Alessia Cara Know-It-All


Def Jam/Universal

von

Unter den jungen aufstrebenden Popstars Amerikas ist Alessia Cara zugegebenermaßen das Cool Kid von nebenan. Man kann das schon am Cover ihres Debütalbums ablesen – am karierten Flanell und der lässigen Haltung. Und dann ist da natürlich „Here“, dieser Indie-Pop-Hit, in dem die 19-jährige Kanadierin ihre ganze grummelige Teenage-Angst auf dem schönen, aber natürlich etwas überstrapazierten Isaac-Hayes-Sample aus „Ike’s Rap II“ (siehe auch: Portisheads „Glory Box“ und Trickys „Hell Is Round The Corner“) ausbreitet: „But really I would rather be at home all by myself. Not in this room with people who don’t even care about my well being“.

Es liegt ein gewisser Zauber in dieser mit warmer, knisternder R’n’B-Stimme vorgetragenen Null-Bock-Stimmung. Der gleiche Zauber vielleicht, der auch Lorde oder Halsey aus ihren Kinderschlafzimmern in die US-Hitliste katapultierte. Die Befindlichkeiten einer von Liebeskummer und Gruppenzwang frustrierten Jugend als catchy Popsong – das Radio-Publikum liebt das.

„Don’t wanna hang around the In-crowd. The cool kids aren’t cool to me“, singt Cara. Sie gegen den Rest der Welt – okay, wir haben es verstanden: Ein Anti-Popstar will sie sein, authentisch und soulful sollen die Songs sein und trotzdem schöne Hochglanz-Hits hergeben. Das ist vielleicht das größte Problem dieser Platte: Es wirkt irgendwie alles zu angestrengt, zu aufpoliert, als wolle sie (oder ihr Label) jetzt nach dem Hype um „Here“ bloß alles richtig machen – viel Stimme, viel Gefühl, und trotzdem cool und anders wirken.

Ein, zwei halbe Hits werden zwischen den glattgezogenen R’n’B-Produktionen, die so haushoch und gleißend wirken wie die Bühne, für die sie gemacht sind, schon noch abfallen. Trotzdem bleibt das alles überraschend blass – besonders in „Outlaws“ und „Overdose“. Und nach 15 Songs ist dann immer noch nur dieser eine Song hängen geblieben – vielleicht war es auch einfach dieses verdammt gute Isaac-Hayes-Sample.


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