Big Red Machine Big Red Machine


People/Jagjaguwar/Cargo

Der Song „Big Red Machine“ exis­tiert schon seit zehn Jahren, zu finden auf DARK WAS THE NIGHT, Aaron Dessners Compilation-Projekt für die Red Hot Organization. Justin Vernon hatte ihn auf Basis einer Skizze von Dessner vollendet, die beiden waren sich bis dahin noch nicht persönlich begegnet. Über die nächsten zehn Jahre haben sie das nachgeholt, Vernon und Dessner freundeten sich an, grübelten über Ideen, erfanden das „People“-Kollektiv und ließen aus dem Song eine Band und ein Album werden: BIG RED MACHINE.

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„Well, we better not fuck this up“, singt Vernon an einer Stelle, und da hat er recht: Es hat zuletzt so einige Gemeinschaftstaten großer Namen gegeben, die ziemlich in die Hose gegangen sind; Aarons Bruder Bryce war an einem beteiligt, PLANETARIUM mit Sufjan Stevens: Diese Weltraumnummer versank schnell im schwarzen Loch. Auch bei Big Red Machine hörte man im Vorfeld bedenkliche Schlagworte: Trap-Rap, Cloud-Rap, Modern-Pop. Buzzwords, nicht mehr. Wichtiger sind gute Songs, und die gibt’s hier.

„Deep Green“ stolpert elektronisch aufs Feld, dann gibt Vernon endlich mal wieder den Mainstream-Sänger, ohne Effekte, nur seine kraftvoll-nasale Stimme. „Gratitude“ klingt wie Paul Simons GRACELAND als 4.0-Version, Vernon mit Kopfstimme und Vocoder und eben dieser starken Zeile: „Well, we better not fuck this up.“ Bei diesem Stück hört man, wie das Projekt Big Red Machine nach und nach zu einer ganzen Band wird, der Sound wird immer voller, die Musik befreit sich aus den Laptops, breitet sich im Studio aus.

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Die Zeiten, das System zu ficken, sind vorbei

„Lyla“ verliert sich in Stimmen und Streichern, der Beat ist so kompliziert, dass er eine eigene Anleitung bräuchte. „Hymnostic“ ist einfach nur eine Gospel-Blues-Ballade, „Forest Green“ digitaler Indie-Jazz, „I Won’t Run From It“ Folkrock, wie ihn die von Vernon so sehr verehrten Indigo Girls spielen. Und dann darf Dessner ganz am Ende aufdrehen: „Melt“ hat die lautesten Gitarren, ist zunächst eine Kakofonie auf Riffbasis, bis sich aus dem rhythmischen Chaos Vernon schält. Er singt so kraftvoll wie seit Jahren nicht mehr, übernimmt mit einem Chor diesen widerspenstigen Song, der zur Hymne wird.

Dieses Vorgehen hat Methode bei BIG RED MACHINE, dahinter steckt die Botschaft: Die Zeiten, das System zu ficken, sind vorbei. Destruktion können andere besser. Lasst uns das System lieber gemeinschaftlich und mit so vielen wie möglich verändern, bis es uns am Ende besser gefällt. Das ist Arbeit. Aber immerhin: Gemeinschaftsarbeit.

Keine Zeit, den nächsten Plattenladen zu besuchen? 

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