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2:54 2:54


Fiction/Coop/Universal VÖ: 08.06.

Böse Zungen behaupten, das gleichnamige Album von 2:54 sei nicht viel mehr als ein Lückenfüller, der herhalten muss, solange Warpaint nichts von sich hören lassen und man bei dem neuen Material von The XX auch noch nicht recht weiß, woran man sein wird. Für gute (oder sagen wir mal unvoreingenommene) Ohren ist das Debüt­album der beiden Londoner Schwestern Colette und Hannah Thurlow (live treten sie als Quartett mit zwei weiteren Musikern auf) bedeutend mehr als das. So ganz unwahrscheinlich sollte es also nicht sein, dass hier mal ein gerechter Hype vorliegt und demnächst eine neue Band ankommen wird, bei der man behauptet, sie diene nur als Pausensnack für die zweite Platte von 2:54.

Wir sind aber im Hier und Jetzt, und da bietet es sich an, einfach mal über dieses Debüt zu sprechen, das auf die hochgehandelte „Scarlet“-EP folgt, die Ende vergangenen Jahres erschien. In der beliebten Kombination Mädchen und Gitarre wird in gediegenem Tempo geshoegazet. Kleine, klaustrophobische Popsongs, für die Abendstunde, versehen mit der kühlen Stimme von Colette, die gar nicht gegen die Gitarren anzusingen versucht, sondern ihre Stimme im Zweifelsfall darunter begraben lässt. Es ist ein sehr vertrauter Sound-Mix, der sich nicht scheut, seine Haken bei den obligatorischen Schlagwörtern wie Post-Punk und Shoegaze zu setzen. Klar strukturierte Songs, die dennoch viel Platz für Nebel lassen, in dem man sich nur zu gerne verläuft. Das Fundament der Musik ist – um den Vergleich von vorhin aufzugreifen – längst nicht so fragil wie etwa bei Warpaint. Das Schlagzeug und die energischeren Gitarren liefern genug Fläche zum Festhalten, hier muss man nicht befürchten, dass bei einem kräftigen Windhauch alles einstürzt. 

Für Ohrwürmer ist bei dieser atmosphärischen Angelegenheit durchaus Platz. Das bereits bekannte „Scarlet“ übernimmt auch auf dem Album die Hauptrolle und spielt sich mit Coctau-Twin’schen Hymnen-Habitus in den Ohren fest. Colettes eindringlicher Gesang kann da nur helfen. Genau wie bei der aktuellen Single „You’re Early“, die nicht ohne Kuhglocken und harmonisch langgezogene „Oohs“ und „Aahs“ auskommt. Was das Album nicht hat, ist eine Dramatik, eine Story, die erzählt werden muss, und zu der jetzt eben diese Platte gemacht werden musste. Es geht um die Sound-Welt von 2:54, in der sie sich breitmachen, in der sie spielen und Songs schreiben und die wir besuchen dürfen. Ist doch auch nett, die Einladung sollte dankend angenommen werden. Hier ist Platz genug. 2:54 ist ein starkes Album, das sich nicht um Innovationspreise schert, und schlicht durch die Musik aufzufallen und zu gefallen weiß. Manchmal ist es vielleicht geschickter, das Rad einfach stilvoll zu drehen, anstatt es gleich neu erfunden in die Regale hieven zu wollen. Key Tracks: „Scarlet“, „You’re Early“, „Circuitry“


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