Prince und sein Spätwerk: Die 10 besten Songs nach dem Jahr 1999
Das Spätwerk im Überblick: Von „Cinnamon Girl“ bis „Breakdown“ – die zehn besten Prince-Songs nach 1999.
„2000, zero, zero, party over“ heißt es im Hit „1999“. Ganz so war’s aber nicht. 7+3 große Prince-Songs nach dem Millennium – to party like it’s 1999.
1. „1+1+1 Is 3“ (von THE RAINBOW CHILDREN, 2001)
Prince ist neu bei den Zeugen Jehovas und integriert auf THE RAINBOW CHILDREN eine Erzählerstimme, die vielleicht Gott symbolisieren soll, jedoch nach einem deprimierten Darth Vader klingt. Das alles schadet dem Song nicht: Fantastischer Funk alter Schule.
2. „Cinnamon Girl“ (von MUSICOLOGY, 2004)
Zimt ist ein interessantes Gewürz: In Maßen sehr gesund und superlecker, in großen Mengen schädlich – die Dosis macht das Gift. Auch Neil Young und Lana Del Rey haben Lieder über Zimtmädchen geschrieben. „Cinnamon Girl“ von Prince handelt von den Folgen von 9/11, konkret von Rassismus-Erfahrungen junger arabischer Mädchen – und damit (die Ausnahme von der Regel) nicht von Prince selbst. Der Poprock-Stil des tollen Tracks erinnert an die Ära AROUND THE WORLD IN ONE DAY.
3. „Lolita“ (von 3121, 2006)
Wer immer schon mal wissen wollte, wie seifige Synthies klingen – „Lolita“ ist das Paradebeispiel.
Auf dem Riff baut Prince einen lässigen Hit mit supercoolen Gitarren und einem Refrain, den wohl nur Prince singen kann, ohne dass es peinlich wird: „Lolita, you’re sweeter / But you’ll never make a cheater out of me.“
4. „Chelsea Rodgers“ (von PLANET EARTH, 2007)
Das Album liegt am 15. Juli 2007 in Großbritannien der „Mail On Sunday“ auf CD bei. „Chelsea Rodgers“ ist eine von vielen halbfiktiven Frauenfiguren in der purpurnen Welt von Prince: ein Model aus den 70s, das Jimi Hendrix vermisst und im Studio 54 zu diesem Disco-Track tanzt.
5. „Colonized Mind“ (von LOTUSFLOW3R, 2009)
Das Cover des Albums ist von ausgesprochenener Hässlichkeit, beim Songwriting gönnt sich Prince ein paar Nachlässig- und Mittelmäßigkeiten. Das alles spielt keine Rolle, wenn The Purple One bei „Colonized Mind“ der Vision folgt, wie es klingen könnte, wenn Bob Dylan einen Song von Pink Floyd singt.
6. „Beginning Endlessly“ (von 20TEN, 2010)
Da sind sie wieder, die Seifen-Synthies. Das Album lag 2010 je nach Nation diversen Magazinen und Zeitungen bei, in Deutschland dem „Rolling Stone“.
„Beginning Endlessly“ ist das Highlight der Platte, weil Prince noch nie auf einen so seltsamen, rollenden Beat gesetzt hat. Auf dieser Basis tauchen von überall her Prince-Stimmen auf, dazu die Gitarre im Stil von „Kiss“ und immer neue seifige Synthie-Ideen.
7. „Breakdown“ (von ART OFFICIAL AGE, 2014)
Nach einigen Jahren Pause veröffentlicht Prince 2014 an zwei Tagen zwei Alben. PLECTRUMELECTRUM ist Hard-Funk und Rock, ART OFFICIAL AGE Neo-R’n’B. Damit funktioniert dieses Album besser – doch alles steht im Schatten von „Breakdown“, einem Slow-Jam mit Sci-Fi-Effekten, Streichern und Prince als Soul-Kreischer, der von Türen singt, wo einmal Mauern waren und die man irgendwann durchlaufen kann. Der Song wirkt heute wie eine Vorahnung und wird dadurch noch gespenstisch besser.
8. „Anotherlove“ (von PLECTRUMELECTRUM, 2014)
Der wohl beste Song der mit der weiblich besetzten Band 3rd Eye Girl eingespielten Geschwisterplatte zu ART OFFICIAL AGE ist eine Coverversion eines Songs der US-Songwriterin Alice Smith.
Wie Prince ihn vom Status einer Ballade in Richtung Hardrock führt, ist von großer Brillanz.
9. „Fallinlove2nite“ feat. Zooey Deschanel (von HITNRUN PHASE ONE, 2015)
2014 als Single veröffentlicht, erschien der Track im Jahr darauf auf HITNRUN PHASE ONE – dort jedoch ohne die Backingvocals der Hollywood-Schauspielerin Zooey Deschanel. Näher an Modern-Pop und Eurodance kam Prince nie wieder; man beachte zwischen den vielen Effekten die versteckten Barock-Pop-Arrangements.
10. „Free Urself“ (Non-Album-Single, 2015)
Veröffentlicht ein halbes Jahr vor seinem Tod und damit die letzte Prince-Veröffentlichung zu Lebzeiten.
Schon Dekaden zuvor gab es auf dem Album 1999 mit „Free“ ein Lied zur Freiheit. Viele Jahre und Kämpfe später kehrt er zu einem seiner Lebensthemen zurück – versöhnlich und mit sich selbst zufrieden: „Look at where we came from / How far we are today.“






