Bendik Giske Surrender


Smalltown Supersound/ Rough Trade

Niemals darf man aufgeben! Sagen schließlich Bert Brecht oder Mark Twain oder Albert Schweitzer! In deiner Insta-Story! Bendik Giske beschwört mit seinem Debüt Surrender hingegen die Poesie des Sich-Auslieferns: als Verschiebung der Perspektive, die viel mit Vertrauen zu tun hat, mit dem Zulassen von Verletzlichkeiten. Und die auch eine Absage an dominante Männlichkeitsentwürfe ist.

Kennengelernt hat der queere norwegische Saxofonist die Schönheit der Kapitulation in den Darkrooms der schwulen Berliner Clubkultur – ein Erlebnis, das in diesem Album musikalische Form findet. Und es klingt, als hätte Giske tatsächlich musikalisches Neuland betreten. Giskes Körper ist üppig mikrofoniert, dessen Geräusche, seine Bewegungen, Stimme und Atmen, machen die Klanglandschaft organisch pulsierend. Das Saxofon dazu: ein wummernder Bass, ein fliehender Ton, Rhythmus und Drone.

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Hier wird elektronische Musik mit einem akustischen Instrument nachgebaut, aber nicht so akademisch, wie es Techno-Legenden wie Carl Craig und Henrik Schwarz immer wieder scheiternd versuchen, sondern mit Lust am Menschlichen. Und mit Lust. Surrender ist Musik, die unter Wasser mit Highspeed tanzt. Freejazz für den dritten wachen Tag. Transzendenter Club-Hospitalismus. Es fällt schwer, nicht die nervöse, über die Kontrolle hinausschießende Euphorie zu spüren, die aus jedem der acht Tracks über den Hörer fließt. Ergeben empfohlen.

Klingt wie: Pharoah Sanders: Karma (1969) / Lindstrøm: Where You Go I Go Too (2008) / Oneohtrix Point Never: Replica (2011)


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