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Camera Phantom Of Liberty


Bureau B/Indigo

Wenn diese Entwicklung anhält, dann gehört Camera auf dem nächsten Album kein Gründungsmitglied mehr an und die Berliner sind eine komplett neue Band. Dabei liegt das Erscheinen ihres Debütalbums RADIATE! erst vier Jahre zurück, aber schon auf REMEMBER I WAS CARBON DIOXIDE (2014) mit seinem Daniel-Richter-Cover bestanden die Experimental-Krautrocker im Kern nur noch aus Schlagzeuger Michael Drummer und Keyboarder Timm Brockmann. Auf den Positionen an den Gitarren gab es ja schon immer ein großes Kommen und Gehen, aber die Stelle an den Tasteninstrumenten schien durch den immensen Einfluss auf den Sound von Camera unantastbar.

Umso erfreulicher, dass Multiinstrumentalist Steffen Kahles, eher in der Welt der Soundtrack-Arbeiten („12 Meter ohne Kopf“, „Finnischer Tango“) beheimatet, die Lücke nahtlos schließt und gleichzeitig neue Impulse setzt. Schlagzeuger Michael Drummer, der doch glatt so heißt und eine Mischung aus Jaki Liebezeit (Can), Das Tier („Die Muppet Show“) und Klaus Dinger (Neu!) darstellt, treibt die Stücke von PHANTOM OF LIBERTY mit seinen hypnotischen Beats voran.

Gerade in der ersten Hälfte halten Camera auf ihrem nach dem surrealistischen Luis-Buñuel-Meisterwerk „Das Gespenst der Freiheit“ aus dem Jahr 1974 benannten Album das Tempo hoch. „Affenfaust“, „Tjamahal“ oder „Nevernine“ heißen diese rasanten Songs, zwischen denen Camera gemäßigtere Lieder platzieren. In „Festus“ (ob damit wohl der Kauz aus der Western-Serie „Rauchende Colts“ gemeint ist?) vermengen sich Tribal-Beats mit dronigen Klängen und „Reindenken/Raus“ klingt dann tatsächlich sehr nach innen gekehrt.

Kooperation

Wie schon auf den beiden Vorgängern, schwirren die Geister von Can, Neu!, Harmonia und Spacemen 3 durch die psychedelischen Krautrock-Songs, ohne dass man Camera dabei den Vorwurf machen könnte, ihren Einflussgebern plump nachzueifern. Nein, dazu sind sie viel zu schlau und viel zu gut. Ansonsten hätten sich Michael Rother und Dieter Moebius bestimmt nicht mit Camera auf die Bühne gestellt – so geschehen am 22. Oktober 2011 im Berliner „HBC“ (Der Videokünstler Christian Garcia hat einen leicht auffindbaren, 26-minütigen Clip des Jams ins Internet gestellt – Anm. d. Red.). So hinterlässt diese immer noch junge Gruppe einen famosen Eindruck, und nebenbei ist PHANTOM OF LIBERTY ihr kompaktestes Album geworden.


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