Die Aeronauten Neun Extraleben


Tapete/Indigo (VÖ: 20.11.)

von

Dass es diese NEUN EXTRALEBEN noch geben wird, das hat man nicht zu hoff en gewagt: Ganz am Anfang dieses zerstörerischen Jahres verstarb Olifr M. Guz, Sänger und Liedschreiber der Aeronauten. Einfach aus dem Leben gerissen wurde dieser grundgute, tolle Mensch und Musiker – und da standen wir nun ohne ihn und mussten uns damit trösten, seine großartigen Lieder im Netz umherzureichen, Songs wie „Schnee“ und „Schwarzer Fluss“, „Schaff hausen ist eine Illusion“ oder „Ich wollt ich wär tot, Bettina“.

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Nicht bekannt war, ob da noch was in der Mache ist. Und, wenn, ob die restlichen Aeronauten die Kraft haben, das zu beenden. Es war. Und: Sie hatten. NEUN EXTRALEBEN ist weit mehr als Bonus-Material: Dies ist eine vollwertige neue Aeronauten-Platte, die Songs waren geschrieben, die Gesangsspuren aufgenommen, um Perfektion ging es hier ja nie. „Dieses anstrengende Leben“ ist ein super Auftakt, man schluckt natürlich sofort, wenn Guz diese Zeilen singt, denn anstrengend ist das Leben, klar, aber natürlich trotz allem lebenswert und geheimnisvoll: „Mirage, mirage, mirage“, wie Guz im Refrain intoniert.

Worauf eine traurige Klarinetten-Melodie folgt, die von der Band nachträglich hinzugefügt worden ist. „Du kotzt mich an jetzt“ bietet die Aeronauten in Garagenrock-Bestform, „Hatemails“ pumpt wie Northern Soul – die ersten fünf Tracks sind voller Kraft. Erst dann folgt ein „Lamento“-Instrumental, der Abschied beginnt: Das Titelstück schwebt, kratzt und beißt, die Band klingt fast wie Broken Social Scene, Guz’ Text von „Stauseegrund“ hat Drummer Roger Kreipl zu einem Lied gemacht, das er selbst auch singt.

Guz kehrt noch einmal zurück, als „Junger Mann, Gedichte schreibend“, das Stück ist eine Hommage an den Small-Faces-Hit „Sha La La La Lee“. „Gletscher sterben leise“ leitet als weiteres Instrumental das defi nitive Ende ein, es folgt noch ein letztes Lied, nach dem Motto: „Bitte auf meiner Beerdigung spielen“: „Never Be Dead“, eine Proberaumaufnahme, der Refrain: „One, two, three, four, never be dead!“ Es rumpelt, Guz beendet den letzten Chorus, die Band will gar nicht aufhören, am Ende bleibt ein kurzes, nachhaltiges Dröhnen: Mach’s gut, Guz!

„NEUN EXTRALEBEN“ im Stream hören:


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