Patreon: Alles, was Ihr über die Crowdfunding-Plattform wissen solltet

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Vor allem Fans von Podcasts sollte Patreon inzwischen definitiv ein Begriff sein: So gehört es fast schon zum guten Ton, den Hörer am Ende jeder Folge darauf hinzuweisen, sich doch bitte bei der Crowdfunding-Plattform zu registrieren und so den digitalen Content mit einer kleinen (oder auch großen) Spende zu unterstützen.

Was an sich eine gute Sache ist, um Künstlern ein regelmäßiges Einkommen zu gewährleisten, hat jedoch leider wie so viele frisch entwickelte Innovationen auch seine Schattenseiten. Immer wieder landet Patreon inzwischen in den Schlagzeilen, sei es wegen ungeklärter Copyright-Dispute oder wegen seines Umgangs mit polemischen Mitgliedern.

Das ist Patreon

Patreon wurde 2013 von Sam Yam und Musiker Jack Conte gegründet, weil letzterer auf der Suche nach einem Weg war, mit seinen YouTube-Videos Geld zu machen. Die Online-Crowdfunding-Plattform erlaubt seinen „Creators“ für den von ihnen entwickelten Content von interessierten „Patrons“ bezahlt zu werden. Verschiedene Zahlungsmodelle helfen dabei, die ganze Sachen auf beiden Seiten so effizient wie möglich zu gestalten. Im Gegensatz zu Konkurrenz-Unternehmen wie Indiegogo und Kickstarter handelt es sich dabei jedoch in der Regel nicht um einmalige Zahlungen, sondern regelmäßige Spenden, mit denen Patrons ihre Creator dauerhaft unterstützen und im Gegenzug regelmäßig neue Inhalte erhalten. Inzwischen verfügt Patreon über mehr als eine Million regelmäßig zahlende Nutzer und rund 50.000 kreative Content-Entwickler.

So funktioniert Patreon

Wenn ein Creator mit Patreon Geld verdienen will, muss er auf der Website ganz einfach eine Seite einrichten, über die willige Spender sich zu den angebotenen Konditionen für ein Abonnement registrieren können. Patrons verpflichten sich damit, dem entsprechenden Creator einen von diesem frei wählbaren Betrag zu überweisen, der entweder monatlich oder pro Veröffentlichung abgebucht wird.

So könnte beispielsweise ein YouTuber festlegen, dass mit jedem veröffentlichten Video ein fester Betrag fällig wird. Stattdessen können Creator aber auch monatliche Abrechnungen festsetzen, die vor allem bei regelmäßiger Content-Produktion Sinn ergeben. Zusätzlich bietet Patreon die Option, sogenannte Funding-Ziele anzulegen. Ein Creator kann auf diese Weise eine feste Summe bestimmen, bei deren Überschreiten er zusätzlichen Content (z.B. in Form von Bonus-Podcast-Episoden) anbietet.

Dabei müssen sich teilnehmende Entwickler nicht auf ein Modell festlegen, sondern können die verschiedenen Varianten frei nach Belieben miteinander kombinieren. So kann sich jeder Nutzer individuell aussuchen, wie viel ihm der jeweilige Inhalt wert ist.

Das sind die Vorteile

Für Creator liefert Patreon die Möglichkeit, für die von ihnen produzierten digitalen Inhalte, entsprechend entlohnt zu werden. Dabei stehen sie in konstantem Kontakt zu ihren „Fans“ und können sich von diesen Anregungen und Inspirationen für zukünftige Projekte holen. Patrons können wiederum selbst bestimmen, an welchen Inhalten sie interessiert und was sie dafür zu zahlen bereit sind. Gleichzeitig wird ihnen die Arbeit abgenommen, immer wieder nach neuen Veröffentlichungen ihrer Lieblingskünstler zu recherchieren. Stattdessen erhalten Abonnenten die neuesten Inhalte direkt auf dem Silbertablett serviert.

Aber auch interessierte Werbepartner profitieren von der Plattform: So können diese über Patreon herausfinden, welche Content-Entwickler über die größte und/oder treuste Fanbase verfügen und gegebenenfalls mit dem entsprechenden Creator in Kontakt treten, um über eine mögliche Zusammenarbeit zu verhandeln.

Das sind die Probleme

Da Patreon zunächst für jeden frei zugänglich ist, stellt sich vor allem ein Problem auf Creator-Basis. Denn es gibt durchaus kontroverse Künstler, die versuchen, mit der Plattform ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Patreon hat sich dementsprechend mit einem bewusst schwammig formulierten Paragraphen in seinen Nutzungsbedingungen gegen den Missbrauch seiner Dienste abgesichert. Darin heißt es, dass fragwürdige Accounts nach Prüfung der zuständigen Verantwortlichen entfernt werden dürfen, sofern diese darin einen Verstoß gegen die firmeninternen Interessen Patreons sehen.

Der Zensur-Vorwurf

So verbannte Patreon beispielsweise zuletzt den anti-feministischen Polemiker Carl Benjamin aka Sargon of Akkad von seiner Seite, nachdem dieser in einem YouTube-Video rassistische Ausdrücke verwendet hatte. Noch in derselben Woche wurde auch der rechts geneigte Journalist Milo Yiannopoulos von der Plattform entfernt – nur einen Tag, nachdem er sich bei Patreon registriert hatte.

Währen viele Seiten die konsequente Maßnahmen und das damit einhergehende klare Statement gegen rechtes Gedankengut begrüßten, zeigten sich andere wiederum besorgt. So protestierte Neurowissenschaftler/Autor Sam Harris beispielsweise gegen die von ihm als Zensur eingestuften Handlungen, indem er die Plattform kurzerhand verließ. Weitere einflussreiche Persönlichkeiten wie Jordan Peterson und Dave Rubin sollten ihm schon bald folgen.

Auch der deutsche Rapper Naggert, der sich selbst als Teil der Identitären Bewegung sieht, hatte zuletzt auf Patreon, seinen „Löwen“ für fünf US-Dollar den Zugang zu seiner „exklusiven Telegram-Gruppe“ gewährt, über die er seine Fans mit „kleine Hörproben“ und direktem Kontakt versorgte. Für 50 weitere US-Dollar im Monat erhielten Naggerts Unterstützer zusätzlich „exklusive Videochatanrufe“, für 100 US-Dollar monatlich „Zugriff auf neue Titel noch vor offizieller Veröffentlichung“. Ob Patreon sich über Naggerts Account sowie die Dienste ähnlicher Nutzer bewusst ist, ist aktuell nicht bekannt. Ebenso bleibt abzuwarten, ob und falls ja, mit welchen Maßnahmen die Crowdfunding-Plattform auch hier eingreifen wird.

Das Copyright-Problem

Viele Creator schätzen, dass sie das Recht an ihrem eigenen Content mit der Anmeldung bei Patreon nicht abgeben müssen. Allerdings ergibt sich hieraus auch das wohl größte Problem der Crowdfunding-Plattform.

So wurde vor einigen Jahren bekannt, dass sich die Online-Pirating-Website Yiff.Party an massenweise pornografischem Material, das auf Patreon hinter einer Paywall angeboten wurde, bedient hatte und es auf seiner eigenen Plattform gratis zur Verfügung stellte. Der dort hochgeladene Content besteht vor allem aus „Furry Porn“ und wird Yiff.Party von zahlenden Patrons zugespielt und kurz darauf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Patreon zeigte sich zunächst über den Missbrauch seiner Dienste entrüstet, weitere Aktionen vonseiten des Anbieters blieben jedoch bis heute aus.

Patreon begründet seine Untätigkeit mit dem Fehlen der notwendigen Copyright-Lizenzen. „Wir können absolut nichts dagegen tun“, so Colin Sullivan, Patreons „Head Of Legal“, in einem offiziellen Statement, „wir setzen das Urheberrecht nicht durch, weil uns die notwendigen Lizenzen zu den auf unserer Plattform angebotenen Inhalten nicht vorliegen.“ Auch der hauseigene Copyright-Zuständige Weston Dombroski meldete sich kurz darauf zu Wort. Dieser verglich die hier vorliegende Problematik mit der begrenzten Verantwortung und Zuständigkeit eines Vermieters, wann auch immer in der Wohnung seines Mieters eingebrochen und dessen Eigentum gestohlen werde: Da könne man leider nicht viel machen.

Trotz seiner bisher ungelösten nicht ganz so kleinen Kinderkrankheiten, stellt Patreon dennoch für viele Podcaster, YouTuber, Grafik-Designer und Co. eine bisher alternativlose Notwendigkeit dar, die auch vonseiten der Nutzer weiterhin unterstützt werden sollte.

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