Diverse I’ll Be Your Mirror — The Velvet Underground Tribute


Caroline/Universal (VÖ: 24.9.)

von

Zu den Top-10-Legenden der Popgeschichte zählt das von Brian Eno kolportierte Gerücht, das Album THE VELVET UNDERGROUND & NICO sei bei Erscheinen nur etwa 30 000-mal gekauft worden – aber jede*r Käufer*in habe eine Band gegründet. Kurz vor dem 55. Geburtstag der Platte erscheint nun eine Tribute-LP, auf der Gäste von Michael Stipe bis Fontaines D.C. beweisen dürfen, dass man von der Ursuppe des Avantgarde-Rock noch zehren wird, wenn sich die Menschheit von Tubennahrung ernährt.

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Old Champs wie Thurston Moore und Iggy Pop bleiben bei ihren Covers nah am Original, ein paar junge alte Seelen ebenso, zum Beispiel Sharon Van Etten und Angel Olsen. King Princess versucht mit ihrer Version von „There She Goes Again“, was zuletzt Miley Cyrus in grellerer Überzeichnung tat: Sie macht sich ihren Reibeisenstimmenreim auf den Rock ihrer (Groß-)Vätergeneration – wobei sie dem Eifersuchtssong einen guten Dienst erweist und Lou Reeds unangenehm mehrdeutiges „You better hit her“ in „Don’t hit her“ umdichtet.

Besonders spannend ist’s, wie St. Vincent „All Tomorrow’s Parties“ in ein unheimliches Spoken-Words-Pianostück verwandelt: Die sedierte Wärme des Originals ist verflogen, das schwermütige Partygirl vom Comedown geradewegs in die Paranoia geschlittert. Wenn Courtney Barnett aber „I’ll Be Your Mirror“ interpretiert, dass ja vor allem deshalb so herzzerfetzend ist, weil das Coolnessmonument Nico Päffgen so feierlich ernsthaft, eckig und steif wie ein Chorknabe beim Weihnachtskonzert die eine, jene Person ansingt, der sie Spiegel und Heimat sein will – wenn Barnett diesen Song also in ihrer eigentlich großartigen (und auch ein wenig Lou-Reed-haften) Barnetthaftigkeit verschludert und vernuschelt, wird aus einem Jahrhundertsong ein schönes Lied. Aber es bleibt ein schönes Lied, ewig unkaputtbar wie das gesamte Album.


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