte man sich einfach aus dem Regal bedient: Der Korpus der Vox-Gitarre „Phantom“ wurde nur etwas dicker belassen, um die abgespeckte Elektronik der Vox-Orgel „Continental“ aufzunehmen. Drückte man nun eine Saite auf einen der unterteilten Bundstäbe, ertönte der entsprechende Orgelton, der mittels zahlreicher Klangregister verändert werden konnte. Saitenziehen war natürlich nicht möglich, da die Saite sonst das falsche Bundsegment berührt hätte. Dafür konnte man die eingebaute Rhythmusbegleitung nutzen und behände zwischen drei Betriebsmodi schalten: Gitarre, Orgel, beides zusammen. Zum Lieferumfang gehörte ein Netzadapter, denn das Orgelmodul arbeitete mit Strom aus der Steckdose. Dass aufgrundfehlerhafter Erdung Orgelgitarristen gen Himmelauffuhren, ist nicht überliefert. Die Geschichte Vox war in den 60ern ein echter Vollsortimenter, man baute Gitarren, Verstärker, Orgeln, Effektgeräte und pappte sein Logo gar auf fremdproduzierte Schlagzeuge. Die Guitar Organ, gedacht als imageträchtiger Technologieträger, war jedoch ein grandioser Flop: Schwer, extrem komplex zu bedienen und noch dazu teuer, orgelte sie an den Bedürfnissen der Musiker vorbei. Ein Schmuckstück der elektronischen Instrumentenbaukunst zwar, aber leider ziemlich überflüssig. Laut manchen Quellen wurden nur etwa 100 Stück produziert, was dem Kultstatus natürlich zuträglich ist: Als kurioses Sammlerstück ist V251 hoch begehrt. Die Anwender Vox, Mitte der 60er Haus- und Hoflieferant der britischen Rockprominenz, verschenkte zu Werbezwecken angeblich je ein Exemplar an John Lennon und Rolling Stone Brian Jones. Beide waren offenbar nicht sonderlich angetan und nutzten V251 weder live noch im Studio.