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Meinung

Realverfilmung von „Die Eiskönigin“ kommt: Disneys Endloskonzept geht in die nächste Runde

Der Erfolg von den Geschwistern Anna und Elsa, die mit dem verzauberten Schneemann Olaf im Königreich Arendelle jede Menge Abenteuer erleben, ist Teil der modernen Kinogeschichte. Am 23. November 2013 startete der 53. Animationsfilm aus dem Hause Disney seinen Siegeszug um die Welt: Eiskönigin Elsa sammelte für das traditionsreiche Studio über 1,77 Milliarden US-Dollar ein und versetzte mehr als 4,7 Millionen deutsche Kinobesucher*innen in freudige Schockstarre. Die 2019 gestartete Fortsetzung war nur eine Frage der Zeit und lieferte erwartungsgemäß ab. Die 6-Millionen-Besuchermarke knackte das Eiszapfen-Musical mit Leichtigkeit. Damit die gewinnträchtige Marke aber keineswegs als Schnee von gestern in Vergessenheit gerät, kündigte Disney jüngst an, eine Realverfilmung zum beliebten Familienklassiker folgen zu lassen. Eine Nachricht, die den Überraschungseffekt von geschmolzenem Eis im Hochsommer besitzt.

Nostalgie gegen Umsatz: Dollar schlägt Emotionen

Disneys Strategie der Realverfilmungen macht vor dem jüngsten Kassenschlager keinen Halt. Nachdem „Der König der Löwen“ als sommerlicher Erfolgsgarant und mit 5,5 Millionen Besucher*innen 2019 in Deutschland freilich geadelt wurde, war deutlich, dass sich das Konzept bewiesen hatte. Den durchwachsenen „Aladdin“, der lediglich 1,9 Besucher*innen in die Kinos locken konnte, war zu diesem Zeitpunkt längst vergessen. Mit dem unaufhörlichen Nachschub an neuer Filmware rücken Flops aus den eigenen Reihen ganz simpel in den Hintergrund.

Was zu Beginn noch als transformierte Nostalgie vermarktet werden konnte, präsentiert sich nur noch als Ausverkauf der eigenen Klassiker. Gegen Remakes und Realverfilmungen von zeitlosen Werken ist sicherlich nichts einzuwenden, doch sollte dazwischen zumindest ein gewisses Maß an Abstand liegen oder das Gefühl einer sorgfältigen Entscheidung mitschwingen. Dass nun die Wahl des nächsten Projekts auf die unterkühlte Kassenschlagerin fällt, ist alles andere als hintergründig.

Kreativität ist nicht verboten

Wenn der Griff in die Archivkiste tiefer gehen und verschollene Werke wie „Cap und Capper“ oder „Taran und der Zauberkessel“ wiederbelebt werden würden, ließe sich möglicherweise noch ein Auge zudrücken. Doch die beliebige Umwandlungsorgie der hauseigenen Zeichentrickklassiker wirkt ermüdend. Ist die Angst vor der eigenen Kreativität zu groß oder will Disney einfach nur den hürdenfreien Weg zur nächsten Benchmark absolvieren? Tatsache ist, dass auch die Zuschauer*innen langsam die Lust an den aufgewärmten Ideen verlieren.

Der nächste Streich „Mulan“ ist immer noch für den Sommer 2020 (aktuell: 23. Juli 2020) angekündigt und wird es nicht nur aufgrund der derzeitigen Corona-Pandemie schwer haben in den deutschen Kinos. Wirklich begeistern konnte sich kaum jemand für den Stoff, als der erste Trailer veröffentlicht wurde. Zwar spricht der Kampf um Emanzipation in festgefahrenen Traditionen einen wichtigen Punkt an, doch auf die millionenschwere Umsetzung mit unbekannten Schauspieler*innen hat keiner gewartet. Die reine Adaption bekannter Stoffe reicht eben nicht mehr aus, um großes Kino zu erzählen. Abnutzungserscheinungen nehmen auch auf Hollywood keine Rücksicht.



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