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Album der Woche

Bilderbuch Vernissage My Heart


Maschin Records/Universal

„Zu viel süße Luft hat mein Herz vergiftet.“
Maurice Ernst schickt am Anfang erneut müde Grüße aus der Verzweiflung. „Kids Im Park“ nimmt einen mit seinen breiten Gitarren (so breit waren die zuletzt bei „Kopf ab“, 2009), mit seinem Sehnsuchtssolo und seinen maximal verzerrten Vocals hinein in diese Platte, die im Gegensatz zum Vorgänger MEA CULPA eines nicht ist: stringent.

Also nicht stringent, wenn man als einzige Maßeinheit dafür Stilistik nimmt. Das folgende „Frisbeee“ shuffelt zwischen elegantem 70s-Poprock (Think: Todd Rundgren) und HipHop-Patterns. „Ja, mir wird wieder klar, meine Erde ist flach“, singt Ernst hier, und das mag man dann doch als roten Faden begreifen: Nach wie vor gibt es in fast jedem Song diesen einen Anker im Text, diese eine Zeile, die sich Kids mit Edding auf den Arm schreiben.

Die musikalischen Räume hingegen öffnen sich beherzt: Tracks wie „LED go“ (mit zartem Blumfeld-Verweis), und „Mr. Supercool“ bewegen sich wieder in jenem klassischen Terrain, das seit der „Feinste Seide“-EP als etabliert gilt; andere („Ich hab Gefühle“) setzen beim Verzweiflungspop von MEA CULPA an, zu dem sich auch ein direkter Bezug findet: „Memory Card 2“ ist aber weniger Fortsetzung als Fußnote zum Hit.

Zusammengeführt wird alles gegen Ende: „Europa 22“ läuft fast zehn Minuten lang, der Bass ist funky, die Gitarren sind es auch; zunächst denkt man an eine aufgeraute Version von Manchester Anfang der 90er, dann verschwindet all das in einem fast esoterischen Weltraumsound. Am Ende ein einzelner Ton, zehn Sekunden dauert es, bis er verstummt ist. Als hätten Bilderbuch sich schlafen gelegt.  


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