Damon Albarn The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows


Transgressive/PIAS/Rough Trade (VÖ: 12.11.)

von

Gorillaz sind die Party-Butze, Damon Albarns Solowerk verzieht sich ins Ermüdungsbecken. Fast eine Viertelstunde vergeht, bis sich die Musik zum ersten Mal erhebt, mitten ins Instrumental „Combustion“ hat Albarn einen Blur-Moment eingebaut, sicherlich eine Art Fan-Service. In den Minuten davor sinniert der dem Brit-Pop längst entflohene Künstler über das Leben und die Landschaft, über Brunnen, Quellen, Ströme – alles gerne benutzte Themen für nachdenkliche Kunst-Reflexionen, vergleiche auch das Spätwerk von Blumfeld.

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Ausgangspunkt von THE NEARER THE FOUNTAIN, MORE PURE THE STREAM FLOWS war das Titelstück, dessen Kalenderweisheit aus einem Gedicht des englischen Naturdichters John Clare stammt, der im frühen 19. Jahrhundert schön klingende Verse über Tiere und Hügel verfasste. Albarn kam Clares Poesie bei einem Island-Trip in den Sinn; zunächst gab es die Idee, das neo-klassische Titellied zu einer Suite auszubauen. Nun besteht das Album jedoch aus elf Einzeltracks, die lose vom Hauptmotiv des Titeltracks zusammengehalten werden. Geprägt wird die Musik von Damon Albarns trägem Schwermut, getriggert von dieser Stimme, die den Eindruck erweckt, sie befände sich in der Horizontalen.

Vieles auf dem Album klingt kammermusikalisch, dann ist die Platte hübsch. Grandios wird sie, wenn Albarn diese kontemplative Musik in abseitige Pop-Visionen einwebt. Besonders herausragend sind die Erinnerungen an „The Tower Of Montevideo“, einem Stück zwischen Liebes- und Lockdown-Sentimentalität: „Once there was cinema and there were parties / And a light at the top of the tower could reach Argentina.“ Es ist verständlich, diesen Albarn-Sound als demotivierend träge zu empfinden. Es ist aber genauso gut möglich, sich in diesen Fluss fallenzulassen und Erfüllung zu finden.


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