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Biffy Clyro Ellipsis


Warner

„We are the wolves of winter“, rufen diese drei Männer, die sich so selbstverständlich ihre Shirts ausziehen, wie Hunde in den Görlitzer Park scheißen. Beides ist irgendwie doof, aber wohl nicht zu verhindern. „Wolves Of Winter“, da haben wir gleich Bilder im Kopf: „Game Of Thrones“, der Norden. Die Schotten fühlen sich in dieser Fantasiewelt gut aufgehoben, die Symbolik ist zwar total flach, aber um Inhalte geht’s bei Biffy Clyro nicht mehr. Die Rockband ist unglaublich erfolgreich, der Schlachtruf „Mon The Biff“ hat es ins „Urban Dictionary“ geschafft, das man immer dann aufruft, wenn man den 14 Jahre alten Neffen nicht mehr versteht.

ELLIPSIS ist die siebte Platte des Trios, im Vorfeld nannten sie den Filmemacher John Waters und HipHopper A$AP Rocky als Einflüsse, was so glaubhaft ist, als wenn ein Fußballer sein Freistoßtor mit einem Gemälde von Picasso vergleicht. Biffy Clyro – das ist und bleibt Festivalrock. „Wolves Of Winter“ zeigt, wie grässlich das klingen kann: Das Energielevel muss zu jeder Zeit sehr hoch sein, es wird gedroschen und geknüppelt – aber so synthetisch rein wie nur möglich, dafür steht der Name Rich Costey, der Tatortreiniger unter den Rockproduzenten, der nach Beendigung seines Tagwerks keine Dreckspuren zurücklässt. Klar, dass der Mann auch für Muse tätig ist.

Besonders übel ist, dass Biffy Clyro gleich im ersten Song alle abholen wollen. Die Grölmeis­ter und Metal-Köppe, Headbanger und Luftgitarrenspieler, Rollenspieler und Prosecco-Rocker. Nur die Emos, ganz zu Beginn der Karriere Hauptzielgruppe, schauen mittlerweile in die Röhre. Ob sie später den Ethno-Kinderchor von „Friends And Enemies“ mögen? Auch das ein Kommunitarismuslied, Freunde und Feinde – dazwischen gibt’s nichts mehr in der Welt von Biffy Clyro. Dennoch: eines der wenigen brauchbaren Stücke. Anders als die halb-elektronische Ballade „Re-arrange“, die man problemlos in Maroon-5-Playlisten einbauen kann.

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