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Einschlafende Füße: Warum Sam Smith keinen Oscar verdient hat

Die Oscars 2016 waren nicht arm an politischen Debatten: Moderator Chris Rock macht sich für Schwarze stark, Leonardo DiCaprio wettert gegen Klimaerwärmung, Lady Gaga thematisiert sexuellen Missbrauch. Aber auch in der scheinbar weniger brisanten Kategorie „Best Original Song“ gab es bereits im Vorfeld Verstimmung ob der Nominierten: Transgender-Künstlerin Anohni, einst unter ihrem bürgerlichen Namen Antony Hegarty und als Sänger von Antony & The Johnsons bekannt, machte in einem Facebook-Post namens „Why I Am Not Attending The Academy Awards“ ihrem Unmut über die Einladungspolitik der Oscar-Veranstalter und über die Machtkonstrukte der USA Luft.

Für den Song „Manta Ray“ aus dem Film „Raging Extinction“ war Anohni ebenfalls für einen Oscar nominiert. Nachdem bekannt wurde, dass die ebenfalls Nominierten Sam Smith, The Weeknd und Lady Gaga bei der Oscar-Verleihung 2016 auftreten würden, machte sie sich ebenfalls Hoffnung auf eine Einladung für einen Auftritt – vergebens. Ihr sei zwar klar, dass eine Nominierung kein Grundrecht auf einen Auftritt mit sich bringe. Aber spätestens, nachdem der in keiner Kategorie nominierte Dave Grohl als weiterer Live-Act bestätigt worden war, stellten sich bei ihr derartige Bauchschmerzen ein, die sie schließlich nur durch Abwesenheit beruhigen konnte. „Es geht um nichts anderes als um Mainstream und um viel Geld“, schrieb sie, und da sei ihre Musik offenbar fehl am Platze. Anohni stellt ferner klar, dass sie nicht behaupte, sie sei wegen ihrer Sexualität ausgeladen worden. Aber die Tatsache, dass auf der Oscars-Homepage schließlich der Hinweis folgte, es handele sich bei ihr um eine Transgender-Künstlerin, bekräftige sie dennoch in ihrem schlechten Gefühl über die Oscars 2016.

Es kam schließlich, wie es kommen musste: Sam Smiths schrecklich langweiliger Bond-Song „Writing’s On The Wall“ ging als Favorit ins Rennen und gewann tatsächlich einen Oscar – und Smith bestätigte mit seiner Live-Performance sämtliche Kritiker, denen schon bei der Songvorstellung anlässlich „Spectre“ im Herbst 2015 die Füße einschliefen: Durch seinen aalglatten wie nichtigen Auftritt, der die Brisanz anderer Baustellen bei den Oscars 2016 konterkarierte, unterstrich Smith nicht nur die Banalität und Nichtigkeit seines Songs, sondern auch, bei allem Respekt, seines künstlerischen Daseins selbst. Sam Smith, das war doch der, der Radiohead nicht kannte? Indirekt sagte er das mal, ja. Aber Sam Smiths Musik ist nunmal das, was die Welt im Radio hören will. Und nicht Radioheads Bond-Song oder aufrichtig Bewegendes von Anohni.


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