Deafheaven Ordinary Corrupt Human Love


Epitaph/AntiI/Indigo

Keine Gefühle von Stolz oder Erfüllung, sondern Albträume. So reagierten Deafheaven-Sänger George Clarke und Gitarrist Kerry McCoy auf den für eine Metalband außergewöhnlichen Erfolg ihres zweiten Albums SUNBATHER (2013), das von Indie-Blogs und Magazinen berechtigterweise über den grünen Klee gelobt wurde und das der Band Tausende von neuen Fans bescherte. Für diese Fans waren Deafheaven ein Portal in eine Welt, die sie bis dahin kaum kannten: die kompromisslose Brutalität des Black Metal, den Clarke und Kollegen mit Postrock und Shoegaze kombinierten und dadurch die Wut von alteingesessenen Metal-Fanatikern auf sich zogen.

Der Nachfolger NEW BERMUDA (2015) war heftiger und lauter, aber unausgegoren, und der Release-Tour-Release-Tour-Teufelskreis verlangte der Band einiges an Energie und Privatsphäre ab. Hunderte Konzerte – und diverse Suchtprobleme – später haben Deafheaven ein Album gemacht, das ihre Soundpalette um Einflüsse aus Emo, Dream Pop, Indie- und sogar Classic Rock erweitert. Der Opener „You Without End“ beginnt, wie „Layla“ von Eric Clapton aufhört: mit einem melancholischen Klavier-Thema, das von einer leidenden, cleanen E-Gitarre umrankt wird. Die erste Stimme, die man hört, ist nicht das infernalische Keifen von Clarke, sondern eine Spoken-Word-Einlage einer Freundin: „The pain began to recede, back down the promenade and homeward bound“.

Die brachialen, für Black Metal typischen Blastbeat-Attacken sind spärlicher gestreut – dafür gibt es gerne mal einen Metallica-Gedächtnis-Mittelteil („Canary Yellow“) und das opernartige, an Radiohead und These New Puritans erinnernde „Night People“, auf dem die Goth-Musikerin Chelsea Wolfe und deren musikalischer Partner Ben Chisholm im Duett singen. Offenherzige Hörer finden auf ORDINARY… Musik, die ergreifend, vielseitig, extrem und – wirklich! – wunderschön ist.

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