Phish


Phish sind die neuen Grateful Dead. Die Band aus New England hat eine ebenso eingeschworene Fangemeinde wie einst Garcia & Co., nur daß die sich nicht in Analogie zu den Deadheads „Phischköpfe“ nennen. Vor der Markthalle geht es zu wie auf einem College-Camp: In Army-Kochern simmem Kartoffeln, California Girls in Batik-T-Shirts drehen schon mal Joints für eine lange Nacht. Und Phish-Frontmann Trey Anastasio sieht aus wie eine Kreuzung aus Jerry Garcia und Eric Clapton. Musikalisch offenbaren sich größere Unterschiede. Phish sind songorientierter, kommen auch schneller zu Pot(te) als das alte Dampfschiff Grateful Dead. Dafür fehlt Phish das Feeling: Wie wildgeworden verwursten sie allerlei Versatzstücke aus der Musikgeschichte. So bezieht das Phish-Phänomen seinen Reiz allein aus der nostalgischen Attitüde der Deadhead-Nachgeborenen. Über drei Stunden dauert das Gedaddel, in der Pause wringen die beseelt auf den Rängen Tanzenden ihre schweißnassen T-Shirts aus. Und so hat auch niemand außer mir den Sarg auf der Bühne hinter der Backline gesehen, in der sich ein schreckensstarrer Jerry Garcia ein ums andere Mal um die eigene Achse drehte.